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29. Dezember 2010, von Michael Schöfer
Das "Who is who" der Autokraten...


...gratuliert sich gegenseitig. Eine feine Gesellschaft kommt da zusammen. Wer hat beispielsweise Alexander Lukaschenko kürzlich zum Sieg Betrug bei der Präsidentschaftswahl in Weißrussland gratuliert?

Hugo Chávez (Venezuela): "Hugo Chavez beglückwünscht im Namen des venezolanischen Volkes und der bolivarianischen Regierung aufrichtigst das Volk der Republik Belarus und deren staatliche Strukturen zur Offenbarung der Demokratie bei der Abstimmung, als deren Ergebnis der große europäische Spitzenpolitiker Alexander Lukaschenko zum Präsidenten des Landes wiedergewählt wurde“, heißt es in einem Kommuniqué des venezolanischen Außenamtes. [1] Dreifacher Salto auf der Schleimspur.

Mahmud Ahmadinedschad (Iran): "Die Präsidentenwahl am Sonntag sei ein weiterer Meilenstein in der 'glänzenden Geschichte des großen weißrussischen Volkes'." [2] Wahrscheinlich hätte das weißrussische Volk auf diesen weiteren Meilenstein gerne verzichtet.

Hu Jintao (China): "China und Belarus sind gute Partner und Freunde. Die beiden Staaten agieren auf Grundlage festen politischen Vertrauens, unterstützen einander in allen Schlüsselfragen." [3] ...zum Beispiel in Oppositionelle einsperren und Journalisten zusammenschlagen.

Die verspätete Gratulation des russischen Präsidenten ist fast schon eine halbe Distanzierung. Dmitri Medwedew (Russland): "Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und dem weißrussischen Brudervolk Frieden und Gedeihen." [4] Seine Gratulation fällt im Vergleich zu Chávez deutlich kühler aus. Da war Medwedews Vorgänger Wladimir Putin anno 2006 ein bisschen enthusiastischer: "Die Ergebnisse der jüngsten Wahl zeugen vom Vertrauen der Wähler zu Ihrem Kurs auf das weitere Wachstum des Wohlstandes des weißrussischen Volkes." [5]

Trotz alledem mache ich mir richtig Sorgen um den guten Lukaschenko, von einer Gratulation seines Freundes Kim Jong Il (Nordkorea) habe ich nämlich überhaupt nichts gelesen. Die beiden Herren werden sich doch nicht entzweit haben... Das wäre sicherlich ein furchtbarer Verlust für die Menschheit.

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[1] RIA Novosti vom 21.12.2010
[2] RIA Novosti vom 21.12.2010
[3] BelTA vom 24.12.2010
[4] RIA Novosti vom 25.12.2010
[5] RIA Novosti vom 20.03.2006