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11. Juni 2009, von Michael Schöfer
Es hat sich gelohnt


Ende 2007 entschloss ich mich, den Stromversorger zu wechseln, von Atomstrom hatte ich nämlich die Nase gestrichen voll. Mein alter Versorger bezog 25 Prozent seines Stroms aus Kernkraftwerken, also zog ich endlich die Konsequenzen und setzte den Atomausstieg um. Privat, versteht sich, ganz ohne Gesetz. [1] Wie sieht nun der Zwischenstand aus, hat sich der Wechsel gelohnt?

Mein alter Stromanbieter, die MVV Energie AG, verlangt seit 01.01.2009 für den NOVA Strom-Tarif, den ich damals hatte, einen Grundpreis von 84,99 Euro/Jahr und einen Verbrauchspreis von 20,80 Cent/kWh. [2] Für reinen Ökostrom (FUTURA) müsste ich bei der MVV einen Grundpreis von 91,63 Euro/Jahr und einen Verbrauchspreis von 20,98 Cent/kWh bezahlen (ab dem 01.07.2009 sogar 22,29 Cent/kWh). [3] Der MVV TERRA Ökostrom (aus der Region, für die Region) ist mit 23,36 Cent/kWh noch teurer (ab dem 01.07.2009 24,67 Cent/kWh). [4]

Mein neuer Stromanbieter, Naturstrom, verlangt gegenwärtig einen Grundpreis von 95,40 Euro/Jahr und einen Verbrauchspreis von 20,60 Cent/kWh (Neukunden zahlen vorübergehend bloß 19,90 Cent). Bei meinem Verbrauch (478 kWh/Jahr) bezahle ich demzufolge bei Naturstrom 193,87 Euro. Der MVV hätte ich mit dem NOVA Strom-Tarif 184,41 Euro überweisen müssen, mit dem Ökostrom FUTURA-Tarif wären es 191,91 Euro gewesen (ab dem 01.07.2009 198,18 Euro), und mit dem teuersten Ökostrom der MVV (TERRA) wären meine Stromkosten auf 203,29 Euro gestiegen (ab dem 01.07.2009 auf 209,55 Euro).



Mein Ökostrom von Naturstrom ist also nur unwesentlich teurer als der Ökostrom der MVV, ab dem 01.07.2009 ist er sogar etwas günstiger. Naturstrom hat mir mitgeteilt, dass ich durch den Bezug von Ökostrom bereits 346 kg CO2 eingespart habe, was dem Klimaschutzeffekt von 17 Bäumen entsprechen soll.

Weil Nachfragemacht Verbrauchermacht ist, habe ich ein Jahr später auch den Gas-Anbieter gewechselt. [5] Meinem alten Lieferanten, ebenfalls die MVV, müsste ich zur Zeit laut Verivox 581,09 Euro überweisen (Preis gültig seit 01.04.2009). Lichtblick-Gas, mein neuer Lieferant, verlangt hingegen ab August nur 514,89 Euro (Berechnungsgrundlage: 6.841 kWh/Jahr). Das Gas von Lichtblick enthält im Mittel einen Biogas-Anteil von mindestens 5 Prozent, der freilich nach Angaben des Lieferanten kontinuierlich erhöht werden soll. Bei der MVV habe ich vergeblich eine Aussage über die Beimischung von Biogas gesucht. In der nächsten Heizperiode spare ich folglich mit Lichtblick-Gas, sofern es bei diesen Preisen bleibt, 66,20 Euro.



Alles in allem hat sich für mich der Strom- und Gasanbieter-Wechsel gelohnt. Ich zahle, wenn man Strom und Gas zusammenzählt, exakt 56,74 Euro weniger als vorher (falls ich nichts unternommen hätte) und mein Energie-Mix ist wesentlich umweltfreundlicher geworden. Übrigens: Stromausfälle oder Beeinträchtigungen beim Gastransport gab es keine.

Sobald zahlreiche Verbraucher wechseln, ändert sich wahrscheinlich auch die unverschämte Preispolitik der Energieversorger. Momentan gehören Wechselwillige bedauerlicherweise noch zur Minderheit, nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft haben bislang 19 Prozent der Privathaushalte ihren Stromanbieter und 8 Prozent ihren Gasanbieter gewechselt (Stand: März 2009). [6] Für echten Wettbewerb, der zu massiven Preissenkungen führt, wie etwa auf dem Telekommunikationsmarkt, einfach zu wenig. Zwar könnte die Politik mit entsprechenden Gesetzen für mehr Wettbewerb sorgen, allerdings sind die staatlichen Eingriffe in diesem Bereich viel zu zaghaft. Immerhin, der Wechsel ist, im Gegensatz zu früher, leichter möglich. Wir, die Verbraucher, sollten die sich uns bietenden Wechselmöglichkeiten daher extensiv nutzen. An der grundsätzlichen Kritik in Bezug auf die Privatisierung der Energieversorgung [7] ändert das selbstverständlich nichts.

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[1] siehe Atomausstieg selber machen! vom 16.11.2007
[2] MVV
[3] MVV
[4] MVV
[5] siehe Das ist ja großartig vom 20.11.2008
[6] BDEW, Energietrends, PDF-Datei mit 37 kb
[7] siehe Frieren wegen RWE? vom 18.07.2008