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"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf,
den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell, 1903-1950, britischer Schriftsteller)
 
"Glaube denen, die die Wahrheit suchen,
und zweifle an denen, die sie gefunden haben."
(André Gide, 1869-1951, französischer Schriftsteller)
 
"Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht,
und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind."
(Kohelet)



16. Juli 2021, von Michael Schöfer
Das ist erst der Anfang


Wir sind eine ziemlich merkwürdige Spezies. Der erste Mensch, der das Rad erfand, wurde von seinen Zeitgenossen bestimmt ausgelacht. "Was willst Du denn damit", bekam er wahrscheinlich zu hören, "das ist doch zu nichts nütze". Und als vor rund 12.000 Jahren am Ende des Pleistozäns Menschen erstmals den amerikanischen Kontinent besiedelten und sich dort sogleich an die Ausrottung der dort lebenden Großtierarten machten, mag es den ein oder anderen gegeben haben, der etwas weiter dachte und das zerstörerische Treiben missbilligte. Aber auch ihn hat man im günstigsten Fall ausgelacht, vielleicht sogar für verrückt erklärt. Doch wer weiß schon, was sich damals zugetragen hat, denn davon ist leider nichts überliefert. Heute brettern wir jedenfalls mit vier Rädern über die Autobahn und sind drauf und dran, das sechste Massenaussterben der Erdgeschichte in die Tat umzusetzen.




06. Juni 2021, von Michael Schöfer
Hetze und Negativwahlkampf


Es gibt viel Kritik an den sozialen Medien - und sie ist in weiten Teilen berechtigt. Zu Recht wird beklagt, dass es dort zu viele Filterblasen von Gleichgesinnten gibt, in denen man sich bloß gegenseitig auf die Schulter klopft und dadurch bestärkt. Manche sagen sogar "radikalisiert". Andere Meinungen erlebt man in diesen Blasen jedenfalls eher selten. Obendrein ist eine unangenehme Grundaggressivität spürbar, die sich wie Mehltau über die sozialen Medien legt. Oft werden Andersdenkende unter dem Schutz der Anonymität beschimpft und niedergemacht. Nein, die sozialen Medien sind definitiv kein Ort, an dem man zivilisiert Standpunkte austauschen kann, man fühlt sich dort nur eingeschränkt wohl.




26. Mai 2021, von Michael Schöfer
Kosmetische Lösungen bringen uns nicht weiter


"Geständnisse" im Fernsehen sind nicht unüblich - jedenfalls in Diktaturen. So wurde etwa der schwedische Staatsbürger Peter Dahlin Anfang 2016 in China inhaftiert und anschließend im chinesischen Staatsfernsehen vorgeführt. Er "gestand, 'chinesische Gesetze gebrochen' zu haben. Auch entschuldigte er sich, 'die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt zu haben'." Seine chinesische Freundin wurde ebenfalls inhaftiert. Beide sind inzwischen wieder frei.