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20. Februar 2008, von Michael Schöfer
Abgabenbelastung enorm gestiegen


Schon in biblischen Zeiten gab es den Zehnten - das war das, was wir heute Steuer- und Abgabenbelastung nennen. Viele wären gewiss heilfroh, wenn diese bloß 10 Prozent betragen würde. Früher empfanden die Menschen den Zehnten dagegen oft als unerträglich. Einst wurden sogar Bauernkriege entfesselt, weil man ihn gewaltsam eintreiben wollte. Was lernen wir daraus? Die Zeiten ändern sich. Zum Glück. Trotz höherer Steuer- und Abgabenbelastung geht es uns jetzt wesentlich besser als damals. Das ist nicht zu bestreiten. Es soll gleichwohl Zeitgenossen geben, die dem Zehnten noch immer nachtrauern. Aber irgendwann muss man halt akzeptieren, dass sich die Verhältnisse ändern.

"Die Beamtenschaft bezahlt schon seit November 1955 sieben Prozent ihres Gehaltes für ihre Pensionen", hörte ich kürzlich einen Beamten klagen. Sieben Prozent? Als normaler Arbeitnehmer kann ich dazu nur sagen: Ich wäre glücklich, wenn unsere Belastung bei der Rentenversicherung bloß sieben Prozent betragen würde. Der Beitragssatz steht allerdings zur Zeit bei happigen 19,9 Prozent, wovon Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte bezahlen. Für uns sind schon allein das nahezu 10 Prozent, die von unserem Bruttogehalt abgehen.

Doch damit nicht genug. Arbeitnehmer sind bekanntlich voll sozialversicherungspflichtig und müssen daher noch viel mehr berappen. Auf insgesamt 38,9 Prozent summieren sich mittlerweile im Durchschnitt die Beitragssätze zur Sozialversicherung (individuelle Abweichungen durch unterschiedliche Beitragssätze zur Krankenversicherung möglich). [1] 1957 betrug diese Belastung übrigens lediglich 23,8 Prozent. Mit anderen Worten: Die Belastung ist seitdem um 15,1 Prozent gestiegen.


Darüber zu lamentieren, hilft jedoch nicht weiter. Irgendwann muss man tatsächlich akzeptieren, dass sich die Verhältnisse geändert haben. Ob die Verteilung der Belastung selbst noch gerecht zu nennen ist, steht freilich auf einem ganz anderen Blatt. Und wenn man mitbekommt, dass sich offenbar eine Vielzahl der sogenannten Besserverdienenden via Liechtenstein aus der Solidarität mit der übrigen Gesellschaft verabschieden, wird man ehrlich gesagt ziemlich wütend. Gäbe es bei Steuern und Abgaben eine gerechtere Verteilung, wäre nämlich die Last für den Einzelnen geringer. Und was ist wiederum daraus zu lernen? Asoziales Verhalten findet sich nicht nur bei der Unterschicht (neudeutsch: Prekariat).

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[1] Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Jahreswirtschaftsbericht 2008, Seite 24, PDF-Datei mit 1 MB