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11. Juni 2008, von Michael Schöfer
Braucht man ein eigenes Auto?


Antwort: Das kommt ganz darauf an, je nach Lebenssituation. In einer Zeit, in der der Ölpreis von Rekordhoch zu Rekordhoch springt, ist die Eingangsfrage durchaus überlegenswert. Neben den Öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad ist hierbei nämlich auch das Car-Sharing einzubeziehen, denn ganz ohne Auto geht es nicht. Vorteil: Man spart sich die Kosten für Anschaffung, Steuer, Versicherung und Reparaturen und zahlt im Wesentlichen bloß noch das, was wirklich genutzt wird.

Im hiesigen Bereich ist die Stadtmobil Rhein-Neckar AG der richtige Ansprechpartner. Grundlage für die Nutzung von Car-Sharing ist ein Nutzungsvertrag, nach dessen Abschluss kann man je nach Bedarf - auch kurzfristig - Autos buchen, entweder übers Internet oder über die rund um die Uhr besetzte telefonische Buchungszentrale. Die Stadtmobil-Autos stehen in der ganzen Region auf reservierten Stellplätzen bereit, im Rhein-Neckar-Raum sind das 140 Fahrzeuge an über 80 Stationen, vom Mini bis zum Transporter.

Die Fahrtkosten setzen sich aus einem Zeit- und einem Kilometertarif zusammen. Darin sind alle Kosten, auch Benzin und Vollkaskoversicherung enthalten. Es gibt drei unterschiedliche Tarif-Varianten: Classic, Wahl und VRN. Classic- und VRN-Tarif unterscheiden sich nur in der Höhe der zu zahlenden Kaution und dem Aufnahmebeitrag. Der Wahl-Tarif ist speziell für Vielfahrer gedacht, hier sind die Fahrtkosten geringer, allerdings zahlt man einen höheren Monatsbeitrag. Der VRN-Tarif gilt für Besitzer einer Jahres- oder Halbjahreskarte des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN).

Was kostet mich das Ganze konkret, wenn ich beispielsweise beim Großmarkt auf der grünen Wiese den Wochenendeinkauf machen will? Für - großzügig bemessene - drei Stunden Nutzungszeit und 25 gefahrene Kilometer zahle ich 12,85 Euro (Classic- und VRN-Tarif). Klingt auf den ersten Blick recht viel, aber ich muss natürlich die Kosten des Car-Sharings ins Verhältnis zu den Kosten eines privaten Fahrzeugs setzen.

Bei einem eigenen Kfz habe ich folgende Kostenfaktoren zu berücksichtigen:
  • Anschaffungskosten
  • Kreditkosten / Wertverlust bzw. Abschreibung
  • Kosten für Kfz-Versicherung (Vollkasko/Teilkasko/Haftpflichtversicherung)
  • Kosten für Kfz-Steuer
  • Kosten für Verschleiß und Verschleißteile (Zündkerzen, Sommer- und Winterreifen, Öl, Ölwechsel, Stoßdämpfer usw.)
  • Kosten für Inspektionen und größere Reparaturen/Defekte
  • Kosten für Hauptuntersuchung (HU) / Abgasuntersuchung (AU)
  • Kosten für Kraftstoff
  • sonstige Kosten (Autowäsche, Scheibenklar, Kühlmittelzusatz, Garagen- oder Stellplatzmiete, KFZ-Anmeldung etc.)
Da kommt monatlich eine stolze Summe zusammen. Der im Anschaffungspreis billigste VW Golf kostet zum Beispiel laut ADAC bei einer Haltezeit von vier Jahren und 15.000 km jährlicher Laufleistung alles in allem monatlich 440 Euro, der teuerste sogar 847 Euro. [1] Achtung: Die Berechnungen datieren vom August letzten Jahres, sind also inzwischen wegen den explodierenden Benzinpreisen überholt. Heute ist Autofahren wesentlich teurer.

Nehmen wir an, ich mache jede Woche einmal einen Großeinkauf. Bei Car-Sharing kostet mich das pro Jahr (siehe oben) 668,20 Euro, hinzu kommen 60 Euro Jahresbeitrag. Diesen 728,20 Euro stehen aber die Kosten für die Anschaffung und Unterhaltung eines privaten Kraftfahrzeugs gegenüber, manchmal sind schon allein Versicherung und Steuer teurer. Car-Sharing ist somit unter bestimmten Bedingungen erheblich günstiger als ein eigenes Fahrzeug, eine Familie könnte etwa auf das Zweitfahrzeug verzichten und zu Stadtmobil wechseln. Gerade Zweitfahrzeuge stehen häufig nutzlos auf dem Parkplatz herum, verursachen aber dennoch hohe Fixkosten. Als Faustregel gilt: Bei einer Fahrleistung von unter 10.000 km pro Jahr ist Car-Sharing die günstigere Alternative.

Ich bin seit ein paar Jahren zufriedener Teilnehmer beim Car-Sharing, wenngleich ich das Angebot nur zwei- oder dreimal pro Jahr zum Möbeleinkauf nutze. Immerhin konnte ich dadurch mein privates Auto ganz abschaffen, es stand ohnehin meist unbewegt auf der Straße herum. Zugegeben, da ich in der Nähe der Innenstadt wohne, fiel mir das relativ leicht. Auf dem platten Land wäre das gewiss anders gewesen, doch nicht jeder wohnt jwd (janz weit draußen). Jedenfalls sollten alle, die sich mittlerweile von den Kosten für das eigene Auto erdrückt fühlen, die Nutzung des Car-Sharing-Angebots erwägen.

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[1] Auto-Bild vom 22.08.2007, Autokosten, PDF-Datei mit 89 kb