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12. Januar 2007, von Michael Schöfer
Wachstumskurve zeigt nach oben


Das Bruttoinlandsprodukt ist, wie das Statistische Bundesamt mitteilt, im letzten Jahr real um 2,5 Prozent gestiegen. Haben wir damit schon die Talsohle durchschritten? Geht es jetzt endlich langfristig aufwärts? Schütten wir etwas Wasser in den Wein der Euphorie: Die Wirtschaftsentwicklung ist nach wie vor uneinheitlich, der Aufschwung steht folglich auf tönernen Füßen und könnte sich am Ende als Seifenblase erweisen. Negativ sind vor allem die Aussichten auf dem Binnenmarkt. Zwar wurde hierzulande wieder mehr investiert und sogar konsumiert, dennoch ist diese Entwicklung äußerst fragil. Der Anteil der Arbeitnehmer am Volkseinkommen hat nämlich nur um magere 1,3 Prozent zugenommen, der Anteil der Unternehmens- und Vermögenseinkommen stieg hingegen um satte 6,9 Prozent. Die Lohnquote (Anteil des Arbeitnehmerentgelts am Volkseinkommen) lag demzufolge mit 66,2 Prozent wieder auf dem Stand der sechziger Jahre. Der durchschnittliche monatliche Nettoverdienst je Arbeitnehmer ist im vorigen Jahr mit einem Minus von 0,3 Prozent abermals gesunken. Nominal wohlgemerkt, berücksichtigt man auch noch die Preissteigerungsrate in Höhe von 1,7 Prozent, verringerten sich die realen Nettoverdienste je Arbeitnehmer sogar um 2 Prozent. Mit anderen Worten: Die Schere klafft immer weiter auseinander. Ob die für eine Belebung auf dem Binnenmarkt entscheidende Konsumneigung dauerhaft ist, entscheidet sich bei der diesjährigen Tarifrunde. Legen die Arbeitnehmerentgelte nicht in ausreichendem Maße zu, fehlt einem langfristigen Aufschwung jegliche Substanz. Und auf Letzteres kommt es schließlich an.