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13. März 2006, von Michael Schöfer
Was mich heute aufregt


Wenn der niedersächsische Finanzminister und Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring, am Verhandlungstisch zwar alle Vorschläge der Gewerkschaften konsequent zurückweist, andererseits aber auch eine Schlichtung ablehnt. [1] Es sollte sich herumgesprochen haben, daß Tarifpolitik nicht nach Gutsherrenart funktioniert. Am Ende steht immer ein Interessenausgleich. Möllring wird das wohl noch lernen müssen.

Bernd Raffelhüschen, Professor und angeblich Rentenexperte, hat sich wieder geäußert. Im Focus rechtfertigte er die Einschnitte in die Altersversorgung. [2] Die Generation der 30- bis 50-Jährigen bezeichnete er dabei als "Jammerlappen". Doch Raffelhüschen ist interessengeleitet: "Er ist unter Anderem Mitglied im Aufsichtsrat der 'ERGO Versicherungsgruppe' und als Berater für den Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) e.V. in Berlin, und für die Victoria Versicherung AG, Düsseldorf, tätig." Außerdem ist er ein Botschafter der neoliberalen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. [3] Kein Wunder, wenn er die gesetzliche Rentenversicherung herunterredet und die kapitalgedeckte Privatrente propagiert. Wer für die Versicherungswirtschaft arbeitet, die vom Schüren der Rentenangst schließlich nicht unerheblich profitiert, dem muß man die Objektivität absprechen. (Dank an die Bloggerin "Bergradlerin", die mich darauf aufmerksam gemacht hat)

"Die Formel 1-Saison 2006 wird spannend", schreibt die österreichische Wiener Zeitung heute. Soso. Naja, jetzt fahren sie eben wieder im Kreis herum. Zwischendurch dürfen sie Benzin tanken und Reifen wechseln - und just dabei entscheiden sich meist die Rennen. Auch in Bahrein war das nicht anders. Tanken und brav hinterherfahren. Tanken und brav hinterherfahren. Tanken und brav hinterherfahren. Ab und zu wegen technischem Defekt ausfallen. Gähn! Auf jeder deutschen Landstraße wird häufiger und risikoreicher überholt. Car racing ist das nicht - selbst wenn sich die Fernseh-Moderatoren abmühen, irgendwo ein Quentchen Spannung zu finden.

"Das macht Lust auf die Weltmeisterschaft 2006! Leipzig hat am Mittwoch eine lange Fußballnacht zelebriert und einen Vorgeschmack auf die WM bekommen." Nein, nein, das war kein Kommentar nach dem blamablen 1:4 gegen Italien. So bewertete der MDR die Leistung der deutschen Elf beim Confed Cup. [4] "Der 4:3-Sieg der deutschen Nationalelf im 'kleinen Finale' des Confederations Cups gegen Mexiko sorgte für eine grandiose Stimmung in der Stadt." Ist gar nicht so lange her. Doch heute darf man Klinsmann wieder niederschreiben. So sind halt die Medien. Ich gehe jede Wette ein, wenn die Nationalmannschaft ins Finale kommt, werden sie Klinsmann heilig sprechen.

Und natürlich: daß mir heute nix Gescheites eingefallen ist. Nennt man so etwas kreative Krise?

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[1] Stern vom 13.03.2006
[2] Focus vom 09.03.2006
[3] Wikipedia, Bernd Raffelhüschen
[4] MDR vom 30.06.2005