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15. Januar 2007, von Michael Schöfer
Der Weg in die Sackgasse


Kürzlich berieten 45 Staaten Afrikas über die friedliche Nutzung der Atomenergie. Diskutiert wurde die Frage, "ob Afrika die nötige Infrastruktur besitzt, um die Finanzierung, den Bau, den Betrieb und die Sicherheit von Atomanlagen zu gewährleisten". [1] Algerien, Tunesien, Marokko, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Kuwait, Oman und Katar haben mittlerweile angekündigt, demnächst Kernkraftwerke zu bauen, um ihre Bevölkerung mit Strom zu versorgen.

Doch das ist eindeutig der Weg in die Sackgasse. Eine Studie, die Greenpeace im Januar 2006 vorstellte, bezifferte die Reichweite der "bekannten" Uranvorräte bei gleichbleibendem Verbrauch auf lediglich 67 Jahre. Bei steigendem Verbrauch könnten sie schon viel früher, je nach Szenario bereits 2040 oder gar 2026 erschöpft sein. Diese Angaben sind mit denen des Bundeswirtschaftsministeriums identisch. Allerdings sollen die "vermuteten" Uranvorräte mindestens die nächsten 200 Jahre einen dauerhaften Einsatz der Kernenergie sicherstellen, behauptet das BMWi.



Investitionen in die Kernenergie fehlen logischerweise für andere Bereiche. Gerade die oben genannten Staaten haben aber eines im Überfluss: Sonne. Photovoltaik, die Umwandlung von Sonnenenergie in elektrische Energie, wäre dort also die ideale Lösung. Außerdem könnte man die - mit Hilfe der Sonnenenergie betriebene - Wasserstoffgewinnung forcieren. Beides zweifellos Technologien der Zukunft. Beschreitet man hingegen den Pfad der Kernenergie, sitzt man wohl bald auf einem veralteten Kraftwerkspark herum, während die technologisch führenden Länder wie gehabt bereits viel weiter sind - zumindest wenn man bei uns vernünftig ist und keine Renaissance der Atomkraft einläutet.

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[1] Frankfurter Rundschau vom 13.01.2007