Home | Archiv | Leserbriefe | Links | Impressum



"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(
George Orwell, 1903-1950, britischer Schriftsteller)

"Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun."
(Stewart Alsop, 1914-1974, amerikanischer Journalist)

"Wenn die Regierung das Volk fürchtet, herrscht Freiheit. Wenn das Volk die Regierung fürchtet, herrscht Tyrannei."
(Thomas Jefferson, 1734-1826, amerikanischer Politiker)



19. April 2019, von Michael Schöfer
Drohende Hungersnot in Großbritannien


So richtig steigt man nicht durch, ob es Annette Dittert vom ARD-Studio London wirklich ernst meint. "Die Briten werden zu Selbstversorgern", liest man auf der Website der Tagesschau. "Es ist noch etwas Zeit bis zum Brexit, glücklicherweise. Denn kaum jemand hat wohl darüber nachgedacht: Wie soll man sich nach dem Austritt nur ernähren? Annette Dittert hat nachgeforscht, die Lösung heißt: Brexit-Survival-Kit." "Der ernste Hintergrund dabei ist, dass bei dem Referendum niemand daran gedacht hat, wie man sich danach ernähren will", kommt Paulo, der Erfinder des Brexit-Survival-Kit, zu Wort. Dittert gibt zu, zuerst an einen Witz gedacht zu haben, doch sie versichert, das Brexit-Survival-Kit sei kein Witz.




19. April 2019, von Michael Schöfer
Das Gegenteil der "Kambrischen Explosion"


Vielleicht ist Ihnen der Begriff "Kambrische Explosion" bekannt. Falls nicht: Das war vor etwa 541 Mio. Jahren ein vergleichsweise kurzer Zeitraum, in dem die Artenvielfalt auf der Erde buchstäblich explodiert ist. Und das nicht bloß quantitativ, sondern vor allem qualitativ. Im Vergleich dazu ist die Politik Angela Merkels geradezu statisch, da explodiert überhaupt nichts. Nehmen wir zum Beispiel den Wohnungsbau. Merkel ist bekanntlich seit dem 22. November 2005 Bundeskanzlerin. Wenn wir das erste Amtsjahr außer Acht lassen, die Amtsübernahme war schließlich jeweils erst im Herbst, wurden in den fünf Jahren unter Willy Brandt (1970-1974) insgesamt 3,01 Mio. Wohnungen gebaut, in den zwölf Jahren unter Angela Merkel (2006-2017) jedoch lediglich 2,61 Mio. (die Daten für 2018 liegen noch nicht vor). Hinzuzufügen wäre: Die Zahl bei Brandt gilt nur für Westdeutschland, die bei Merkel indes für Gesamtdeutschland.




19. April 2019, von Michael Schöfer
Beim Homo sapiens ist alles viel zu viel


Wir sind zu viele und an manchen Orten tauchen zu viele von uns auf. Auf Mallorca verlangen die Behörden neuerdings eine Touristensteuer, weil der Massentourismus einfach überhandnimmt. Die Insel mit 1,13 Mio. Einwohnern wurde 2017 von 10,3 Mio. Touristen besucht. Venedig wird künftig von Tagesbesuchern Eintritt verlangen, die Lagunenstadt wird pro Jahr von 1,42 Mio. Kreuzfahrtpassagieren angesteuert (und von 30 Mio. Touristen insgesamt). Zum Vergleich: Das beliebte Reiseziel hat lediglich 261.000 Einwohner. Einsame Buchten oder Strände sind längst nicht mehr einsam, weil sich dort gleichzeitig etliche Tausend Touristen herumdrücken. Die aus dem Film "The Beach" bekannte thailändische Maya-Bucht mit dem berühmten Traumstrand musste sogar gesperrt werden, bis zu 5.000 Touristen pro Tag haben das Ökosystem zu stark in Mitleidenschaft gezogen. Jeder sucht Einsamkeit und unberührte Natur, bekommt dafür jedoch reichlich Touristentrubel und jede Menge Plastikmüll geboten. Den eigenen Plastikmüll, wohlgemerkt. Und jeder Tourist ist ein Teil des Trubels - so wie jeder Autofahrer ein Teil des Staus ist. Vor 15 Jahren waren die indonesischen Gili-Inseln (3.600 Einwohner) noch ein Geheimtipp, nun werden sie jährlich von mehr als 1 Mio. Touristen überflutet. Es gibt inzwischen auf diesem Planeten kein unberührtes Fleckchen Natur mehr, bestenfalls die Illusion davon.




