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"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell, 1903-1950, britischer Schriftsteller)



20. Februar 2017, von Michael Schöfer
Das darf doch nicht wahr sein!


Die ganze Welt fragt sich, was vergangene Woche Freitagnacht in Schweden passiert ist. Doch das kann man vielleicht noch erklären. Ich frage mich allerdings, was vorgestern in Florida geschah.

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13. Februar 2017, von Michael Schöfer
Wer hat das ganze Geld einkassiert?


Ich behaupte ja nicht, dass volkswirtschaftliche Daten unwichtig sind, aber die nahezu alleinige Fixierung aufs Wirtschaftswachstum verstellt gelegentlich den Blick darauf, wie es der Bevölkerung geht. So hat beispielsweise die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für die Eurozone gerade nach oben korrigiert. "Für das laufende Jahr geht die Kommission von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,6 Prozent aus, für 2018 um 1,8 Prozent. Damit erhöhte sie ihre Vorhersagen für die 19 Staaten umfassende Währungsunion um jeweils 0,1 Prozentpunkte. (…) In Italien soll das Wachstum bei 0,9 Prozent liegen und 2018 auf 1,1 Prozent steigen. Auch Griechenland, das noch immer am Tropf der Geldgeber der Eurozone und des Hilfsprogramms ESM hängt, erholt sich weiter - hier wird ein Wachstum von 2,7 Prozent erwartet." Ist das Zweckoptimismus? Schließlich stehen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland wichtige Wahlen an, da könnten günstige Prognosen vielleicht hilfreich sein.

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12. Februar 2017, von Michael Schöfer
Marc Beise und das Renommee der schreibenden Zunft


Wer wissen, warum den traditionellen Medien vermehrt Misstrauen entgegenschlägt, sollte sich mit Marc Beise befassen, seines Zeichens Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung. "Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn in der Größenordnung von 8,50 Euro, der schon mehr oder minder fix vereinbart ist, wird Jobs kosten, darin sind sich fast alle Experten einig", schrieb er am 6. November 2013. Der gesetzliche Mindestlohn wurde trotzdem am 1. Januar 2015 eingeführt. "Geglückte Operation", titelte die SZ am 28. Januar 2016: "Forscher bewerten den Mindestlohn positiv. Er hat weder zu großen Jobverlusten geführt, noch der Konjunktur geschadet. (…) Weder hat es einen nennenswerten Abbau der Beschäftigung noch eine Konjunkturdelle gegeben, auch nicht in den neuen Bundesländern. Stattdessen haben vor allem gering qualifizierte Arbeitnehmer vom Mindestlohn profitiert." Marc Beise und "fast alle Experten" hatten sich getäuscht. Kann ja mal vorkommen, Irren ist menschlich.

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11. Februar 2017, von Michael Schöfer
Widerliche Selbstbedienungsmentalität und Ungleichbehandlung


Die Wut der Bürger aufs Establishment hat viele Politiker erschreckt, das war es dann aber auch schon. Derzeit wird zwar ausgiebig über mangelnde Gerechtigkeit philosophiert, doch wenn es ernst wird, gewinnt wieder die alte Selbstbedienungsmentalität die Oberhand. Man hat den Eindruck, die Verantwortlichen verbinden die Krise unserer Gesellschaft mit allem, bloß nicht mit ihrem eigenen Verhalten. Völlig unbeeindruckt füllen sie sich weiterhin ungeniert die Taschen. Schuld sind offenbar immer die anderen.

