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30. Mai 2007, von Michael Schöfer
Die FR im neuen Gewand


Nun ist sie endlich da: die Frankfurter Rundschau liegt seit heute im sogenannten Tabloid-Format in den Zeitungsläden und Briefkästen. Ich habe mich auf "meine" neue FR durchaus gefreut. Die Frankfurter Rundschau leidet, ebenso wie viele andere Tageszeitungen, unter einem rapiden Schwund der Auflage. Griffen vor noch nicht allzu langer Zeit rund 180.000 Leser zur FR, sollen es heute nur noch 150.000 sein. [1] Klar, vor allem die Jugend sieht lieber fern oder nutzt das Internet. Ein gesamtgesellschaftliches Problem, dem sich insbesondere die Printmedien kaum entziehen können. Inwieweit sich das auf den Bildungsstand des Durchschnittsbürgers auswirkt, ist umstritten. Viele befürchten jedoch, vermutlich nicht zu Unrecht, ein dramatisches Absinken des allgemeinen Niveaus. Mit dem Tabloid-Format hofft die FR, neue Leser zu gewinnen und dadurch in die Gewinnzone zurückzukehren.

Zunächst das Positive: Die FR ist bunter, die einzelnen Seiten lesbarer und das Layout ansprechender geworden. An die neue Aufteilung der Artikel, der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier, werde ich mich sicherlich noch gewöhnen. Allerdings finde ich das von vielen Lesern beklagte Fehlen einer Buchstruktur ebenfalls hinderlich. [2] Ganz so einfach wie FR-Redakteur Bronski den Sachverhalt darstellt ("Die Zeitung ist weiterhin in Ressorts unterteilt, wenn auch nicht mehr in einzelne Bücher. Die Unterteilung haben wir so angelegt, dass dadurch eine 'zweite Mitte' entsteht, wie wir das nennen: Die Seiten ab der ersten Wirtschaftsseite sind herausnehmbar. Sie haben dann zwei Teile FR: einmal den Politik-Teil, Feuilleton und Magazin und einmal Wirtschaft, Sport und Panorama-Seite."), ist es aber nicht. Intuitiv erschließt sich das dem Leser jedenfalls kaum. Die vorherige Unterteilung in sogenannte Bücher war meiner Meinung nach deutlich besser. Früher nahm ich nur das gerade gelesene Buch in die Hand, die anderen Bücher lagen auf der Seite oder wurden von jemand anderem gelesen. Jetzt, so mein erster Eindruck, muss ich beim Lesen ständig die ganze Zeitung in der Hand halten. Ob das am Wochenende, wenn der umfangreiche Anzeigenteil enthalten ist, wirklich noch "handlich" zu nennen ist, wage ich zu bezweifeln.

Doch warten wir es ab. Vielleicht reagiert die Redaktion auf die Kritik und wird die FR peu à peu verbessern. Insgesamt gesehen ist das Tabloid-Format sicherlich von Vorteil, es kommt lediglich darauf an, was man im Detail daraus macht.

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[1] Süddeutsche vom 28.05.2007
[2] vgl. FR-Blog, Wo sind meine Aktienkurse?