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12. Oktober 2004, von Michael Schöfer
Mensch, Clement, darauf muß man doch kommen!


Karstadt-Quelle ist in der Krise, doch Wolfgang Clement kann angeblich nicht helfen. Die Politik könne die drei Kardinalprobleme (Managementfehler, allgemeine Konsumflaute, hohe Personalkosten) nicht lösen, heißt es im Bundeswirtschaftsministerium.

Weit gefehlt, möchte man ihm zurufen. Gebt mir jeden Monat 1.000 Euro mehr Gehalt und ich verpflichte mich, alle drei Monate ein Notebook zu erwerben. Zumindest solange, bis meine Lagermöglichkeiten erschöpft sind. Konsumflaute? Nie gehört. Leider will das mit der Gehaltserhöhung nicht richtig klappen. Denn im nächsten Jahr muß ich für den Zahnersatz und die Pflegeversicherung höhere Beiträge zahlen, werde also weniger anstatt mehr Geld zur Verfügung haben. Clement hilf. Wie soll ich so zu meinem Notebook-Netzwerk kommen?

Was die hohen Personalkosten angeht, liegt die Lösung ebenfalls unmittelbar vor der Tür. Hat nicht Bundesfamilienministerin Renate Schmidt kürzlich - leider völlig unironisch - gefordert, daß auch die Privatwirtschaft die im Zusammenhang mit Hartz IV entstehenden Ein-Euro-Jobs anbieten darf? Karstadt-Quelle wäre damit gewiß geholfen. Gut, selbst damit liegen die Personalkosten immer noch über den Stundenlöhnen chinesischer Wanderarbeiter. Aber wie ich unsere sozial(?)demokratisch geführte Regierung kenne, fällt ihr dazu bestimmt etwas ein.

Managementfehler passieren, sind jedoch zum Glück nicht irreparabel. Hat die SPD bei den Landtags- und Kommunalwahlen nicht gerade erneut jede Menge Wählerstimmen verloren, fühlt sich aber trotzdem als Sieger? So muß man es machen, da kann Karstadt-Chef Achenbach noch einiges lernen. Was interessieren uns die Zahlen? Pah! Müntefering muß umsatteln. Wer die SPD trotz hoher Stimmverluste auf dem Weg der Besserung sieht, ist für die Leitung eines maroden Einzelhandelskonzerns geradezu prädestiniert.

Wie man sieht, sind die drei Kardinalprobleme relativ leicht zu lösen. Mensch, Clement, darauf muß man doch kommen.