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06. November 2010, von Michael Schöfer
Von Frank-Walter Steinmeier lernen...


...heißt siegen lernen. Armer Obama, bedauernswerte Demokraten: Im November 2008 wurde Barack Obama mit 52,9 % zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Und seine Demokratische Partei gewann bei den gleichzeitig stattfindenden Kongresswahlen in beiden Häusern (Repräsentantenhaus, Senat) ebenfalls die Mehrheit. Nun, nach lediglich zwei Jahren, ist die damals überall grassierende Obamania längst verflogen, die Demokraten haben gerade bei den Zwischenwahlen eine bittere Niederlage hinnehmen müssen. Im Repräsentantenhaus gelang den Republikanern ein Erdrutschsieg, im Senat konnten die Demokraten ihre Mehrheit nur knapp verteidigen. Regieren wird nun für Obama noch schwieriger.




[Quelle der Daten: CNN vom 06.11.2010, 6:43 p.m.]

Was tun, Barack Obama? Mr. President, please look to germany, look to the former secretary of state Frank-Walter Steinmeier. Der hat zwar vor einem Jahr bei den Bundestagswahlen eine ähnlich herbe Niederlage eingesteckt wie Ihre Democrats, aber mittlerweile den seinerzeit schier übermächtigen Gegner erfolgreich zermürbt. Von Frank-Walter Steinmeier lernen heißt demzufolge siegen lernen. Ich hoffe, Sie stören sich nicht daran, dass die Originallosung ("Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen.") eigentlich von der Communist Party of the German Democratic Republic (we called it "Ostzone") stammt. Don't worry, all german communists are dead (except Mrs. Sahra Wagenknecht).

Die FDP, Mr. President, ist ähnlich eindimensional wie die Republicans bei Ihnen: Populismus hoch drei und ein inkonsistentes Wahlprogramm. Und das republikanische Mantra ist mit dem Mantra der hiesigen Liberalen (übrigens inzwischen auch bei uns ein Schimpfwort) absolut deckungsgleich: Beide fordern bis zum Erbrechen Steuersenkungen, Steuersenkungen und nochmals Steuersenkungen. Wir, lieber Barack Obama, können uns das allerdings ebenso wenig erlauben wie die USA. Well, I will give you a little bit hope. Now the FDP and the present secretary of state Guido Westerwelle looks like a fool. Yes indeed. They have only five percent. Ja, da staunen Sie, lieber Barack Obama, die FDP muss bei den nächsten Wahlen tatsächlich um den Einzug ins Parlament zittern. Wenn das keine rosigen Aussichten sind, was dann?



[Quelle der Daten: wahlrecht.de]


Our former secretary of state Frank-Walter Steinmeier hat die also wirklich kleingekriegt. Okay, zugegeben, ist nicht allein sein Verdienst, da hat Guido himself ein gutes Stück mitgeholfen. Der hat nämlich auch nach der Wahl bloß "Steuersenkungen, Steuersenkungen, Steuersenkungen" gerufen. Die Wählerinnen und Wähler haben sich kurz die Augen gerieben ("Wen haben wir denn da gewählt?") und sich umgehend von Guido Westerwelle und seiner marktradikalen Clique abgewandt. Wäre das nicht eine kluge Taktik für Sie, Mr. President? Lassen Sie doch die Republicans und die Tea Party mal drei Monate lang Gesetze entwerfen. Ich gehe jede Wette ein, auch das amerikanische Wahlvolk wird sich verwundert die Augen reiben. Und bis dahin, Mr. President, haben Sie in Washington einen ziemlich schlauen Job. Setzen Sie sich einfach seelenruhig ins Oval Office und machen erst einmal gar nichts. Sie werden sehen, die Republikaner werden sich ohne Ihr Zutun selbst zerlegen. Wie die FDP bei uns. Ich glaube, Ihre Wiederwahl ist gesichert.