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"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell, 1903-1950, britischer Schriftsteller)



22. Januar 2017, von Michael Schöfer
Zur Wahrheit gehört das vollständige Bild


Die baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Christina Baum, die vor einer aus ihrer Sicht immer stärkeren "Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils" warnt und in diesem Zusammenhang auch gerne von einem "schleichender Genozid an der deutschen Bevölkerung" spricht, hat dem Bundespräsidentenkandidat Frank-Walter Steinmeier in Stuttgart eine Frage gestellt. Sie sei auf eine Tabelle der Fachhochschule Münster gestoßen, aus der hervorgehe, dass der Anteil der unter 6-Jährigen ausländischer Herkunft in westdeutschen Großstädten zwischen 55 und 70 Prozent liege. Daraus resultiere ihre Angst. Sie hat Steinmeier gefragt, wie er glaube, diese zukünftige Gesellschaft zusammenhalten zu können.

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18. Januar 2017, von Michael Schöfer
Helle Aufregung in Mannheim


Die Journalistin Düzen Tekkal hat in der Talk-Show "Anne Will" den Mannheimer Stadtteil "Neckarstadt-West" als "No-Go-Area" bezeichnet. Ihrer Meinung nach sollte man die "Neckarstadt-West" besser meiden. Tekkals Aussagen schlagen hier natürlich hohe Wellen: Die Polizei dementiert, die Stadtverwaltung dementiert, und im hiesigen Lokalblatt kommen Menschen zu Wort, die in besagtem Stadtteil angeblich noch nie Angst hatten. Angst ist jedoch ein subjektiver Eindruck, worüber man also trefflich streiten kann. Die Bewertungen über die "Neckarstadt-West" sind, wie wir weiter unter noch sehen werden, überwiegend negativ.

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12. Januar 2017, von Michael Schöfer
Freuen Sie sich auf ein nervenaufreibendes Bühnenstück


Schon bei den Dramatikern der Antike, zum Beispiel Aischylos (525 - 456 v. Chr.) oder Sophokles (497/496 - 406/405 v. Chr.), spielten Intrigen und der Eros eine wichtige Rolle. Auch im Werk Shakespeares (1564 - 1616) finden wir diese Konstellation gleich mehrfach wieder, so etwa in den weltberühmten Tragödien "Hamlet", "Othello", "King Lear" oder "Macbeth". Alles offenbar zutiefst menschlich. Wie das Stück, in dem Donald Trump die Hauptrolle spielt, einmal heißen wird, ist noch offen. Ebenso, ob er dabei die Rolle des Bösewichts oder die des Opfers mimt. Jedenfalls dürfen wir uns auf eine Vorstellung freuen, die auch genauso gut aus Shakespeares Feder hätte stammen können.

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06. Januar 2017, von Michael Schöfer
Enteignet Mario Draghi die Sparer?


Die Inflationsrate zieht wieder an: Nach 0,9 Prozent in 2014, 0,3 Prozent in 2015 und 0,5 Prozent in 2016 werden die Verbraucherpreise hierzulande im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,6 Prozent steigen. Allerdings sind Prognosen immer mit Vorsicht zu genießen, so hat etwa die Deutsche Bundesbank im Juni 2015 die Preissteigerungsrate für 2016 auf 1,8 Prozent geschätzt. Es kam, wie man heute weiß, durch den starken Verfall der Energiepreise anders. Die Bundesbank lag 1,3 Prozent daneben. Im Nachhinein ist man eben immer schlauer. Und wer kann denn heute seriös abschätzen, wie sich etwa die Politik des künftigen US-Präsidenten Donald Trump auswirkt? Niemand! Das, was dieser Mensch nach dem 20. Januar im Oval Office vorhat, gleicht momentan einer von außen uneinsehbaren Blackbox. Allenfalls ein kleiner Kreis von Eingeweihten weiß darüber wirklich Bescheid, der große Rest muss sich vorerst mit nicht nachprüfbaren Gerüchten begnügen.

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06. Januar 2017, von Michael Schöfer
Woher kommt all der Hass, der sich da austobt?


Bis Ende Oktober 2016 wurden in Sachsen 71 Angriffe auf Büros von Bundes- und Landtagsabgeordneten angezeigt (2014: 29 Fälle, 2015: 40 Fälle). Eine dramatische Steigerung. "Die Linkspartei zählte seit Beginn des Jahres 42 Übergriffe auf Wohnungen oder Infostände, Anschläge auf Büros und Drohungen gegen Mitglieder." Doch die Annahme, es treffe dort vor allem Linke, ist falsch. Auch die AfD wurde von 23 Anschlägen getroffen. In Brandenburg wurden von Januar bis September 16 Parteibüros der AfD attackiert, die Linke war fünfmal betroffen, die SPD dreimal und die CDU einmal.

