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13. Juli 2007, von Michael Schöfer
Die Talibanisierung der Bildung


"Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU) bekommt geistlichen Beistand: Der Augsburger Bischof Walter Mixa hält ihre Pläne für richtig, dass Schüler sich auch im Biologie-Unterricht, nicht allein in Religion, mit der christlichen Schöpfungslehre beschäftigen sollen. Wolffs Anliegen werde 'der Notwendigkeit gerecht, eine Dimension des Denkens und der Vernunft wieder zurückzugewinnen, die wir in den letzten Jahrzehnten verloren haben', sagte Mixa." [1]

Ja, ja, die Erde ist eine Scheibe und natürlich der Mittelpunkt des Universums. Sonne, Mond und Planeten umkreisen die Erde in verschiedenen Sphären, das sind durchsichtige Hohlkugeln. Die höheren Regionen sind jedoch, wie bereits Aristoteles wusste, göttlicher als die niederen. Sterne bestehen keineswegs aus Feuer, sondern aus dem fünften Element. Ist doch klar wie Kloßbrühe. Dinosaurierknochen hat man entweder gefälscht oder die Dinos lebten schon im Paradies in trauter Eintracht mit einem gewissen Adam und seiner liebreizenden Rippe namens Eva zusammen. So genau kann das selbst Mixa nicht erklären. Gott erschuf die Erde am 23. Oktober 4004 v. Chr., behauptet zumindest James Ussher. John Lightfoot wiederum schwört auf den 17. September 3928 v. Chr. Wie dem auch sei, die radiometrische Altersbestimmung (z.B. die Kohlenstoff-14-Methode) ist jedenfalls eine heimtückische Erfindung der Wissenschaft zur Täuschung der Öffentlichkeit. Selbstverständlich sind wir, die Menschen, nach dem Ebenbild Gottes geschaffen worden. Desoxyribonukleinsäure? Die könnt ihr glatt vergessen, Lehm ist der Grundbaustein allen Lebens.

Und mit solchem Unsinn sollen unsere Schüler wieder "die Vernunft zurückgewinnen"? Na dann, gute Nacht Aufklärung. Das ist der Beginn der Talibanisierung der Bildung. Deshalb: Wehret den Anfängen!

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[1] Spiegel-Online vom 12.07.2007