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"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf,
den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell, 1903-1950, britischer Schriftsteller)
 
"Glaube denen, die die Wahrheit suchen,
und zweifle an denen, die sie gefunden haben."
(André Gide, 1869-1951, französischer Schriftsteller)
 
"Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht,
und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind."
(Kohelet)



28. August 2021, von Michael Schöfer
Das vorhersehbare Debakel


"Hinterher, im Nachhinein präzise Analysen und Bewertungen zu machen, das ist nicht wirklich kompliziert. Hinterher, im Nachhinein alles genau zu wissen und exakt vorherzusehen, das ist relativ mühelos", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundestagsdebatte mit Blick auf das Debakel in Afghanistan. Natürlich gibt es stets jede Menge Schlaumeier, die hinterher immer ganz genau wissen, warum von vornherein klar war, dass aus einer bestimmten Sache nichts werden konnte. Allerdings gibt es auch Kritiker, die alles von Anfang an korrekt vorhergesagt haben, bloß hat keiner der Verantwortlichen auf sie gehört. Doch genau das blendet die Kanzlerin aus.




15. August 2021, von Michael Schöfer
Eine Äquidistanz kann und darf es nicht geben


Wer sich das Verhalten des modernen China ansieht, dem schwant nichts Gutes. Man kann ja durchaus geteilter Meinung sein, ob die Huawei-Managerin Meng Wanzhou in Kanada zu Recht in Auslieferungshaft (Hausarrest) sitzt. Entscheidende Frage: Kann man als chinesische Staatsbürgerin auf chinesischem Staatsgebiet wirklich gegen die US-Sanktionen gegen den Iran verstoßen? Anders formuliert: Haben US-Gesetze weltweit Gültigkeit, müssen sich daher auch die Bürger anderer Staaten an sie halten? Daran darf man mit Fug und Recht zweifeln. Nationale Gesetze gelten normalerweise nur auf dem Hoheitsgebiet des Staates, der sie erlassen hat. Und im Ausland nur für dessen Bürger. Wie China auf diese Anmaßung reagiert, steht allerdings auf einem anderen Blatt und löst größte Besorgnis aus.




14. August 2021, von Michael Schöfer
Viel Zeit bleibt nicht, um umzusteuern


Es ist schon erstaunlich, wie viel Energie und Phantasie investiert wird, um den von Menschen verursachten Klimawandel und dessen voraussichtliche Folgen zu verharmlosen oder sogar ganz zu leugnen. Doch den Fakten wird sich auf Dauer keiner mehr entziehen können, denn es wird unzweifelhaft wärmer - ob wir das wahrhaben wollen oder nicht. Dem Thermometer ist unsere Haltung vollkommen egal. Eine weithin unterschätzte Folge des Klimawandels ist der Anstieg des Meeresspiegels, der aus dem Schmelzen der Eismassen (Grönland, Antarktis, Gebirgsgletscher) resultiert. In China, liest man oft, interessiere sich niemand dafür, dass die Deutschen den Klimawandel aufhalten wollen. Doch Ignoranz kann für uns kein Vorbild sein. Außerdem sollten sich gerade die Menschen in China dafür interessieren, wie sich das Klima verändert, denn sie sind mit am stärksten davon betroffen.




24. Juli 2021, von Michael Schöfer
Eine segensreiche Operation


Der christlich-jüdischen Legende zufolge hat Gott den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen: "Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich." (Genesis 1, 26) Doch bei der Ausführung hat er offenbar mächtig geschludert. Kein kompetenter Konstrukteur würde unsere Gelenke oder die Wirbelsäule derart verschleißanfällig planen, da gibt es bestimmt elegantere Lösungen. Auch dass bei Männern die Harnröhre durch die Prostata verläuft, ist suboptimal - vor allem, weil bei rund 50 Prozent von ihnen die Vorsteherdrüse im Alter zur Vergrößerung neigt (Prostatahyperplasie). Das ist nicht vergnügungsteuerpflichtig: Die Prostata drückt dann zunehmend auf die Harnröhre und verringert dadurch den Harndurchfluss. Folge: Überfallartiger Harndrang, man muss häufiger Wasserlassen, der Harnstrahl ist wesentlich schwächer, die Blase wird nur unvollständig entleert, der Toilettengang ist gelegentlich schmerzhaft und kann sich über mehrere Minuten hinziehen.




16. Juli 2021, von Michael Schöfer
Das ist erst der Anfang


Wir sind eine ziemlich merkwürdige Spezies. Der erste Mensch, der das Rad erfand, wurde von seinen Zeitgenossen bestimmt ausgelacht. "Was willst Du denn damit", bekam er wahrscheinlich zu hören, "das ist doch zu nichts nütze". Und als vor rund 12.000 Jahren am Ende des Pleistozäns Menschen erstmals den amerikanischen Kontinent besiedelten und sich dort sogleich an die Ausrottung der dort lebenden Großtierarten machten, mag es den ein oder anderen gegeben haben, der etwas weiter dachte und das zerstörerische Treiben missbilligte. Aber auch ihn hat man im günstigsten Fall ausgelacht, vielleicht sogar für verrückt erklärt. Doch wer weiß schon, was sich damals zugetragen hat, denn davon ist leider nichts überliefert. Heute brettern wir jedenfalls mit vier Rädern über die Autobahn und sind drauf und dran, das sechste Massenaussterben der Erdgeschichte in die Tat umzusetzen.