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"Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell, 1903-1950, britischer Schriftsteller)
 
"Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun."
(Stewart Alsop, 1914-1974, amerikanischer Journalist)
 
"Wenn die Regierung das Volk fürchtet, herrscht Freiheit. Wenn das Volk die Regierung fürchtet, herrscht Tyrannei."
(Thomas Jefferson, 1734-1826, amerikanischer Politiker)
 
"Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier."
(Mohandas Karamchand Gandhi, 1869-1948, indischer Widerstandskämpfer)



12. Januar 2020, von Michael Schöfer
Bloß ein Sturm im Wasserglas?


Ist schon alles vorbei? Als die USA auf Befehl von US-Präsident Donald Trump den iranischen General Qasem Soleimani durch einen Drohnenangriff liquidierten, hielt die Welt den Atem an. In Teheran trauerten Hunderttausende auf den Straßen der iranischen Hauptstadt, skandierten "Tod Amerika", "Tod Israel" und verbrannten das Sternenbanner sowie die Flagge Israels mit dem Davidstern. Den USA und Israel stünde ein schwarzer Tag bevor, drohte die Tochter Soleimanis. "Verrückter Trump, denke nicht, dass mit dem Märtyrertod meines Vaters alles vorbei ist." Das ist eine im Nahen Osten durchaus übliche Reaktion: großes Geschrei, wilde Drohungen und das Verbrennen von Fahnen oder Puppen. Danach folgt meist - nichts. Jedenfalls nicht unmittelbar.




08. Januar 2020, von Michael Schöfer
Nennt Unrecht endlich Unrecht!


Wir gewöhnen uns zu sehr ans Töten. Nach der ständig aktualisierten Statistik des unabhängigen Bureau of Investigative Journalism hat der Drohnenkrieg der USA in Afghanistan, Pakistan, Somalia und dem Jemen bislang 8.459 bis 12.105 Menschen getötet, davon schätzungsweise 769 bis 1.725 Zivilisten und 253 bis 397 Kinder. Insgesamt gab es dort 6.786 bestätigte Drohnenangriffe. (Die exakten Zahlen werden von den USA geheimgehalten.) Ganze Hochzeitsgesellschaften und Trauergemeinden werden irrtümlich bombardiert und ausgelöscht. In den sechziger Jahren haben Gegner des Vietnamkriegs dem damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson bei Demonstrationen verächtlich zugerufen: "Hey, hey, LBJ, how many kids did you kill today?" (Hey, hey, LBJ, wie viele Kinder hast du heute umgebracht?) Und wir? Wir haben Barack Obama beklatscht, obwohl er den Drohnenkrieg im Vergleich zu seinem Amtsvorgänger George W. Bush sogar noch ausgeweitet hat. Angebrachter wäre gewesen ihn zu fragen: Mr. Obama, how many kids did you kill today?




05. Januar 2020, von Michael Schöfer
Juristisch auf dünnem Eis und politisch äußerst fragwürdig


Alle Kriege sind nur Verteidigungskriege. Selbst Hitler gab, als er am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg auslöste, vor, dass sich Deutschland bloß verteidige: "Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!" Wenige Tage zuvor hatte er dazu gegenüber den Oberbefehlshabern der Wehrmacht Folgendes gesagt: "Die Auslösung des Konfliktes wird durch eine geeignete Propaganda erfolgen. Die Glaubwürdigkeit ist dabei gleichgültig, im Sieg liegt das Recht." So sorgte u.a. der von einem SS-Kommando vorgetäuschte Überfall auf den Sender Gleiwitz für die "geeignete Propaganda". Polen sollte vor der Weltöffentlichkeit als Aggressor erscheinen. 1964 rechtfertigten die USA ihr Eingreifen in Vietnam mit Angriffen nordvietnamesischer Schnellboote auf zwei US-Kriegsschiffe im Golf von Tonkin, die allerdings in Wahrheit nie stattgefunden hatten. Nur zwei Beispiele von vielen. Das erste Opfer des Krieges ist bekanntlich die Wahrheit. Aber der Griff zur Lüge belegt zumindest, dass sich die Angreifer über den Unrechtscharakter ihres Handelns durchaus im Klaren sind, andernfalls wäre es ja entbehrlich, der Welt Lügenmärchen aufzutischen.