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05. Juli 2006, von Michael Schöfer
Microsoft ade?


Microsofts Entwicklung von einer Garagenfirma zur international dominierenden Softwareschmiede ist wirklich beeindruckend. Doch der Erfolg der Firma von Bill Gates, dem reichsten Mann der Welt, ist zwiespältig. Einerseits hat uns die Gates-Companie mit einem von Durchschnittsanwendern leicht zu bedienenden Betriebssystem (Windows) beglückt, andererseits sind die Produkte des Marktführers seit langem Ziel von dubiosen Zeitgenossen, die uns laufend mit gefährlichen Viren versorgen. Der Konzern aus Redmond trägt überdies das Seine dazu bei, indem er sich als unfähig erweist, eklatante Sicherheitslücken zu schließen, etwa im hauseigenen Browser (Internet-Explorer). Außerdem ist Software von Microsoft nicht gerade billig. So muß man beispielsweise für die "Office Standard Edition 2003" (mit Word, Excel, Outlook und PowerPoint) je nach Händler zwischen 300 und 450 Euro berappen. Kein Wunder, wenn Microsoft mit Büroprogrammen im zweiten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres einen operativen Gewinn von 2 Mrd. Dollar erzielte. [1]

Vor kurzem mußte Microsoft auf einen Schlag acht kritische Sicherheitslücken in Windows und Office-Anwendungen schließen. [2] Davon betroffen war u.a. die von mir genutzte Textverarbeitung "Word 2000". Das war der berühmte Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Permanent von riskanten Lücken in dem von mir am häufigsten verwendeten Programm zu lesen, ist alles andere als beruhigend. Die Fehler des Internet-Explorers haben mich von Anfang an dazu bewogen, bei der Nutzung des Internet auf den Opensource-Browser "Firefox" und das Opensource-Mailprogramm "Thunderbird" zu setzen. Opensource-Software ist kostenlos und zudem in der Regel wesentlich sicherer als die Produkte aus Redmond. Obgleich es keine vollkommen fehlerfreie Software gibt, auch bei Opensource kommen Sicherheitslücken vor, habe ich es bislang nicht bereut. Die Mängel des Firefox waren, nach allem, was man darüber zu lesen bekam, längst nicht so gefährlich, wie die des Internet-Explorers. Und vor allem, sie wurden im Gegensatz zum Konkurrenzprodukt in kurzer Zeit geschlossen. Natürlich hat dazu auch beigetragen, daß sich Virenprogrammierer größtenteils auf den Marktführer eingeschossen haben.

Der Mensch ist bekanntlich faul. Bei mir ist das nicht anders. Und so schreckte ich lange Zeit davor zurück, eine Alternative zu verwenden. Doch nach dem letzten Patchday raffte ich mich schließlich auf und stieg auf "OpenOffice" um. In einem Test der Fachzeitschrift c't hat sich das OpenOffice-Textverarbeitungsmodul "Writer" als stabil und leicht bedienbar gezeigt. Anders als Word. Das überzeugte. Die Schwierigkeiten bei der Einarbeitung sind gar nicht so groß, wie man gemeinhin annimmt. Die wichtigsten Features sind mühelos zu finden, das Handling ist mit dem von Word durchaus vergleichbar. Gut gefällt mir die Möglichkeit, Texte als PDF-Datei abzuspeichern. Etwas, das meine zugegebenermaßen schon ältere Word-Version nicht kannte. Als weniger vorteilhaft entpuppte sich der Thesaurus von OpenOffice. Es gibt allerdings eine elegante Lösung: OpenThesaurus. Dieser ist deutlich leistungsfähiger als der von OpenOffice mitgelieferte, wenngleich immer noch nicht so ausgefeilt wie der von Word. Wichtig: Microsoft-Dateien lassen sich problemlos öffnen und OpenOffice-Texte genauso problemlos in Microsoft-Formaten abspeichern. Vor Problemen beim Dateiaustausch braucht demzufolge keiner Angst zu haben.

Überraschenderweise fanden sich in meinen Texten Tippfehler, die Word früher gar nicht als Tippfehler angezeigt hat, weil es bei der Zusammensetzung von Wörtern recht eigentümlich agiert. Zum Beispiel "Bundeswirtschaftminister" anstatt korrekt "Bundeswirtschaftsminister". Word (zumindest in der Version 2000) setzt die Wörter "Bundeswirtschaft" und "Minister" falsch zusammen. Daß ein "s" fehlte, ist mir erst in OpenOffice aufgefallen. Oder "Arbeitlose" anstatt "Arbeitslose" und - kurios - "Arbeitsgeber" anstatt "Arbeitgeber". Danach war ich von der Qualität von OpenOffice vollends überzeugt. Seit der Version 2.0 setzt das kostenlose Büropaket das OpenDocument-Format als Standardformat ein. OpenDocument ist ein offenes Austauschformat für Dateien von Office-Programmen, das sich zu einem universellen Standardformat entwickeln könnte. [3] Mit OpenDocument unterläuft man die Verkaufsstrategie von Microsoft, alle paar Jahre das Format seiner Office-Produkte zu ändern, was quasi zu einem Neukauf zwingt, weil es andernfalls Komplikationen beim Dateiaustausch gibt. So wird das bereits angekündigte Word 2007, das im kommenden Jahr erscheinen soll, die Formate älterer Versionen problemlos lesen können, umgekehrt ist das freilich nicht ohne weiteres möglich.

Mittlerweile benutze ich Word gar nicht mehr und lade mir regelmäßig die Updates von OpenOffice herunter. Ich habe das Microsoft-Produkt noch nicht vermißt. Wer die Nase von den teuren und fehlerbehafteten Office-Versionen aus Redmond gestrichen voll hat, sollte meiner Meinung nach einfach auf OpenOffice umsteigen. Ich kann es nur empfehlen. Vielleicht wechsle ich sogar bald zu Linux, dem freien Betriebssystem und sage damit Microsoft endgültig ade. In der Vergangenheit schreckte mich das Handling von Linux ein bißchen ab. Inzwischen ist es jedoch erheblich komfortabler geworden, was selbst eingefleischten Windows-Usern den Umstieg erleichtert. Mal abwarten, was Vista, der Nachfolger von Windows XP, bringt. Überzeugt mich Vista nicht, werde ich den Sprung zu Linux wagen. Relevant für meine Entscheidung sind Sicherheitsaspekte und die Stabilität des Betriebssystems. Microsoft wird mir dann vermutlich bloß noch im Büro begegnen, weil mein Arbeitgeber offenbar trotz prekärer Haushaltslage gewillt ist, der Gates-Companie regelmäßig jede Menge Geld in den Rachen zu werfen. Aber wenn mein Arbeitgeber (öffentlicher Dienst) unvernünftig handelt, muß ich dem als Privatperson ja nicht nacheifern. Dazu ist mir nämlich mein sauer verdientes Geld viel zu schade. Insbesondere, wenn die kostengünstigere Alternative eine vergleichbare oder gar bessere Qualität aufweist.

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[1] Frankfurter Rundschau vom 05.07.2006
[2] heise-Security vom 13.06.2006
[3] siehe dazu Wikipedia, OpenDocument