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"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell, 1903-1950, britischer Schriftsteller)



18. Juli 2018, von Michael Schöfer
Den eigenen Laden endlich auf Vordermann bringen


Im Grunde wird in Europa seit Jahrzehnten über Rüstungskooperation gesprochen, allerdings lassen die bisherigen Ergebnisse dennoch sehr zu wünschen übrig. Lieber nehmen die Europäer die Schmähungen von US-Präsident Donald Trump hin anstatt endlich den eigenen Laden auf Vordermann zu bringen. Letzteres muss jedoch nicht unbedingt mit horrenden Mehrausgaben einhergehen. Die Europäer geben bereits jetzt mehr Geld für Verteidigung aus als Russland, aber es kommt bedeutend weniger dabei heraus, weil es den Europäern in Wahrheit nicht um die optimale Verteidigungsfähigkeit geht, wie die zahlreichen maroden Waffensysteme belegen, sondern hauptsächlich um die Interessen der jeweiligen nationalen Rüstungsindustrie.




15. Juli 2018, von Michael Schöfer
Niemand wird uns vermissen


Berühren sich Defätismus und Humor, sieht das wie folgt aus: "Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: Du siehst aber schlecht aus. Sagt der andere: Ja, ich habe Homo sapiens. Sagt der erste: Hatte ich auch mal. Das geht vorbei."




14. Juli 2018, von Michael Schöfer
Historische Beispiele sind offenbar nutzlos


"Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt." (Mohandas Karamchand Gandhi, 1869-1948) Es ist atemberaubend, wie der 45. Präsident der Vereinigten Staaten durch die Weltgeschichte trumpelt [sic!] und dabei en passant scheinbar festgefügte Gewissheiten zum Einsturz bringt. "Bulldozer" oder "Abrissbirne" nennt man ihn neuerdings. Dass Donald Trump auf dem Nato-Gipfel angeblich mit einem Alleingang (sprich dem Austritt aus der Nato) gedroht hat, ist ein Beleg dafür, wie zerrüttet das Bündnis inzwischen ist. Beistandspflicht? Stimmt, da war mal was. Die Nato ist in Wahrheit bloß noch Fassade, dahinter gärt es bedrohlich. Angesichts dessen ist ein Blick zurück in die Geschichte durchaus lohnenswert.




13. Juli 2018, von Michael Schöfer
Nowitschok-Behälter in Amesbury gefunden


Die britischen Ermittler hoffen, durch das Fundstück mehr über die Herkunft des Nervenkampfstoffes und den Drahtzieher des Anschlags auf Sergei Skripal zu erfahren. Die neue Spur wird als vielversprechend bezeichnet.




13. Juli 2018, von Michael Schöfer
Besser vorher intensiver nachdenken


Donald Trump? Finde ich gut! Echt! Und das, obgleich die abwertenden Beschreibungen, die ihn charakterisieren, viel zu zahlreich sind, um hier vollständig aufgeführt zu werden: Narzisst, Dilettant, Sexist, Lügner, Prolo, Hetzer, Despot, Tölpel etc.




08. Juli 2018, von Michael Schöfer
Die totale Verantwortungslosigkeit


Phrasen, nichts als Phrasen: Als die Unionsparteien begannen, sich wegen der Flüchtlingspolitik in den Haaren zu liegen, inszenierten sie anschließend jedes Mal aufs Neue ihre Versöhnung.




06. Juli 2018, von Michael Schöfer
Die CSU steht ohne Kleider da


Politik kann so verlogen sein. Da riskiert der CSU-Chef Horst Seehofer in den letzten Wochen mit seinem unsäglichen Krawall gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel die Existenz der Großen Koalition, beschädigt das Ansehen der beiden C-Parteien im Allgemeinen und das von ihm selbst im Besonderen, doch nun soll plötzlich alles paletti sein, obgleich er sich genau besehen nicht in einem einzigen Punkt durchgesetzt hat. Die Union hat sich im Koalitionsausschuss überraschend schnell mit der SPD geeinigt: "Keine Lager, keine Zurückweisungen, keine nationalen Alleingänge." Mit anderen Worten: Keine Transitzentren! Die Asylverfahren werden lediglich beschleunigt. "Innenminister Horst Seehofer zeigte sich äußerst zufrieden. Die Einigung sei 'von A bis Z so, wie man sich das als Minister wünscht'." [1] Wirklich? Das darf doch nicht wahr sein, ein völlig nutzloser Zwergenaufstand, der beinahe die eigene Regierung gekostet hätte? Was soll das? Bitte nicht missverstehen, ich habe nie die Position von Seehofer und der CSU geteilt, aber das vorliegende Ergebnis ist echt ein Witz.




