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23. Juni 2013, von Michael Schöfer
Beutekunst bleibt Beutekunst


Angela Merkel hat Wladimir Wladimirowitsch endlich mal gezeigt, was eine Harke ist. Beutekunst bleibt eben Beutekunst, lieber Wladimir. Da kann man machen nix. Und diese in Stein gemeißelte Wahrheit will unsere verehrte Frau Bundeskanzlerin in ihren Reden auch erwähnen dürfen. Die unbotmäßige deutsche Regierungschefin kann der Kreml-Herrscher natürlich nicht nach Sibirien ins Arbeitslager verfrachten, so dass er diesmal notgedrungen nachgeben musste. Richtig, Angela, wenigstens den Russen gegenüber müssen wir zu unseren Grundsätzen stehen.

Der "Eberswalder Goldschatz" gehört nämlich wohin? Na? Selbstverständlich nach Eberswalde! Das sagt doch schon sein Name. Genauso wie der "Schatz des Priamos". Auch der liegt momentan in Moskau, weshalb wir ihn von Putin ebenfalls gerne zurück hätten. Troja lag schließlich früher im Einzugsbereich von Berlin, Homer hat das in seinen Epen bloß unterschlagen. Was, das glauben Sie nicht? Nun, nach etlichen Irrungen und Wirrungen der Weltgeschichte gehört Troja heute zu Lärz in Mecklenburg-Vorpommern und hat die Postleitzahl 17248. Glauben Sie es jetzt? Raoul Schrott hätte sich die ganze Aufregung um seine These, Troja sei in Karatepe zu finden, sparen können. Ein Blick ins Postleitzahlenbuch hätte vollauf genügt. Wenn der Schatz also irgendwo hingehört, dann zweifellos in die Bundeshauptstadt und keinesfalls in die Türkei.

Falls ihn die Russen wider Erwarten zurückgeben sollten, würden wir den Schatz gleich neben dem Pergamonaltar präsentieren, denn der ist nach dem Krieg zum Glück in Berlin geblieben. Übrigens völlig zu Recht, Pergamon lag - liebe Leser, Sie ahnen es bereits - im 2. Jahrhundert v. Chr. ebenfalls in Deutschland (eine Postleitzahl ist bedauerlicherweise nicht überliefert). Dort wurde bekanntlich das Papier entdeckt: Pergamon = Pergament = Papier. Der Mainzer Johannes Gutenberg hätte daher ohne Pergamon niemals den Buchdruck erfunden. Und ohne Buchdruck keine Raubkopie bei Google Books (die digitale Form der Beutekunst). Zugegeben, alles keine stichhaltigen Beweise, aber immerhin Indizien.

Auf der Berliner Museumsinsel können Besucher darüber hinaus die Büste der Nofretete bewundern - ehemalige Beutekunst, die wir erfolgreich von Ägypten zurückverlangt haben. "Die Schöne" war die Gattin von Echnaton, der um 1340 v. Chr. Bundeskanzler und somit ein Vorgänger von Merkel gewesen sein soll. Verbürgt ist das allerdings nicht. Auch nicht, ob er der CDU oder der SPD angehörte. Was wir aber genau wissen, ist, dass Echnaton damals mit "Aton" einen Prototyp der Photovoltaik fördern wollte, aber kläglich scheiterte. Vielleicht war er deshalb sogar ein Grüner.

Wie dem auch sei, jedenfalls müssen alle Kunstschätze dorthin zurückkehren, woher sie stammen. Alles andere wäre ungerecht und illegal, denn an Beutekunst kann man kein Eigentum erwerben. Das ist genau das, was die gute Angela ihrem lieben Wladimir Wladimirowitsch an den Kopf geworfen hat. Und dem muss man, egal wie man sonst zur Kanzlerin stehen mag, ohne Einschränkung beipflichten. Beutekunst bleibt bis zur Rückgabe Beutekunst. Das gilt für den "Eberswalder Goldschatz" genauso wie für den "Schatz des Priamos", den Pergamonaltar oder die Nofretete.