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28. Februar 2010, von Michael Schöfer
Konservative sind weniger intelligent


"Linksliberale sind schlauer als Konservative - zumindest im Durchschnitt. Forscher finden das einleuchtend. Denn Tradition kommt auch ohne Denken aus. (…) In einer amerikanischen Langzeit-Studie mit 15.000 Teilnehmern haben junge Leute, die sich als 'sehr konservativ' bezeichnen, im Schnitt einen IQ von 95 - fünf Punkte unter dem Durchschnitt. Ihre Altersgenossen, die sich als 'sehr liberal' (im amerikanischen Verständnis des Wortes, also nach hiesigem Verständnis progressiv) bekennen, kommen auf 106 IQ-Punkte." [1]

Irgendwie habe ich das schon immer geahnt. Bereits vor vier Jahren ist mir aufgefallen: Dumme wählen CDU! [2] Die Südwest-CDU erhielt nämlich damals bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg von den Wählern mit niedriger formaler Bildung einen überproportional großen Zuspruch, während sie von den Wählern mit hoher formaler Bildung nur unterdurchschnittlich mit Stimmen bedacht wurde. Auffallend ist demgegenüber der hohe Anteil der Grünen bei den formal hoch Gebildeten (20 Prozent) - fast doppelt soviel, wie die Grünen insgesamt an Prozentanteilen hatten. Den geringsten Zuspruch ernteten die Grünen hingegen bei den Wählern mit Volksschul- oder Hauptschulabschluss.

Analyse der Landtagswahl Baden-Württemberg 2006

Doch in der neuen Studie geht es nicht bloß um Wähler, sondern generell um Konservative. Ist Angela Merkel tatsächlich dümmer als Renate Künast, Guido Westerwelle dümmer als Oskar Lafontaine, Horst Seehofer dümmer als Sigmar Gabriel? Eine Frage, die nicht nur Kabarettisten beschäftigen dürfte. Ist das Niveau der FAZ niedriger als das der Frankfurter Rundschau? Man könnte es fast glauben - jedenfalls auf den ersten Blick. Dass Stefan Mappus, der neue konservative Ministerpräsident von Baden-Württemberg, die dem Land angebotene CD mit den Daten deutscher Steuerhinterzieher nicht kaufen will, ist zweifellos dumm. Sogar saudumm, wenn ich das einmal so freimütig sagen darf. Aber spinnen wir das Ganze noch einen Dreh weiter: Was für Individuen gilt, trifft das auch auf Nationen zu? Sind die konservativen Schweizer wirklich mit einem kleineren IQ ausgestattet als die fortschrittlichen Holländer?

Dass wir nicht mehr in der Steinzeit leben, die Konservativen in der Verteidigung des Faustkeils also offenkundig versagt haben, bestätigt die Studie. Aber warum ist dann der Sozialismus gescheitert? Und warum hat die Linke nicht schon längst eine bessere Alternative zum Kapitalismus durchgesetzt? Wieso ist das konservative Deutschland (seit 1949 stammen die Bundeskanzler und die Bundespräsidenten überwiegend aus der Union) ökonomisch überhaupt so erfolgreich? Und weshalb werden hierzulande so viele Erfindungen gemacht? Weil die Unternehmer und Erfinder alle Linke sind? Das wohl kaum.


[Quelle: Wikipedia, Bundeskanzler und Bundespräsidenten seit 1949]

Vielleicht gibt es einfach mehr Dumme (Konservative) als Schlaue (Linksliberale), aber die Dummen sind zu dumm, um auf Dauer den Fortschritt aufzuhalten. Klingt gut, nicht wahr? Linke könnten deshalb die interessante, aber letztlich kaum beweisbare These vertreten, ohne die dummen Konservativen wäre die Entwicklung schon viel weiter. Dennoch bleibt die Frage, wieso die Linke ausgerechnet dann, wenn sie an der Macht ist, häufig so kläglich versagt. Weil sich innerhalb der Linken stets die konservativen Elemente durchsetzen? Sich bei den Schlauen also paradoxerweise in aller Regel die Dummen durchsetzen, gewissermaßen die Gerhard Schröders ständig über die Oskar Lafontaines triumphieren?

Ach, es ist ein Kreuz mit solchen Studien. Zunächst freut man sich, fühlt sich bestätigt, doch je länger man darüber nachdenkt, desto mehr Zweifel werden wach. Die Aussage "Linksliberale sind schlauer als Konservative" ist offenbar weniger aussagekräftig, als man zunächst glaubt. Am meisten taugt sie vermutlich noch fürs Kabarett.

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[1] Süddeutsche vom 26.02.2010
[2] Dumme wählen CDU vom 12.04.2006