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05. Januar 2017, von Michael Schöfer
Werbe- und Scriptblocker sind reine Notwehr


Die Verwendung eines Werbeblockers wie "Adblock Plus" und die eines Script-Blockers wie "NoScript" ist die reine Notwehr - auch wenn einige Zeitungsseiten mittlerweile den User aussperren, sofern er einen Werbeblocker verwendet (etwa das Handelsblatt oder der Mannheimer Morgen). Dass Verlage mithilfe von Online-Werbung Einnahmen erwirtschaften wollen, ist ja verständlich. Aber warum muss Werbung so aufdringlich sein? Wenn man etwa auf Welt-Online einen Artikel lesen will, startet oft automatisch ein Video, dessen Ton dann natürlich beim Lesen stark stört. Ob Springer-Chef Mathias Döpfner bei der morgendlichen Zeitungslektüre parallel Radioreportagen hört, wage ich zu bezweifeln. Auch er wird sich vermutlich auf eines von beiden konzentrieren wollen. Warum sich diese Unsitte dennoch auf Welt-Online breit macht, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht.

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29. Dezember 2016, von Michael Schöfer
Totale Sicherheit gibt es nicht einmal durch totale Videoüberwachung


In einem U-Bahnhof in Berlin-Neukölln tritt ein Mann einer Frau auf der Treppe unvermittelt von hinten in den Rücken, sie fällt hinunter und bricht sich den Arm. Der Täter wird nur ermittelt, weil die Polizei das Video der Überwachungskamera veröffentlicht. Vorherige Ermittlungen blieben erfolglos. In einem anderen Berliner U-Bahnhof zünden sieben junge Männer einen auf der Sitzbank schlafenden Obdachlosen an, nach der Veröffentlichung der Videobilder stellen sich sechs der Verdächtigen schon am nächsten Tag selbst, ein weiterer wird von Zielfahndern verhaftet. Die Staatsanwaltschaft erließ Haftbefehl wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes. In Freiburg helfen Videoaufzeichnungen in einer Straßenbahn entscheidend bei der Ermittlung eines Sexualmörders. Eine kriminalistische Meisterleistung, die ohne Videoüberwachung aber wohl kaum möglich gewesen wäre. Drei Fälle, die die Diskussion um die Videoüberwachung erneut entfacht haben. Gewiss, die Videoüberwachung kann Verbrechen, wie etwa den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin nicht verhindern, die präventive Wirkung wird häufig überschätzt, aber sie kann zumindest im Nachhinein entscheidend bei der Aufklärung helfen. Immerhin etwas. Die eigentliche Frage dabei ist, welches Maß an persönlicher Überwachung wir für den Sicherheitsaspekt einzutauschen bereit sind.

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22. Dezember 2016, von Michael Schöfer
Das phlegmatische Volk


Was ist bloß los mit den Deutschen? Am 19. Dezember 2016 gab es auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche einen furchtbaren Anschlag. In Deutschland der erste dieser Größenordnung. Ein Terrorist fuhr mit dem LKW in die Menschenmenge hinein, was zwölf Menschen das Leben kostete. Natürlich gab es daraufhin, wie in solchen Fällen üblich, Sondersendungen im Fernsehen und zudem ein paar Mahnwachen mit recht schwacher Beteiligung. Mehr nicht.

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19. Dezember 2016, von Michael Schöfer
Wir erleben momentan eine beispiellose Kampagne


Noch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) fordert ein EU-weites Gesetz gegen die Verbreitung von Falschmeldungen im Netz. Wir erinnern uns: Bei seinem Israel-Besuch 2014 kam es zum Eklat, weil Schulz in der Knesset fragte: "Wie kann es eigentlich sein, dass ein Israeli 70 Liter Wasser am Tag benutzen darf, ein Palästinenser nur 17 Liter." Israelische Abgeordnete warfen ihm daraufhin die Verbreitung von Lügen vor. Schulz musste kleinlaut einräumen, die Zahlen nicht überprüft zu haben. Kein Faktencheck? Ei der Daus! Nach den Vorstellungen von Schulz soll so etwas künftig für soziale Netzwerke wie Facebook teuer werden. Und für Politiker wie ihn soll das Gesetz nicht gelten? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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17. Dezember 2016, von Michael Schöfer
Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?


Das derzeit gültige Wahlrecht sieht vor, dass Überhangmandate vollständig durch Ausgleichsmandate ausgeglichen werden. Vielen Wählern müsste man erst einmal erklären, was Überhangmandate überhaupt sind und unter welchen Umständen sie entstehen, bevor man zu den Ausgleichsmandaten käme. Schon allein das zeigt, wie komplex unser Wahlrecht ist.

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