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21. März 2008, von Michael Schöfer
Bye, bye, Telekom...


Die Situation: Ich besitze noch einen analogen T-Net-Anschluss der Deutschen Telekom, habe zusätzlich von der Magenta-Firma einen DSL-Anschluss und außerdem bei der Telekom-Tochter Congster (jetzt Congstar) einen Internet-Zugang mit Flatrate.

Die Kosten: Momentan allein für den T-Net-Anschluss und das 1000er-DSL 33,49 Euro Grundgebühr pro Monat. Die Flatrate kostet mich monatlich 4,99 Euro. Da ich extrem wenig telefoniere, machen die Gesprächsgebühren nur einen Bruchteil davon aus, kaum einmal komme ich auf mehr als zwei oder drei Euro. Macht alles in allem im Durchschnitt ungefähr 40 Euro. Ein Handyvertrag, etwa bei O2 den Genios S-Tarif (ohne Grundgebühr mit 3 Cent pro Minute ins deutsche Festnetz: "Nur noch zahlen, was Sie vertelefonieren"), wäre wesentlich günstiger für mich. Für die Festnetz-Grundgebühr der Telekom könnte ich bei O2 fast neun Stunden lang quasseln. Ich weiß gar nicht, wem ich so lange in den Ohren liegen könnte. Männer sind ja eher schweigsam, Frauen hätten diesbezüglich bestimmt weniger Probleme.


Der Missstand
: Warum 16 Euro Grundgebühr für etwas bezahlen, das ich gar nicht brauche? Ich käme ganz gut ohne Festnetzanschluss aus, DSL würde mir vollkommen genügen. Bietet die Telekom aber nicht an. Nutzt man bei denen einen DSL-Anschluss, ist der teure Festnetzanschluss Pflicht. Fragen kostet bekanntlich nichts. Habe ich auch gemacht und der Telekom meine Situation erklärt. Zusätzlich wies ich darauf hin, dass Mitbewerber wesentlich günstiger sind. "1&1 verlangt momentan für die gleiche Leistung eine Grundgebühr von 19,99 Euro (Surf & Phone 1000 komplett). Das sind 50 Prozent (!) meiner o.a. Kosten. Ich bin nicht gewillt, dieses Missverhältnis noch lange hinzunehmen. Ihr Call & Surf-Tarif nutzt mir nichts, da ich - wie erwähnt - lediglich einen reinen DSL-Anschluss brauche", schrieb ich.

Die Antwort der Telekom: "Sehr geehrter Herr Schöfer, vielen Dank für Ihre E-Mail. Wir freuen uns über Ihr Interesse an Produkten der Deutschen Telekom. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir unseren Kunden DSL immer in Verbindung mit einem Standard-Anschluss oder ISDN Anschluss anbieten. Ohne einen Festnetzanschluss der Deutschen Telekom können Sie die Vorteile von DSL leider nicht nutzen. Gerne stellen wir Ihnen aber einen DSL-Anschluss in Kombination mit einem Festnetzanschluss der Deutschen Telekom zur Verfügung. (...) Herr Schöfer, ideal für Sie ist unser Komplettpaket Call & Surf Basic inkl. DSL-Anschluss mit Flatrate!"

Ich rieb mir verwundert die Augen. Haben die eigentlich meine E-Mail aufmerksam gelesen? Wohl kaum. "Einen DSL-Anschluss in Kombination mit einem Festnetzanschluss der Deutschen Telekom" besitze ich ja bereits. Leider. Warum die mir anbieten, was ich sowieso schon habe, ist mir völlig schleierhaft. Textbausteine? Vermutlich. Man könnte verzweifeln. Kein Wunder, wenn die jede Menge Kunden verlieren. Und der von mir ausdrücklich als nutzlos bezeichnete Call & Surf Tarif, den die Telekom als "ideal" für mich anpreist, kostet monatlich 34,95 Euro. Ersparnis gegenüber dem jetzigen Zustand: lediglich 5 Euro.

Meine Antwort: Ich kündige! Entweder nehme ich von 1&1 "Surf & Phone 1000 Komplett" (für 19,99 Euro) oder bei Kabel BW den Tarif "CleverKabel 4" für 19,90 Euro. Jedenfalls melde ich meinen Festnetz-Anschluss demnächst endgültig ab. Da ich nicht nur wenig telefoniere, sondern zudem kaum fernsehe und obendrein das Programm der Privatsender als eine Beleidigung für die menschliche Intelligenz werte, will ich auch kein Kabelfernsehen. Normalerweise muss man das bei Kabel BW dazunehmen. Deshalb habe ich Kabel BW angemailt, ob sie mir den Internetzugang auch ohne die Zwangsbündelung mit einem Kabelfernsehanschluss geben würden. Die Antwort steht allerdings noch aus. Eine andere Alternative wäre der Bitstrom-Zugang, der in Kürze kommen soll.

