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27. Februar 2007, von Michael Schöfer
Das Dilemma der Konservativen


Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren erheblich ausweiten. Mütter sollen ihren Kinderwunsch besser als bisher mit dem Berufsleben vereinbaren können und dabei die Wahlfreiheit genießen, zu Hause zu bleiben oder zu arbeiten. So weit, so gut. Doch gerät von der Leyen damit ausgerechnet in der eigenen Partei unter Druck, weil die Pläne der Ministerin mit dem althergebrachten Familienbild der Konservativen kollidieren. Das ist nämlich nach wie vor geprägt von der Hausfrauenehe und der Rolle der Mutter als Erzieherin, während dieser antiquierten Ideologie zufolge der Vater selbstverständlich für die Erwerbsarbeit zuständig ist. Willkommen im 21. Jahrhundert, möchte man da ausrufen.

Es ist das Dilemma der Konservativen, einerseits in puncto Familienpolitik immer noch das Rollenklischee der 50er Jahre zu favorisieren, von dem sich die Gesellschaft allerdings in der Realität längst verabschiedet hat, und andererseits mit ihrer Politik massiv zur Zerrüttung der Kleinfamilie beigetragen zu haben. Denn wenn es um die Interessen der Wirtschaft geht, müssen die Interessen der Familien bekanntlich konsequent zurückstehen. Harmoniert etwa die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten mit dem traditionellen Familienbild der Union? Wohl kaum. Wer Eltern - angeblich aus ökonomischer Notwendigkeit heraus - immer länger und zudem insbesondere am Wochenende arbeiten lässt, zerstört das pittoreske Familienidyll, das er in seinen Sonntagsreden hochhält. Und wer de facto für Niedriglöhne bzw. prekäre Arbeitsverhältnisse verantwortlich ist, erzwingt geradezu die Berufstätigkeit von Frauen, weil der Mann mangels Einkommen immer weniger zum Alleinernährer taugt. Außerdem führt ohnehin kein Weg mehr zurück zum konservativen Familienidyll, selbst wenn es die ökonomischen Verhältnisse zuließen, dazu haben sich die Einstellungen der Menschen viel zu sehr verändert. Die Union wird sich dem wohl oder übel anpassen müssen.