05. Juli 2018, von Michael Schöfer
Die "Achse der Willigen" ist offenbar bereits gescheitert


Jetzt wird hoffentlich auch dem letzten klar, dass Europa unweigerlich auseinanderfällt, wenn in jedem Land der nationale Egoismus triumphiert. Beispiel: Am 20. Juni besuchte der deutsche Nebenaußenminister, Verzeihung, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in Linz. Thema war, wie könnte es anders sein, die Flüchtlingspolitik. Kurz brachte bei dem Treffen seine Hoffnung zum Ausdruck, die deutsche Bundesregierung möge sich auf eine gemeinsame Linie in der Asyldebatte einigen. Zuvor hatte Kurz in puncto Flüchtlingspolitik sogar von einer aus seiner Sicht wünschenswerten "Achse der Willigen" (Rom - Wien - Berlin) gesprochen. [1] War die Anspielung auf die faschistischen Achsenmächte des Zweiten Weltkriegs (Berlin - Rom) ein Zufall?




04. Juli 2018, von Michael Schöfer
Euphemismen


Im Erfinden von Euphemismen sind Politiker besonders kreativ (leider vor allem dort):




03. Juli 2018, von Michael Schöfer
Sie haben sich wieder lieb


Franz Josef Strauß und Helmut Kohl empfanden wohl nur Verachtung füreinander. Kohl sei "total unfähig" und werde niemals Kanzler, ätzte der damalige CSU-Vorsitzende. Auch die erste SPD-Troika (Herbert Wehner, Willy Brandt, Helmut Schmidt) war sich keineswegs wohlgesonnen. Wehner geringschätzig über Brandt: "Der Herr badet gerne lau." Zwischen Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine kam es schon nach kurzer Regierungszeit zum endgültigen Bruch, auch Theo Waigel und Edmund Stoiber unterhielten eine sorgsam gepflegte Feindschaft. Die Behauptung, dass Erwin Huber in seiner aktiven Zeit Horst Seehofer gernhatte, ist eine schamlose Übertreibung. Seehofer wiederum wollte unbedingt Markus Söder verhindern, weshalb er es für nötig erachtete, zum Mittel der öffentlichen Demütigung zu greifen. Sahra Wagenknecht und Katja Kipping sind ebenso wenig ein Traumpaar wie ehedem Joschka Fischer und Jürgen Trittin. In der Politik gilt bekanntlich die Steigerung: Feind, Todfeind, Parteifreund. Das jüngste Beispiel sind Horst Seehofer, der übrigens besonders viele "Parteifreunde" zu haben scheint, und Angela Merkel. Das Ideal: Elf Freunde müsst ihr sein. Angela Merkel erstaunt: "Was? So viele?" Wer Parteifreunde hat, braucht bekanntlich keine Feinde. Freundschaften sind in der Politik die Ausnahme.




02. Juli 2018, von Michael Schöfer
Die bayerische Regionalpartei hat sich grandios verzockt


Was ist der Unterschied zwischen der Titanic und der CSU? Antwort: Die Titanic ist innerhalb von gut zweieinhalb Stunden gesunken, die CSU hingegen zelebriert ihren Untergang seit Wochen und Monaten. Und das offenbar sogar mit Genuss. Dachte man, der Koalitions-Showdown fände am gestrigen Sonntag seinen Höhepunkt, zögert ihn nun der aufgeschobene Rücktritt von Horst Seehofer weiter hinaus. Er wolle noch einen allerallerallerletzten Versuch machen, sich mit Angela Merkel zu einigen. Angeblich soll das Treffen heute um 17 Uhr die endgültige Entscheidung bringen. Der x-te Einigungsversuch mag vielleicht für Klarheit über das Schicksal Horst Seehofers sorgen, aber was die CSU anschließend macht, die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU verlassen oder aufrechterhalten, ist immer noch völlig offen. Eines ist jedoch mittlerweile klar, die bayerische Regionalpartei hat sich grandios verzockt, sie hat sich am Eisberg der Bundeskanzlerin den Rumpf aufgerissen, die Christsozialen dümpeln mit ordentlicher Schlagseite in den Wogen der stürmischen See herum.




