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02. Januar 2008, von Michael Schöfer
Endlich überstanden!


Weihnachten ist angeblich das Fest der Liebe, was allerdings nicht stimmen kann, denn nachweislich kommt es ausgerechnet an den Feiertagen zu den meisten Selbstmorden und Familientragödien. Nervend ist im Vorfeld vor allem die Suche nach dem passenden Geschenk. Was ursprünglich vielleicht ganz anders gedacht war, hat sich inzwischen zu einem regelrechten Geschenkzwang entwickelt. Häufig schenkt man nicht, weil man es will, sondern weil es erwartet wird.

Vor allem der Einzelhandelsverband hat erfasst, worum es beim Fest der Liebe geht: ums Geschäft. Weihnachten ohne Geschenk - völlig undenkbar. "Kauflaune" ist das passende Stichwort. Die Bevölkerung hat das mittlerweile verinnerlicht. "Weihnachten ist für jeden zweiten Österreicher ein Fest des Kaufens und Schenkens. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Nur für acht Prozent haben die Feiertage eine besinnlich-religiöse Bedeutung", berichtet das ORF. Ob das in Deutschland anders aussieht, ist zu bezweifeln.

Ich habe diesmal ein tolles Geschenk bekommen, etwas Antiquarisches: John F. Kennedy, Zivilcourage. Ein Buch, das ich schon seit langem einmal lesen wollte. Viele werden sich wundern, aber früher gab es tatsächlich US-Präsidenten, die lesen und sogar schreiben konnten. Tja, wie sich die Zeiten ändern. In Amerika war Kennedys Buch seinerzeit (1956) ein Bestseller, 1957 erhielt er dafür den Pulitzer-Preis.

Zu Silvester gab es die üblichen Vorsätze, z.B. mit dem Rauchen aufzuhören. Und natürlich die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen: Rolläden runterlassen, um sich während der Knallerei in der Wohnung keine Raketen einzufangen. In Bochum haben Jugendliche mit einer Silvesterrakete zwei Wohnungen in Brand geschossen. Jetzt kann ich George Dabblju endlich verstehen, denn er will verhindern, dass der Iran mit seinen Raketen ebenfalls Wohnungen in Brand setzt. Allerdings sind Bushs Rolläden (sein Raketen-Abwehr-System) etwas aufwendiger als meine. Ob ebenso wirkungsvoll, muss sich noch herausstellen. Nebenbei bemerkt: George Dabblju zündelt bekanntlich gerne selbst.

Die guten Wünsche zum neuen Jahr kann man vergessen. Warum sollte sich dadurch etwas ändern? Das neue Jahr fängt an, wie das alte aufgehört hat: Unruhen nach mutmaßlicher Wahlfälschung in Kenia, populistische Diskussionen um Erziehungscamps für straffällig gewordene Jugendliche in Deutschland, Selbstmordanschläge im Irak, Preiserhöhungen der Energieversorger etc. Man kann schon froh sein, wenn es nicht schlimmer wird. Außerdem bin ich nicht abergläubisch. Dennoch, die Hoffnung stirbt zuletzt. Hoffen darf man. Wenigstens das.