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26. Juli 2009, von Michael Schöfer
Das widerliche Gesicht des Islam


Bei Ideologien sollte man streng zwischen Theorie und Praxis unterscheiden, dieser Grundsatz gilt natürlich auch für Religionen. Zumindest theoretisch ist das Christentum, unabhängig von der Frage, wie man generell zum Glauben steht, eine Religion der Nächstenliebe. Am deutlichsten kommt das vermutlich in der Bergpredigt zum Ausdruck. Doch die Praxis des Christentums war jahrhundertelang geprägt von Gewalt und Intoleranz, stellvertretend hierfür seien die Kreuzzüge und die Inquisition genannt. Das hat das Bild, das die Menschen vom Christentum haben, nachhaltig beeinflusst. Den üblen Geruch der Scheiterhaufen ist die Kirche nie wieder losgeworden. Zu Recht, denn intolerant ist sie noch heute, und die Anwendung von Gewalt ist ihr glücklicherweise untersagt.

Der Islam ist seinen Anhängern zufolge eine Religion der Liebe, des Mitgefühls, der Toleranz und der Gerechtigkeit. Nun, vielleicht theoretisch, obgleich sich bei jeder Religion, so auch im Koran, mühelos anderslautende Textstellen finden lassen. Wie dem auch sei, von der Praxis des Islam haben die Menschen jedenfalls genau den gegenteiligen Eindruck. Der Islam erscheint als gewalttätig, intolerant, rückständig, undemokratisch und grausam. Mit anderen Worten: wenig attraktiv. Was Kreuzzüge und Inquisition in Bezug auf das Christentum darstellen, sind beim Islam die barbarische Taten des iranischen Mullah-Regimes. Nichts ist derzeit für das Bild des Islam so desaströs, wie die Verhältnisse im Gottesstaat. Von Liebe, Mitgefühl, Toleranz und Gerechtigkeit ist dort nämlich absolut nichts zu spüren.

Im Iran wird vergewaltigt, gefoltert und gemordet. Und all das im Namen Allahs. So soll etwa die 28-jährige Taraneh Moussavi nach ihrer Verhaftung bei einer Demonstration in Teheran von Angehörigen der iranischen Sicherheitsbehörden brutal gefoltert und mehrfach vergewaltigt worden sein. Anschließend wurde ihre Leiche, offenbar um Spuren zu verwischen, verbrannt. [1] Laut Amnesty International war die Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit im Iran schon vor den Protesten gegen den Wahlbetrug Ahmadinedschads strikten Einschränkungen unterworfen, Folterungen sind in den iranischen Gefängnissen seit langem an der Tagesordnung. 2008 wurden mindestens 346 Menschen, darunter acht Jugendliche, hingerichtet, zwei Männer starben durch Steinigung. [2] Verurteilte werden im Iran gerne mit Hilfe von Baukränen aufgehängt, was deren Leiden bei der Hinrichtung verlängert. Sogar Verstöße gegen die Moral und Gotteslästerung werden dort mit dem Tod bestraft.

Wen können die Mullahs eigentlich, außer ihre radikale und ohnehin bereits überzeugte Gefolgschaft, noch vom Islam überzeugen? Keinen. Sie verbreiten Angst, doch das ist alles. Ein positives Bild des Islam ist weiten Teilen der Menschheit schlicht und ergreifend nicht mehr vermittelbar. Darunter leiden natürlich gemäßigte Muslime, die es zweifellos auch gibt (im Christentum existierten ebenfalls, selbst in den dunkelsten Phasen, moderate Strömungen). Die Machthaber im Gottesstaat mögen sich als Rechtgeleitete betrachten, in Wahrheit sind sie jedoch die Totengräber ihrer Religion. Der Wahn wird vielleicht bald aufhören, doch was bleibt nach alledem von der Religion? Nur Trümmer. Der Islam ist durch die radikale Periode, die er momentan durchläuft, womöglich für längere Zeit diskreditiert.

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[1] u.a. plejaden vom 18.07.2009 und The Huffington Post vom 15.07.2009
[2] Amnesty International