30. Juni 2018, von Michael Schöfer
Unausgegorene Absichtserklärungen


Ob die Beschlüsse des EU-Gipfels der Staats- und Regierungschefs das Migrationsproblem wirklich gelöst haben, darf bezweifelt werden. Und ob das, was in Aussicht gestellt wurde, noch mit den Grundwerten der EU zu vereinbaren ist, genauso. Die (laut Merkel) "gute Botschaft" ist vor allem eine für sie selbst, schließlich geht es um den Bestand der Großen Koalition, die Hardliner der CSU müssen irgendwie besänftigt werden. Ob das gelingt, ist aber wie das ganze Unterfangen noch höchst unsicher.




24. Juni 2018, von Michael Schöfer
Falscher Alarm


Anfang 2017 schlug das Manager Magazin Alarm: "Tausende Millionäre verlassen Deutschland", war dort zu lesen. Nach Angaben der südafrikanischen Beratungsgesellschaft New World Wealth hätten 2016 "rund 4000 Millionäre Deutschland den Rücken gekehrt". 2015 wären hingegen bloß "1000 Millionäre aus Deutschland ausgewandert". Diese Steigerung sei "ein alarmierendes Zeichen". [1] Ich habe das schon damals für Humbug gehalten: "Wenn ich mir um eines keine Sorgen mache, dann um die High Net Worth Individuals."




23. Juni 2018, von Michael Schöfer
Herdenverhalten


Zur Natur des Menschen gehört unbestreitbar das Herdenverhalten: Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre waren lange Haare en vogue, also durfte damals im Vorabendprogramm des sonst so biederen ZDF auch ein Serienheld namens "Bastian" auftreten - mit einer Frisur à la Günter Netzer. In dieser Zeit hatten, vielleicht mit Ausnahme der Jungen Union, fast alle lange Haare. Und wer glaubt, dieses Herdenverhalten sei Schnee von gestern, der schaue sich die Hipster mit ihren Salafistenbärten an. Rein vom Aussehen her hätte zum Beispiel selbst der ehemalige Chefredakteur der Bild-Zeitung, Kai Diekmann, eine Zeitlang genauso gut als Islamist durchgehen können.




19. Juni 2018, von Michael Schöfer
Fakten sind für Trump irrelevant


Die wievielte Lüge Donald Trumps war das eigentlich? Zählt überhaupt noch irgendjemand mit? Angeblich lügt er im Durchschnitt fünfmal pro Tag. Die Kriminalität in Deutschland sei als Folge der Immigration deutlich gestiegen, behauptete der US-Präsident. Und als ihm widersprochen wurde, legte er sogar noch nach: "Die Kriminalität in Deutschland hat um zehn Prozent zugenommen (die Behörden wollen diese Verbrechen nicht melden), seit Migranten akzeptiert wurden." In Wahrheit ist sie zuletzt um 9,58 Prozent gesunken - der niedrigste Stand seit dem Beginn der gesamtdeutschen Kriminalitätsstatistik.




17. Juni 2018, von Michael Schöfer
Ein Mix aus Ignoranz und Hysterisierung


Man fragt sich, was die CSU geritten hat, das Asylthema ohne Not derart hochzukochen. Das hilft am Ende nur der AfD, denn das ist Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten. Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es. Doch selbst wenn die wirtschaftliche Lage zu Beginn der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts zugegebenermaßen nicht mit der gegenwärtigen vergleichbar ist, muss man trotzdem daran erinnern, dass wohl kaum etwas so sehr den Aufstieg der NSDAP förderte, wie die unsoziale Sparpolitik des Zentrumspolitikers Heinrich Brüning.