16. April 2019, von Michael Schöfer
Es geschehen noch Zeichen und Wunder


Politiker im Allgemeinen und Sozialdemokraten im Besonderen könnten nicht mit Geld umgehen, hieß es jahrelang. Deshalb hat man vor zehn Jahren das Ei des Kolumbus ins Grundgesetz aufgenommen: die Schuldenbremse. "Eine effektive Schuldenregel muss jetzt auf den Weg gebracht werden und darf nicht auf die nächste Legislaturperiode verschoben werden", forderten beispielsweise der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Anfang 2009. Die Schuldenbremse wurde dem Volk als heiliger Gral der ökonomischen Vernunft verkauft. Und die Politik, gedrängt vom geballten Sachverstand der Wirtschaftswissenschaftler, gehorchte.




14. April 2019, von Michael Schöfer
Was sind internationale Prinzipien wert?


Mit der Annexion der Halbinsel Krim habe die russische Regierung gegen internationale Prinzipien verstoßen, sagte US-Außenminister Mike Pompeo Mitte 2018. "Kein Land dürfe die Grenzen eines anderen gewaltsam verändern. Die Staaten der Welt und darunter auch Russland hätten diesen Prinzipien in Form der UN-Charta zugestimmt. Die USA unterstützten die Besitzansprüche des Kreml nicht. Diese Haltung würden die USA solange beibehalten, bis die Integrität des ukrainischen Staatsgebietes wiederhergestellt sei." Dagegen ist nichts zu sagen, Pompeo hat vollkommen recht.




13. April 2019, von Michael Schöfer
Horst Seehofer hat jedes Maß verloren


In Zeiten, in denen gegen eine Aktionskünstlergruppe 16 Monate lang wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt wird, sollte man hellhörig werden. § 129 StGB richtet sich gegen Vereinigungen, "deren Zweck oder Tätigkeit auf die Begehung von Straftaten gerichtet ist". Nun mag Kunst oft anstößig und unbequem sein, aber ist sie deshalb auch kriminell? Da der Vorwurf, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben, weitreichende Ermittlungsbefugnisse gestattet (Telefonüberwachung, Erhebung der Telekommunikationsdaten, Online-Durchsuchung, akustische Überwachung innerhalb und außerhalb von Wohnräumen, Einsatz verdeckter Ermittler etc.), stellt sich unweigerlich die Frage, was wohl in den besagten 16 Monaten im Hintergrund alles passiert ist. Angeblich habe es keine verdeckten Ermittlungen gegeben. Das kann man glauben - oder auch nicht.




08. April 2019, von Michael Schöfer
Wir ernten das, was die Politik gesät hat


Die Wohnungspolitik ist das klassische Beispiel dafür, wie Ideologie (Marktgläubigkeit) und Ignoranz (für die sozialen Belange der Bevölkerung) peu à peu zu einem explosiven Gemisch heranreifen. Dass jetzt sogar Enteignungen gefordert werden, haben sich Politiker und Vermieter selbst zuzuschreiben. In Berlin müssen die Mieter inzwischen 46 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben, weil sich die Mieten dort in den letzten zehn Jahren fast verdoppelten. Wer kann das noch bezahlen? Wo soll das enden?




05. April 2019, von Michael Schöfer
Das Brexit-Chaos geht weiter


Übertragen auf ein Fußballspiel befinden wir uns bereits in der Nachspielzeit der Nachspielzeit. Nun will Theresa May doch mit Oppositionsführer Jeremy Corbyn sprechen. Endlich, das hätte sie schon vor zwei Jahren tun sollen. Die alles entscheidende Frage ist: Was werden die Gespräche bringen? Da die Labour-Party nach dem Brexit eine Zollunion mit den verbliebenen EU27 anstrebt, müsste die Premierministerin dafür die Spaltung ihrer eigenen Partei in Kauf nehmen. Für die Tory-Hardliner wäre nämlich eine Zollunion absolut inakzeptabel, weil Großbritannien als Mitglied einer Zollunion keine eigenen Handelsverträge mit Drittstaaten abschließen darf. Gerade das sollte ja das Ziel des Brexit sein: die Rückgewinnung der Souveränität.




