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04. Oktober 2006, von Michael Schöfer
Buchmesse in Frankfurt


Heute war ich zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse. Für Leseratten ein umwerfendes Erlebnis. Zunächst einmal sieht man vor lauter Bäumen (Verlagen) den Wald (die Bücher) nicht mehr. Das Angebot erschlägt einen förmlich. In den Messehallen reihen sich nahtlos die großen und kleinen Verlage aneinander, laut Messekatalog mehr als 7.000 Aussteller aus 111 Ländern. Wow! Hier nach Büchern zu stöbern, die man in den Buchhandlungen normalerweise nicht zu sehen bekommt, ist eine wahre Sisyphus-Arbeit. Allein um den Klappentext jedes Titels zu lesen, bräuchte man bestimmt Jahrzehnte. So viel kann ein Mensch gar nicht lesen. Also nimmt man notgedrungen bloß einen oberflächlichen Eindruck über das anscheinend nach wie vor rege Verlagswesen mit. Schreiben und Lesen sind offenkundig auch im Zeitalter der elektronischen Medien nicht vom Aussterben bedroht. Zum Glück, denn Bücher sind zur Vermittlung von Bildung unverzichtbar. Jeder Fernsehzuschauer kann das bestätigen.

Logischerweise haben auf der Buchmesse die Verleger gedruckter Werke das Sagen. Bedauerlicherweise habe ich dort jedoch nichts von Bloggern gesehen. Weblogs sind zwar nichtkommerziell, bei den Nutzern des Internet allerdings äußerst beliebt. Im Grunde kann heute, dank Internet, jeder sein eigener Verleger sein. Ein bißchen Webspace und ein guter HTML-Editor reichen hierfür völlig aus. Selbstverständlich ist das keine Konkurrenz, die das Buch zu fürchten hat. Nach wie vor findet man in letzterem wesentlich besser aufbereitete Texte. Professionelle eben. Doch das eine schließt das andere ja nicht aus. Im Gegenteil: Zeitungen, Bücher und Weblogs ergänzen einander. Und so ist es nicht völlig auszuschließen, daß in Bälde auch Blogger auf der Buchmesse vertreten sein werden. Vielleicht nur am Rande, aber immerhin. Ich würde es mir jedenfalls wünschen.

Nachtrag (06.10.2006):
Laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels sind auf der Buchmesse exakt 7.066 Aussteller mit insgesamt 377.313 Titel vertreten. Würde man pro Tag ununterbrochen 8 Stunden lang Klappentexte lesen und für jeden Titel 5 Minuten veranschlagen, bräuchte man dafür 10,7 Jahre.