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08. Januar 2006, von Michael Schöfer
Attentat auf John F. Kennedy endlich aufgeklärt?


In bezug auf das Kennedy-Attentat vom 22. November 1963 ist nur eines sicher: Kennedy ist ihm zum Opfer gefallen. Wenngleich selbst daran von Verschwörungstheoretikern gelegentlich Zweifel geäußert werden. Ob Lee Harvey Oswald wirklich der Alleintäter war oder die Mafia ihre Hände im Spiel hatte, ob sich Exil-Kubaner an JFK rächen wollten oder gar eine Verschwörung der CIA vorlag - das alles läßt sich wohl nie bis ins letzte aufklären. Jetzt, mehr als vierzig Jahre nach dem Attentat, präsentiert der Dokumentarfilmer Wilfried Huismann vermeintliche Beweise für die These, der kubanische Staatschef Fidel Castro habe den Mord an Kennedy in Auftrag gegeben. Lee Harvey Oswald sei dabei Castros williges Werkzeug gewesen.

Der Maximo Lider, dem Kennedy ebenfalls nach dem Leben getrachtet haben soll, wäre seinem Kontrahenten in einem Fernduell bloß zuvorgekommen, behauptet Huismann. Als Beleg präsentiert er Aussagen von früheren kubanischen Geheimdienstmitarbeitern. Sieht man jedoch genauer hin, fehlen allerdings auch für Huismanns These schlüssige Beweise.

Zweifel an der offiziellen Version des Kennedy-Attentats (Oswald als Alleintäter) wurden in der Vergangenheit insbesondere durch die "magische Kugel" genährt, die bei JFK und dem mit ihm im Wagen sitzenden Gouverneur Connally auf einem geradezu abenteuerlich anmutenden Zick-Zack-Kurs insgesamt sieben Verletzungen verursacht haben soll und dabei obendrein fast unbeschädigt blieb.


Außerdem gab es beträchtliche Zweifel, ob Lee Harvey Oswald als Schütze gut genug und sein Gewehr für die Ausführung des Attentats überhaupt geeignet war. Diese Zweifel lassen sich wahrscheinlich nie mehr ausräumen, weshalb selbst nach vier Jahrzehnten viele Verschwörungstheorien kursieren.

Wilfried Huismann präsentiert uns jetzt nur eine von vielen. Überdies keine sensationell neue, denn Castro gehörte bereits vorher zu den "üblichen Verdächtigen". Seine Theorie basiert zudem ausgerechnet auf der wiederholt angezweifelten Behauptung, Lee Harvey Oswald sei bei der konkreten Ausführung der einzige Schütze gewesen. Unterstellen wir, Oswald habe tatsächlich im Auftrag Castros gehandelt, die Zweifel an der "magischen Kugel" und seinen Schießkünsten werden hierdurch ja keineswegs ausgeräumt.

Harte Fakten läßt auch Huismanns Version vermissen. Ob die angeblichen Geständnisse ehemaliger kubanischer Geheimdienstmitarbeiter ausreichen, Castro als Auftraggeber des Attentats zu entlarven, ist fraglich. Nicht, weil dem kubanischen Staatschef der Mordauftrag nicht zuzutrauen wäre, sondern eher, weil keiner der von Huismann präsentierten "Kronzeugen" an der Geheimdienstoperation persönlich beteiligt war. Mit anderen Worten: Deren "Geständnisse" stammen letztlich nur vom Hörensagen bzw. beruhen auf der Interpretation von Beobachtungen. Wer hinter dem Kennedy-Mord steckt, bleibt folglich weiterhin offen. Und das vermutlich für immer.