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10. Februar 2017, von Michael Schöfer
Sponsored by Mr. President


Seit das Privatfernsehen unser Leben, nun ja, bereichert hat, dürfen wir darüber rätseln, ob das Kerngeschäft der Sender Unterhaltung oder Werbung ist. Besteht es aus der Vermarktung von Werbung und dient das Programm nur als Vehikel, diese auch an den Mann respektive die Frau zu bringen? Oder besteht das Kerngeschäft aus Unterhaltung, die zur Finanzierung gezwungenermaßen auf Werbung zurückgreifen muss? ARD und ZDF erheben obendrein den hehren Anspruch, ihren Zuschauern unabhängigen Journalismus zu bieten. Wie dem auch sei, jedenfalls haben die Privatsender durchaus Innovationen hervorgebracht. Nein, ich denke jetzt nicht an so anspruchsvolle Formate wie "Tutti Frutti", "Die Bachelorette" oder "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!". Die Privatsender haben vielmehr das Sponsoring perfektioniert. Selbst bei den Öffentlich-Rechtlichen werden zwischenzeitlich in der Halbzeitpause des DFB-Pokal-Finales "Sponsoren" präsentiert. Das "Tor des Monats" wird dann etwa vom Autobauer XY gesponsert und die Liveübertragung eines Länderspiels sinnigerweise von einer Bierbrauerei, was selbstverständlich überhaupt nichts mit plumper Werbung zu tun hat. Im Gegenteil, Sponsoring vermittelt den Eindruck von Generosität (bedenkt, ohne uns bliebe die Mattscheibe dunkel).

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09. Februar 2017, von Michael Schöfer
Es gibt zu wenig Gerechtigkeit in Deutschland


In Deutschland lag im Jahr 2015 die offizielle Armutsgrenze (60 Prozent des mittleren verfügbaren Einkommens der Gesamtbevölkerung) eines Alleinstehenden bei monatlich 1.033 Euro. Demzufolge waren hierzulande 16,7 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Nun kann man gemeinhin mit Durchschnittsangaben wenig anfangen, höchstens sich selbst und das unmittelbare Umfeld dazu in Bezug setzen. Wie wenig jedoch viele verdienen, wird erst deutlich, wenn man sich die gesamte Einkommensstruktur ansieht.

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02. Februar 2017, von Michael Schöfer
Die Signale sind beunruhigend


Wenn man etwas zerstört, muss das, was man dabei gewinnen kann, deutlich wertvoller sein. Und der zu erwartende Schaden sollte möglichst gering sein. Sonst macht das Ganze keinen Sinn. Zumindest rational betrachtet. Um den Iran am Bau der Bombe zu hindern, hat die Weltgemeinschaft lange Zeit Sanktionen aufrechterhalten. 2015 haben die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China und Deutschland mit dem Iran ein Atomabkommen geschlossen, das die nukleare Bewaffnung des Landes überprüfbar verhindern soll. Teheran muss die Anzahl seiner Zentrifugen, die der Anreicherung von Uran dienen, reduzieren. Der Anreicherungsgrad darf höchstens 3,67 Prozent betragen. Bereits angereichertes Uran wird ebenfalls reduziert. Ein Reaktor wird so umgebaut, dass er kein Plutonium mehr produzieren kann. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) soll das Abkommen verifizieren. Bis dahin war es ein langer und steiniger Weg, aber das Abkommen steht.

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29. Januar 2017, von Michael Schöfer
Die amerikanische Kulturrevolution


406,48 ppm. Prägen Sie sich diese Zahl genau ein. So hoch war nach den Messdaten des Mauna Loa Observatoriums (Hawaii/USA) am 22. Januar 2017 der CO2-Anteil der Erdatmosphäre. Das Observatorium ist dem Handelsministerium unterstellt, also einer Bundesbehörde. Wer das Ministerium künftig führen wird, ist noch nicht bekannt. Aber weil die Trump-Administration gerne "alternative Fakten" (Präsidentenberaterin Kellyanne Conway) präsentiert und bestimmten nachgeordneten Behörden eigene Pressemitteilungen und Social-Media-Einträge verboten hat, ist es höchst ungewiss, wie lange Regierungsbehörden noch Messdaten veröffentlichen dürfen, die der Ideologie Donald Trumps ("der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen") widersprechen.

