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"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell, 1903-1950, britischer Schriftsteller)



20. Mai 2018, von Michael Schöfer
Gesellschaftliche Auflösungserscheinungen? Wenig verwunderlich!


Man mag es kaum glauben: Da wird Anfang März auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal im britischen Salisbury ein Attentat mit einem hochwirksamen Nervenkampfstoff verübt, das zu massiver Verstimmung zwischen Russland und dem Westen führte (die Nato sprach vom "ersten offensiven Einsatz eines Nervenkampfstoffs auf dem Gebiet der Allianz seit der Gründung der Nato"), doch nun ist seit einiger Zeit nicht mehr allzu viel davon zu hören. Ziemlich mysteriös, nicht wahr? Ich glaube a priori weder den Russen noch den Regierungen des Westens, dazu haben sie allesamt in der Vergangenheit schon viel zu viel gelogen. Und der Fall Skripal ist besonders undurchsichtig.




14. Mai 2018, von Michael Schöfer
Ausgerechnet ein freiberuflicher Journalist


Iwan Petrowitsch Pawlow, das ist der mit dem Hund, hätte bestimmt seine Freude daran gehabt: Egal was die Russen machen, es wird sich bestimmt irgendein an den Haaren herbeigezogenes Argument zu ihrer Verteidigung finden. Das passiert so zuverlässig wie der Speichelfluss des besagten Hundes beim pawlowschen Reflex. (Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass umgekehrt manche die Russen ebenso wenig überzeugend für alles Böse in der Welt verantwortlich machen.)




13. Mai 2018, von Michael Schöfer
So verschläft Deutschland seine Zukunft


China ist bei den Elektroautos weit voraus, liest man auf der Website des Heise-Verlags. "Lange waren deutsche Hersteller auf dem wichtigsten Automarkt der Welt kaum zu schlagen. Doch im rasant wachsenden Geschäft mit Elektroautos droht die chinesische Konkurrenz davonzufahren." Die Sorge ist nicht unbegründet: Während auf dem chinesischen Automarkt 2017 immerhin 652.000 reine Elektrofahrzeuge abgesetzt wurden, sieht es in Deutschland noch ziemlich mau aus, hier waren es nämlich bloß 25.056. Deutschland droht den Trend zur Elektromobilität zu verschlafen.




08. Mai 2018, von Michael Schöfer
Eine törichte Entscheidung


Die törichte Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, aus dem Atomabkommen mit dem Iran auszusteigen, bedeutet vermutlich Krieg.




08. Mai 2018, von Michael Schöfer
Voreilige Spekulationen und Schuldzuweisungen


"Hacker-Angriff auf die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking", lauteten die alarmierenden Schlagzeilen Mitte März. "Hacker erlangen Kontrolle über TV von NRW-Ministerin." "Auf dem Fernsehgerät in ihrem privaten Wohnhaus lief am Donnerstag plötzlich eine Aufnahme aus einer Fragestunde im Landtag, in der es um die Schweinehaltung in ihrem Familienbetrieb gegangen war." BILD sprach von einer "Cyber-Attacke auf Fernseher von Christina Schulze Föcking". N-tv wusste schon ungefähr, wie: "Unbekannte verschafften sich offenbar Zugang zu dem Datennetz in ihrem Wohnhaus und manipulierten ihren Fernseher."




06. Mai 2018, von Michael Schöfer
Am Ende gehören Sie zu den Gelackmeierten


Die altehrwürdige Schwedische Akademie? Wirklich? Ja, auch die! Enttäuschend, aber ziemlich aufschlussreich, denn die Vorgänge dort zeigen abermals: Traue keinem! Die Schwedische Akademie ist gewissermaßen das Paradebeispiel für den Homo sapiens: Dieses eigennützige und selbstherrliche Verhalten, das sich jahrelang unter einer Fassade erlesener Bildung, Wohlerzogenheit und Anstand verbarg. Immerhin vergibt die Schwedische Akademie in jedem Jahr aufs Neue den Literaturnobelpreis. Nun ja, 2018 fällt das ausnahmsweise einmal aus, weil selbst die glänzende Fassade nicht mehr über den Abgrund an menschlicher Niedertracht hinwegtäuschen konnte.




