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30. November 2006, von Michael Schöfer
Ein gutes Geschäft


Das Düsseldorfer Landgericht hat den zweiten Mannesmann-Prozeß gegen die Zahlung einer Geldauflage von insgesamt 5,8 Mio. Euro endgültig eingestellt. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, muß 3,2 Mio. Euro zahlen, der frühere Vorstandschef der Mannesmann AG, Klaus Esser, 1,5 Mio. Euro. Joachim Funk, ehemals Aufsichtsratsvorsitzender, bekommt 1 Mio. Euro aufgebrummt, Ex-Konzernbetriebsratschef Jürgen Ladberg 12.500 Euro, der frühere Direktionsmitarbeiter Dietmar Droste 30.000 Euro und Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel 60.000 Euro. Die Angeklagten gelten damit nicht als vorbestraft.

Im Prozeß ging es um fragwürdige Prämienzahlungen in Höhe von insgesamt 57 Mio. Euro. Allein Klaus Esser hat dabei rund 15 Mio. abgesahnt. Wäre es wirklich Untreue gewesen, hätte er das Geld womöglich zurückzahlen müssen, denn an illegal erworbenem Vermögen kann man keine Eigentumsrechte geltend machen. Doch nach der Einstellung gemäß § 153a StPO bleibt ihm das erspart. 15 Mio. abzüglich 1,5 Mio. = 13,5 Mio. - letztlich ein gutes Geschäft. Ob Ackermann, der damals keine Prämie einsackte, seine Geldauflage unterderhand von Esser ersetzt bekommt? Das werden wir vermutlich nie erfahren - genausowenig wie die Antwort auf die Frage, ob die Zahlung der Prämien an Esser & Co. wirklich den Tatbestand der Untreue erfüllt haben. Schade.

Ein Kuhhandel vor Gericht, bei dem unter dem Strich für einige Angeklagte satte Gewinne abfallen, ist in hohem Maße fragwürdig. Das hat nicht nur ein Geschmäckle, sondern stinkt gewaltig zum Himmel.