02. April 2019, von Michael Schöfer
Eine wahre Herkules-Aufgabe


Waren Sie schon einmal in Mannheim und sind durch die Straßen geschlendert? Wenn ja, was haben Sie dort gesehen? Bestimmt jede Menge Autos - nicht nur fahrende, sondern vor allem am Straßenrand abgestellte. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gibt es im Stadtkreis 149.700 Pkw (Stand 01.01.2018), aber die wenigsten Pkw-Besitzer dürften über eine eigene Garage oder einen Tiefgaragen-Stellplatz verfügen. Mannheims Wohngebiete sind jedenfalls vollgeparkt, da stehen die Autos dicht an dicht. Parkplätze sind Mangelware.




01. April 2019, von Michael Schöfer
Greta, pass auf!


Die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg hat beim Fernsehpreis "Goldene Kamera" den neu geschaffenen "Sonderpreis Klimaschutz" verliehen bekommen.




31. März 2019, von Michael Schöfer
Geschichte wiederholt sich durchaus


Ein geflügeltes Wort lautet in recht großzügiger Auslegung von Karl Marx: "Geschichte wiederholt sich nicht - und wenn dann nur als Farce." Dass sich Geschichte durchaus wiederholt, wurde kürzlich bei der Europareise des chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping deutlich.




30. März 2019, von Michael Schöfer
Verdient Greta Thunberg den Friedensnobelpreis?


"Die ältere Generation hat versagt", beklagt die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg bei den Fridays for Future-Protesten in Berlin. Und sie hat vollkommen recht, wir Älteren haben tatsächlich versagt. Die Internationale Energieagentur (IEA) legte gerade den "Global Energy & CO2 Status Report 2018" vor, und danach sind die globalen CO2-Emissionen im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent gestiegen. Damit haben sie ein neues Rekordniveau erreicht, die Menschheit bläst nun 33 Mrd. Tonnen in die Atmosphäre. Eigentlich müsste der CO2-Ausstoß drastisch sinken. Die Messungen der National Oceanic & Atmospheric Administration (NOAA) auf dem Mauna Loa/Hawaii bestätigen den Trend: Im Februar 2019 registrierte sie dort den höchsten jemals gemessenen CO2-Anteil in der Atmosphäre, nun sind es schon 411,94 ppm (parts per million). Zum Vergleich: Im März 1958, zu Beginn der Messreihe, waren es lediglich 315,71 ppm. Anstatt zu sinken, steigen die Treibhausgase rapide an, in den letzten 60 Jahren sage und schreibe um 30 Prozent. Mit den entsprechenden Folgen: Das NASA Goddard Institute for Space Studies (GISS) zeichnet die Messdaten der globalen Durchschnittstemperatur auf, und die ersten beiden Monate 2019 waren die drittwärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 (nur 2016 und 2017 waren, weil vom El Niño-Effekt überlagert, wärmer). Das sind jedenfalls die Fakten, ob es Ihnen gefällt oder nicht.




29. März 2019, von Michael Schöfer
Der Brexit war lediglich der Blitzableiter


Nach der ursprünglichen Planung wäre Großbritannien heute Nacht aus der EU ausgetreten, doch das dilettantische Agieren der britischen Regierung von Theresa May und das chaotische Abstimmungsverhalten des Unterhauses haben das bislang verhindert. Noch immer ist unklar, ob, wann und wie der Brexit letztlich über die Bühne geht. Vom ungeregelten Brexit bis zur Annullierung des Austritts ist alles möglich.




