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19. Oktober 2010, von Michael Schöfer
Sonntagsreden sind billiger


"Das Europäische Parlament will den Mutterschutz in den Mitgliedstaaten deutlich ausdehnen. Die Abgeordneten beraten bereits über die Reform einer Richtlinie. Danach soll die Schutzzeit von 14 auf 20 Wochen angehoben werden, wobei sechs Wochen nach der Geburt genommen werden müssen. In dieser Zeit sollen die Mütter voll bezahlt werden, also 100 Prozent des letzten Monatseinkommens erhalten. Väter sollen zwei Wochen frei bekommen bei Fortzahlung der Bezüge." [1] So weit, so gut.

Zur Zeit gewährt Deutschland nur das europäische Minimum von 14 Wochen, damit liegt es mit Malta auf dem letzten Platz der 27 EU-Mitgliedsländer. Ich wußte gar nicht, dass wir so fortschrittlich sind. (Achtung: Ironie!) Doch die Bundesregierung ist gegen die Verlängerung des Mutterschutzes, angeblich kostet sie die öffentlichen und privaten Arbeitgeber pro Jahr bis zu 1,7 Mrd. Euro. Dieses Vorhaben würde Mehrkosten verursachen, aber "keine Verbesserung für die Betroffenen bringen", behauptet eine Sprecherin des Familienministeriums. Die Arbeitgeber sind natürlich ebenfalls dagegen.

Es ist halt doch billiger, sich in Sonntagsreden für die Familien einzusetzen und lauthals über die zu geringe Geburtenrate zu klagen.

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[1] Süddeutsche vom 19.10.2010