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12. April 2006, von Michael Schöfer
Dumme wählen CDU


So, oder zumindest so ähnlich, könnte eine Schlagzeile a la BILD lauten, wenn man das Wahlverhalten in Baden-Württemberg nach dem Kriterium der Bildung analysiert. Selbstverständlich wäre das eine unzulässige Überspitzung. Und zweifellos sind CDU-Wähler nicht per se dumm, selbst wenn sie geringere formale Bildungsvoraussetzungen besitzen. Gleichwohl ist die u.a. Tabelle, die die Deutsche Polizeigewerkschaft veröffentlicht hat, interessant. [1]

Die Südwest-CDU erhält nämlich von Wählern mit niedriger formaler Bildung einen überproportional großen Zuspruch, während sie von den formal hoch Gebildeten unterdurchschnittlich mit Stimmen bedacht wird. Dennoch hat die CDU in allen drei Kategorien (hoch, mittel, niedrig) eine deutliche Mehrheit vor allen anderen Parteien. Auffallend ist freilich der hohe Anteil der Grünen bei den formal hoch Gebildeten (20 Prozent) - was fast doppelt soviel ist, wie die Grünen insgesamt an Prozentanteilen haben.

Was schließen wir daraus? Etwa, daß die CDU logischerweise wenig Interesse an einer Besserung der Bildungssituation haben kann? Hält sie deshalb krampfhaft am überkommenen dreigliedrigen Schulsystem fest? Sind ihr die schlechten PISA-Ergebnisse in Wahrheit sogar angenehm, weil sie versprechen, auch in der nächsten Generation die Macht im Ländle zementieren zu können? Daß CDU und Grüne, vom Bildungs-Mix ihrer Wähler her betrachtet, sich fabelhaft ergänzende Koalitionspartner wären? Wie würde überhaupt der ideale Wähler der CDU aussehen? Nun, der Analyse zufolge ein katholischer Rentner mit niedrigem Bildungsniveau, aber ohne Gewerkschaftsausweis. Käme es nur darauf an, die absolute Mehrheit wäre der CDU nicht zu nehmen.



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[1] DPolG-ID Nr. 13 vom 09.04.2006, Seite 7, PDF-Datei mit 180 kb