Das Geschäftsmodell der Telekom, ihren Kunden etwas zwangsweise aufzudrücken, das sie bei anderen Anbietern nicht nehmen müssen, kann auf Dauer nur schief gehen. Verärgerte Kunden kommen so schnell nicht wieder. Hätte mir die Telekom angeboten, künftig den DSL-Anschluss ohne Zwangsbündelung mit dem Telefonanschluss nutzen zu können, könnten sie sich wenigstens einen Teil des Umsatzes sichern. Wenn ich dagegen zu Kabel BW wechsle, gehen sie in Zukunft völlig leer aus. Apropos: Ich besitze ein Prepaid-Handy. Und von wem wohl? Natürlich von der Telekom. Das fliegt dann aber ebenfalls raus.

Ich werde über den weiteren Fortgang berichten.

Nachtrag (25.03.2008):
Es ist gar nicht so leicht, den Anbieter zu wechseln und dabei wirklich Geld zu sparen.
  • Kabel BW hat bislang noch nicht auf meine E-Mail geantwortet. Ein Anruf meinerseits ergab aber, dass ich den Kabelfernsehanschluss unbedingt dazu nehmen muss. Eine Entbündelung wäre angeblich technisch nicht möglich (habe ich in Computer-Fachzeitschriften aber schon anders gelesen). Ich nehme an, die wollen einfach nicht. Von daher hat sich das dann für mich erledigt, denn ich hätte a) keinen Kostenvorteil und b) einen für mich vollkommen nutzlosen Kabelfernsehanschluss.
  • 1&1 hat zwar prompt geantwortet, aber die kurz E-Mail des 1&1-Mitarbeiters strotzte nur so von Rechtschreibfehlern. Oje, kein guter Eindruck, und ich will ja nicht vom Regen in die Traufe kommen. Bekanntlich soll man nicht nur auf den Preis sehen, das Ganze muss schließlich auch funktionieren.
Wahrscheinlich warte ich zunächst noch ab, bis der Bitstrom-Anschluss verfügbar ist. Der soll ja in diesem Jahr endlich kommen.

Nachtrag (27.03.2008):
Der Kundenservice von Kabel BW hat jetzt auch per E-Mail geantwortet: "Grundvoraussetzung für Internet bei Kabel BW ist ein aktiver Kabelanschluss. Die Nutzung von Internet ohne einen aktiven Kabelanschluss ist gemäß unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht möglich." Davon, dass es technisch nicht möglich sei, ist keine Rede mehr. Jetzt werden bloß noch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen als Hinderungsgrund angeführt. Meine Vermutung, die wollen einfach nicht, hat sich somit bestätigt.

Ich habe denen geantwortet: "Das ist schade, denn dann muss ich leider darauf verzichten, über Ihre Firma einen Internet-Zugang zu bekommen. Ich suche nämlich gerade eine Alternative gegen die Zwangsbündelung von Telefon- und DSL-Anschluss. Als Anregung für Ihr Geschäftsmodell folgende Meldung:

'Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland begibt sich auf neue Vermarktungswege. Bei einem Vertriebstest vermarktet Kabel Deutschland nun bis Ende August die Breitband- und Telefonieprodukte auch ohne die bisher erforderliche Bindung an einen Fernsehvertrag. Als Zielgruppe gelten rund 1,5 Millionen Haushalte, erläuterte Kabel Deutschland-Sprecher Marco Gassen. Indirekt angekündigt hatte Technikchef Lorenz Glatz das Projekt schon im vergangenen Januar. ' [1]

Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, warum Kabel BW auf diesen potentiellen Kundenkreis verzichtet. Da demnächst der sogenannte Bitstrom-Anschluss (DSL ohne Telefonanschluss) kommt, wäre es doch ratsam sich diesen Kundenkreis zu erschließen."

[1] DSLteam.de vom 12.07.2007

Nachtrag (18.04.2008):
Der erste Teil des Abschieds von der Telekom ist vollzogen. Kürzlich habe ich bei O2 den oben erwähnten Genion S-Vertrag abgeschlossen, ab heute steht mir dort sogar meine alte Handynummer zur Verfügung. Mein Prepaid-Vertrag mit der Magenta-Firma ist erloschen. Jetzt warte ich bloß noch auf Angebote für den Bitstrom-Anschluss (DSL ohne Festnetzanschluss).