28. März 2019, von Michael Schöfer
Ein riskanter Vorschlag


"Arbeitnehmer, die die Voraussetzungen für eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen erfüllen, können diese unter bestimmten Voraussetzungen ganz oder teilweise ausgleichen. Hierfür müssen sie Zusatzbeiträge an die Rentenversicherung zahlen (Einmalzahlung oder Teilzahlungen). Diese Zahlungen sind ab dem 50. Lebensjahr möglich. Wer nachträglich beschließt, doch nicht vorzeitig in Rente zu gehen, erhält für die Zusatzbeiträge eine entsprechend höhere Rente", schreibt die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Website. Und sie erläutert das Ganze anhand eines Beispiels: "Michael K. will zwei Jahre vor der für ihn geltenden Regelaltersgrenze in Rente gehen. Bei einer Rente von 1.000 Euro (brutto) würde sich seine Monatsrente um 7,2 % bzw. um 72 Euro verringern. Zusatzbeiträge an die Rentenversicherung zum vollen Ausgleich des Abschlags würden derzeit in den alten Ländern etwa 17.527 Euro kosten."




25. März 2019, von Michael Schöfer
Absolute Spitzenklasse: Free Solo


Wie verrückt muss man sein, wenn man im vierten Obergeschoss eines Hauses auf die Balkonbrüstung steigt? Ziemlich verrückt. Das machen normalerweise nur Betrunkene oder Selbstmörder. Und wie verrückt muss man sein, ohne jegliche Sicherung und auf sich allein gestellt eine 1.000 m hohe Steilwand hochzuklettern? Unbeschreiblich verrückt. Da fehlen einem fast die Worte. Ich würde keine fünf Meter schaffen. Es gibt allerdings Menschen, die davor keine Angst haben und denen man alles attestieren kann, bloß eines nicht: normal zu sein. Alex Honnold ist so ein Mensch. Und seine spektakulärste Großtat ist die Besteigung des El Capitan im Yosemite-Nationalpark (Kalifornien, USA). Honnold hat den Granitfelsen 2017 über eine senkrecht aufragende Steilwand ohne technische Hilfsmittel in lediglich 3 Stunden und 56 Minuten erklommen. Seine Sportart nennt sich "Free Solo" (die Begehung einer Kletterroute im Alleingang unter Verzicht auf Hilfs- und Sicherungsmittel).




24. März 2019, von Michael Schöfer
Man muss nur wollen


Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet ein Liberaler der keynesianischen Nachfragetheorie zu einer unerwarteten Renaissance verhilft und damit sogar noch Erfolg zu haben scheint. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat unter dem Eindruck der Gelbwesten-Proteste "unter anderem eine Prämie für Mindestlohn-Bezieher erhöht, Steuern auf Überstunden abgeschafft und einen Großteil der Rentner von einer Sozialsteuer befreit. All das, erwartet die Banque de France, führt zu einer kräftigen Steigerung der Kaufkraft je Einwohner um mehr als zwei Prozent. Das schlägt sich dann in höheren Konsumausgaben nieder." Die Ausgaben in Höhe von 10 Mrd. Euro sind offenbar gut angelegt, denn den Prognosen zufolge soll das französische Wirtschaftswachstum 2019 doppelt so hoch ausfallen wie das deutsche. Zudem wird die Arbeitslosigkeit voraussichtlich weiter sinken. Wermutstropfen: Die Verschuldung steigt und verletzt die EU-Defizitregeln.




23. März 2019, von Michael Schöfer
Es ist recht schwer, Europabegeisterung zu wecken


Der Nationalstaat ist etwas fürs Herz, da kann man beispielsweise im Fußballstadion mit Inbrunst die Nationalhymne brüllen. Europa dagegen ist etwas für den Verstand. Einmal davon abgesehen, dass es gar keine europäische Fußballnationalmannschaft gibt: Ob die Fans im Stadion je mit Inbrunst den letzten Satz der neunten Sinfonie Ludwig van Beethovens (Ode an die Freude) brüllen werden, wage ich zu bezweifeln. Erstens, weil die offizielle Hymne der EU ohnehin nur aus der Melodie besteht. Zweitens, weil der Text aus der Sicht von Fußballfans vielleicht ein bisschen zu sperrig daherkommt: "Freude, schöner Götterfunken; Tochter aus Elisium; wir betreten feuertrunken; Himmlische, dein Heiligthum…"