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26. Januar 2017, von Michael Schöfer
Trump könnte sich als noch größere Katastrophe entpuppen


Donald Trump und seine bislang erkennbare Politik sollte man differenziert betrachten, also anders als er es in Bezug auf seine politischen Gegner tut. Sehen wir einmal von der offenbar hochproblematischen Psyche des US-Präsidenten ab, müssen wir nämlich festhalten: Man kann durchaus der Meinung sein, hohe Zollschranken und die Abkehr vom Freihandel sei gut für die amerikanische Wirtschaft. Ob sich das am Ende für die USA wirklich als vorteilhaft erweist, steht auf einem anderen Blatt. Das entscheidet sich auf dem Feld der Ökonomie. Gut möglich, dass er mit Protektionismus wieder einige Industriearbeiterjobs zurückholt. 50 Prozent der Wirtschaft sind ohnehin Psychologie, folglich könnte er mit seiner ruppigen Art gegenüber den Konzernbossen zumindest Teilerfolge erzielen. Es kann aber auch genauso gut sein, dass er mit seinen aus der Perspektive eines Immobilienunternehmers geprägten Ansichten furchtbar auf den Bauch fällt. Volkswirtschaften sind bekanntlich keine Firmen. Letztlich kommt es darauf an, wie die Investoren reagieren. Zwingen, so zu investieren, wie Trump es sich wünscht, kann er keinen. Und solange sich die Rückkehr nach Amerika nicht lohnt, werden vermutlich auch nur wenige diesem Ruf folgen. Wir werden es erleben.

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22. Januar 2017, von Michael Schöfer
Zur Wahrheit gehört das vollständige Bild


Die baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Christina Baum, die vor einer aus ihrer Sicht immer stärkeren "Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils" warnt und in diesem Zusammenhang auch gerne von einem "schleichender Genozid an der deutschen Bevölkerung" spricht, hat dem Bundespräsidentenkandidat Frank-Walter Steinmeier in Stuttgart eine Frage gestellt. Sie sei auf eine Tabelle der Fachhochschule Münster gestoßen, aus der hervorgehe, dass der Anteil der unter 6-Jährigen ausländischer Herkunft in westdeutschen Großstädten zwischen 55 und 70 Prozent liege. Daraus resultiere ihre Angst. Sie hat Steinmeier gefragt, wie er glaube, diese zukünftige Gesellschaft zusammenhalten zu können.

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18. Januar 2017, von Michael Schöfer
Helle Aufregung in Mannheim


Die Journalistin Düzen Tekkal hat in der Talk-Show "Anne Will" den Mannheimer Stadtteil "Neckarstadt-West" als "No-Go-Area" bezeichnet. Ihrer Meinung nach sollte man die "Neckarstadt-West" besser meiden. Tekkals Aussagen schlagen hier natürlich hohe Wellen: Die Polizei dementiert, die Stadtverwaltung dementiert, und im hiesigen Lokalblatt kommen Menschen zu Wort, die in besagtem Stadtteil angeblich noch nie Angst hatten. Angst ist jedoch ein subjektiver Eindruck, worüber man also trefflich streiten kann. Die Bewertungen über die "Neckarstadt-West" sind, wie wir weiter unter noch sehen werden, überwiegend negativ.

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12. Januar 2017, von Michael Schöfer
Freuen Sie sich auf ein nervenaufreibendes Bühnenstück


Schon bei den Dramatikern der Antike, zum Beispiel Aischylos (525 - 456 v. Chr.) oder Sophokles (497/496 - 406/405 v. Chr.), spielten Intrigen und der Eros eine wichtige Rolle. Auch im Werk Shakespeares (1564 - 1616) finden wir diese Konstellation gleich mehrfach wieder, so etwa in den weltberühmten Tragödien "Hamlet", "Othello", "King Lear" oder "Macbeth". Alles offenbar zutiefst menschlich. Wie das Stück, in dem Donald Trump die Hauptrolle spielt, einmal heißen wird, ist noch offen. Ebenso, ob er dabei die Rolle des Bösewichts oder die des Opfers mimt. Jedenfalls dürfen wir uns auf eine Vorstellung freuen, die auch genauso gut aus Shakespeares Feder hätte stammen können.

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