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19. Dezember 2012, von Michael Schöfer
Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?


Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist mit großer Mehrheit erneut zum Vorsitzenden des African National Congress gewählt worden, allerdings ist der Unmut der Bevölkerung mit dem ANC zuletzt immer stärker geworden. Während die schwarze Bevölkerungsmehrheit bislang wirtschaftlich kaum von der Abschaffung der Apartheid profitiert hat, ist aus ihr eine kleine Schicht Wohlhabender hervorgegangen, die in kurzer Zeit zu sagenhaftem Reichtum gelangte. Zuma steht schon seit langem wegen Misswirtschaft und Korruption in der Kritik und ist damit auf dem besten Wege, das Erbe Nelson Mandelas zu verspielen. Eines von Mandelas Markenzeichen war absolute Integrität, im Gegensatz dazu ist Zumas Weg von zahlreichen Skandalen gepflastert. "Jüngst wurde er beschuldigt, mit Steuergeld sein Privatanwesen luxuriös ausgebaut zu haben. Seine weitläufige Familie soll 80 Unternehmen besitzen, die oft Staatsaufträge bekommen." [1] Zu Zumas Stellvertreter wurde Cyril Ramaphosa gewählt. Man munkelt bereits, Ramaphosa werde Zuma dereinst als ANC-Vorsitzender und auch als Staatspräsident beerben.

Ob das die Lage des ANC verbessert, ist allerdings fraglich, denn man sollte den Teufel nicht mit dem Beelzebub austreiben. Cyril Ramaphosa, der 1982 die National Union of Mineworkers (Gewerkschaft der Minenarbeiter) gründete und von 1991 bis 1996 Generalsekretär des ANC war, wird mittlerweile auf ein Vermögen von 675 Mio. US-Dollar (509 Mio. Euro) taxiert. [2] Er ist einer der reichsten Männer Afrikas und u.a. im Aufsichtsrat von Lonmin tätig, dem britischen Bergbauunternehmen, dem die Platinmine in Marikana gehört. Dort haben am 16. August 2012 Polizisten ein Massaker an streikenden Bergarbeitern der Association of Mineworkers and Construction Union (einer Abspaltung der NUM) angerichtet, bei dem 34 Kumpel getötet und 78 verletzt wurden. [3] Ihm wurde vorgeworfen, die Streikenden "als 'Kriminelle' bezeichnet und die Sicherheitskräfte zu hartem Durchgreifen aufgefordert zu haben." [4] Ramaphosa ist daher genau das Gegenteil dessen, was der ANC jetzt bräuchte. Es kann nämlich gut sein, dass Südafrika angesichts der prekären Lage der Bevölkerungsmehrheit demnächst explodiert, denn in kaum einem Land ist die Ungleichheit so krass wie in Südafrika (GINI Index 2009: 63,14). [5]

Viele Hoffnungen, die mit dem Ende der Apartheid verbunden waren, wurden enttäuscht. Es gärt mächtig am Kap der Guten Hoffnung. Ob jemand aus der schwarzen Elite der Neureichen der Richtige ist, die sozialen Probleme des Landes anzupacken, ist äußerst zweifelhaft. Ausgerechnet Ramaphosa! Zuma hatte zwar einst versprochen, fünf Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Korruption zu bekämpfen, aber die offizielle Arbeitslosenquote hat sich unterdessen bei etwa 25 Prozent verfestigt - fast zwei Prozent mehr als bei seinem Amtsantritt im Mai 2009. [6] Inoffiziell wird sogar von 40 Prozent gesprochen. Jemand, der wie Ramaphosa innerhalb kurzer Zeit steinreich wurde, ist ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Er ist vielleicht eher Teil des Problems anstatt Teil der Lösung. Der ANC wird folglich mit dem Duo Zuma/Ramaphosa schweren Zeiten entgegengehen.

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[1] Deutschlandradio vom 18.12.2012
[2] Forbes, November 2012
[3] Wikipedia, Südafrikanischer Bergarbeiterstreik 2012
[4] Deutsche Welle vom 18.12.2012
[5] Trading Economics, GINI Index in South Africa
[6] Trading Economics, South Africa Unemployment Rate