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11. April 2007, von Michael Schöfer
Vogel-Strauß-Politik


Von der Erwärmung der Erdatmosphäre sind alle betroffen. Wirklich alle? Nein, die Klimakatastrophe scheint bestimmte Regionen wie durch ein Wunder zu umgehen. Die USA beispielsweise. Oder China. Vertreter beider Länder haben nämlich beim letzten Klimabericht der Vereinten Nationen darauf gedrängt, dass die prognostizierten Auswirkungen nicht so drastisch dargestellt werden. Klingt ein bisschen à la Politbüro: "Die Partei hat beschlossen, das Wetter habe sich strikt an die Vorgaben der politischen Führung zu halten."

Was soll das? Dadurch, dass man die Auswirkungen nicht zur Kenntnis nimmt, werden sie schließlich nicht harmloser ausfallen. Diese Vogel-Strauß-Politik ist verantwortungslos. Momentan kommt die Politik kaum über symbolische Handlungen hinaus. Da die notwendige Reduktion von Treibhausgasen extrem ist, 60 bis 80 Prozent weniger im Vergleich zu 1990, scheut die Politik offenbar davor zurück, der Bevölkerung die bittere Medizin zu verabreichen. Übrigens nicht bloß in Übersee.

"Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) will noch in diesem Jahr einen verbindlichen Klima-Pass für alle Neufahrzeuge einführen. Der Klima-Pass werde Aufschluss darüber geben, wie viel klimaschädigendes Kohlendioxid (CO2) ein Auto ausstoße und in welchem Verhältnis der Ausstoß zur Nutzlast stehe." [1] Das Vorhaben ist zwar löblich, aber leider nicht ausreichend, denn davon allein wird zunächst keine Tonne CO2 weniger emittiert. Man vertraut vielmehr, wie bei Kühlschränken, auf das Verbraucherverhalten. Na, wenn Tiefensee sich da mal nicht täuscht - gerade wenn es ums "heilig's Blechle" geht. Das, was kurzfristig und ohne großen Aufwand helfen würde, beispielsweise ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen, steht hingegen immer noch nicht auf der Tagesordnung des Ministers. So wird weiterhin wertvolle Zeit verschenkt.

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[1] Frankfurter Rundschau vom 07.04.2007