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20. Juli 2014, von Michael Schöfer
Hier hat offenbar jemand etwas zu verbergen


Natürlich wissen wir noch nicht hundertprozentig, ob die Maschine der Malaysia Airlines (Flug MH17) in der Ostukraine überhaupt abgeschossen wurde, theoretisch wäre nämlich auch ein technischer Defekt denkbar. Erwartungsgemäß kocht im Netz die Gerüchteküche über, Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Zum Beispiel: In Wahrheit hat die ukrainische Regierung das Flugzeug abgeschossen und will den Terrorakt den prorussischen Separatisten in die Schuhe schieben. Natürlich ist das nicht vollkommen auszuschließen, weil die ukrainische Armee ebenfalls über das dafür notwendige Flugabwehrsystem "Buk" verfügt. Aber genau das soll ja die Untersuchung der internationalen Expertenkommission herausfinden, die hoffentlich nach allen Seiten und ergebnisoffen ermitteln wird.

Allerdings sind momentan die von Russland unterstützten Rebellen die Einzigen, die bei der Aufklärung Probleme machen. Ganz so, als hätten sie etwas zu verbergen. Nehmen wir einmal an, MH17 wäre tatsächlich von der ukrainischen Armee abgeschossen worden - der selbsternannten "Volksrepublik Donezk" und ihrem Protektor im Kreml könnte doch gar nichts Besseres passieren, denn die Regierung in Kiew hätte sich mit dem Abschuss total desavouiert und schlagartig ins politische Abseits manövriert. Der Westen könnte Präsident Poroschenko keine Brotkrume mehr zukommen lassen und Wladimir Putin hätte gewonnen.

Doch wenn die Medienberichte zutreffen, ist die Absturzstelle ungenügend abgesichert und den Opfern sollen durch Leichenfledderer Kreditkarten gestohlen worden sein. Außerdem ist der Verbleib der Flugschreiber nach wie vor unklar. Der Verdacht, hier werden Beweise beiseite geschafft oder manipuliert, liegt auf der Hand. Bislang haben die Experten, die den Absturz untersuchen sollen, keinen ungehinderte Zugang zum Trümmerfeld. Überdies fühlen sie sich von den bewaffneten und martialisch auftretenden Separatisten verständlicherweise eingeschüchtert.

Letztere machen ohnehin eher den Eindruck, als seien hier primitive Gewalttäter aus dem kriminellen Dunstkreis am Werk. Verbrecher, die man andernorts ins Gefängnis stecken würde. In Russland fielen sie unter die Artikel 205ff des russischen Strafrechts - Terrorismus, illegale bewaffnete Gruppe, Banditentum etc. [1] Doch durch die politischen Umstände halten diese Parvenüs plötzlich ein Zipfelchen Macht in Händen und benehmen sich dementsprechend - mit dem Maschinengewehr auf dem Arm erteilen sie OSZE-Beobachtern und Journalisten großspurig Befehle: "Sie befinden sich auf dem Gebiet der Donezker Volksrepublik, also folgen Sie bitte meinen Befehlen." [2] Mich erinnert deren Gehabe offen gesagt weniger an idealistisch gesinnte Freiheitskämpfer, sondern eher an dubiose Figuren wie Ratko Mladic.

"Folge der Spur des Geldes", raten Kriminalisten, denn oft ist Habgier das Motiv für Kapitalverbrechen. Mit dem Blick auf die Ostukraine kann man jedenfalls sagen: Diejenigen, die die Aufklärung des Absturzes von MH17 behindern oder gar sabotieren, haben offenbar etwas zu verbergen. Und das ist für sich genommen schon ein kleiner Hinweis darauf, wo die Täter zu finden sind.

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[1] The Criminal Code Of The Russian Federation, PDF-Datei mit 644 kb
[2] tagesschau.de vom 19.07.2014, Video-Datei (H264) mit 29 MB