04. Mai 2018, von Michael Schöfer
Kurioserweise rettet uns die SPD


Ach, was haben wir uns kürzlich wieder über Amazon aufgeregt: Jeff Bezos, der Chef des Online-Versandhändler, verdiente im vergangenen Jahr 36.720 US-Dollar - wohlgemerkt pro Minute, nicht pro Jahr. Dagegen beträgt das Durchschnittseinkommen seiner Beschäftigten bloß 28.446 US-Dollar - wohlgemerkt pro Jahr, nicht pro Minute. Kein Wunder, dass Bezos inzwischen mit einem Reinvermögen von 112 Mrd. US-Dollar der reichste Mann auf Erden ist. In Deutschland verweigert der Handelskonzern übrigens seinen Mitarbeitern noch immer, nach dem günstigeren Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel bezahlt zu werden. Von den kreativen Steuersparmodellen ganz zu schweigen. Die Kunden lässt das allerdings kalt: "Im ersten Quartal des laufenden Amazon-Geschäftsjahrs stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 43 Prozent auf 51 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn kletterte von 724 Millionen auf 1,6 Milliarden Dollar." Den Kunden, die durch ihr Kaufverhalten daran etwas ändern könnten, ist das offenbar vollkommen schnuppe.




30. April 2018, von Michael Schöfer
Wo ist das Korrektiv?


Schon von jeher achtete das Establishment darauf, was man denken und sagen darf. Zu diesem Zweck entwickelten Gesellschaften Religionen, pflegten Traditionen und errichteten einen ideologischen Überbau. Wenn in einem Land, wie etwa der Volksrepublik China, die Zensoren das Internet überwachen, so machen sie das natürlich nicht deshalb, weil sie die Bevölkerung aus Jux und Tollerei bevormunden wollen, sondern um die Verbreitung alternativer Gedanken gleich im Keim zu ersticken. Nichts soll der offiziellen Propaganda widersprechen. Jede Gesellschaft basiert auf einer Erzählung. Und in autoritären Gesellschaften wird jede Abweichung davon durch Zwang unterbunden, weil sie andernfalls womöglich die Herrschaftsverhältnisse zum Einsturz bringt.




28. April 2018, von Michael Schöfer
An diplomatischer Tradition kann man auch ersticken


Manchmal ist es ratsam, die ausgetretenen Pfade der Diplomatie zu verlassen und die Spielregeln kurzentschlossen zu ändern. Denn was nützt es, stur auf Tradition zu setzen, wenn man dafür bloß immer größere Spannungen erntet? Gelegentlich braucht es eben einen "game changer".




27. April 2018, von Michael Schöfer
Wikipedia und die Hüter der Wahrheit


Aus Anlass der Verfügung der bayerischen Landesregierung, demnächst in allen Landesbehörden das Kreuz aufzuhängen (für Markus Söder gehört das Kreuz zu Grundfesten des Staates), sind wir im Kollegenkreis auf das Thema "Kreuzigung" gekommen. Es gab wohl vor kurzem im Fernsehen eine Dokumentation, die sich mit dieser barbarischen Hinrichtungsart befasst hat. Ich habe diese Sendung nicht gesehen, aber ein Kollege berichtete, dass die christliche Darstellung der Kreuzigung nachweislich falsch wäre, denn die Römer hätten damals die Nägel gar nicht durch die Handteller getrieben, weil der Verurteilte durch das Gewicht seines Körpers herabgefallen wäre. Und angeblich seien aus der Römerzeit keine Bilder von Kreuzigungen überliefert. Das hatte ich auch vorher schon irgendwo gelesen.




20. April 2018, von Michael Schöfer
Das Völkerrecht ist kein Freibrief für Diktatoren


"Der Luftangriff auf mutmaßliche Chemiewaffeneinrichtungen in Syrien war ein Bruch des Völkerrechts. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages." Dem Gutachten des Bundestages zufolge sind "völkerrechtliche Repressalien 'grundsätzlich unzulässig'. Dies gelte auch, wenn eine Regierung zentrale Normen des Völkerrechts verletzt habe - im Extremfall sogar bei Kriegsverbrechen."