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27. Dezember 2006, von Michael Schöfer
Lügt Edmund Stoiber?


Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber muss kräftig zurückrudern. Seit die Fürther Landrätin und Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli gegenüber der CSU-Spitze den Vorwurf erhoben hat, man habe ihr Privatleben ausforschen wollen, um sie politisch mundtot zu machen, u.a. sei dabei nach möglichen Männerbekanntschaften und Alkoholproblemen gefragt worden, bröckelt die Verteidigungslinie Stoibers merklich ab. Zunächst hieß es, an den Unterstellungen Paulis wäre überhaupt nichts dran, die Landrätin sei vielmehr auf einem Egotrip. Anschließend musste Stoibers Büroleiter Michael Höhenberger zugeben, doch Telefongespräche über Pauli geführt zu haben. Dennoch seien ihre Anschuldigungen falsch und hätten nichts mit der Realität zu tun. Von einer Bespitzelung könne keine Rede sein, die Angelegenheit wäre damit erledigt. Denkste! Kurz danach ist Höhenberger nämlich zurückgetreten, Edmund Stoiber attestierte seinem Büroleiter gleichwohl "korrekte Arbeitsweise". Jetzt - die allerneueste Version - heißt es lediglich, Stoiber habe vom Versuch seines Büroleiters, das Privatleben seiner Kritikerin auszuforschen, nichts gewusst. "Das war die Aktion eines einzelnen Mitarbeiters. Ich hätte das nie zugelassen", wird der bayerische Ministerpräsident zitiert. Wow! Von angeblich "haltlosen Unterstellungen" zur eigenmächtigen "Aktion eines einzelnen Mitarbeiters" - und das innerhalb von nur einer Woche. Taktische Rückzüge nennt man solche Niederlagen euphemistisch. Stoiber gibt anscheinend nur das zu, was nicht mehr zu leugnen ist, doch die Wahrheit bleibt weiterhin offen. Man darf gespannt sein, wie sich die Affäre weiterentwickelt. Stoibers Glaubwürdigkeit hat jedenfalls tiefe Risse bekommen.