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23. März 2016, von Michael Schöfer
Verrückte Zeiten


Ich hätte die Welt gerne sauber in Schwarz und Weiß aufgeteilt, wobei ich selbstverständlich zu den Guten (= Weiß) gehöre. Was auch sonst? Bedauerlicherweise hält sich die Welt nicht an dieses bequeme Schema, sie erdreistet sich, unübersichtlich zu sein. Und das, ohne vorher um Erlaubnis gefragt zu haben. Welch bodenlose Frechheit.

Zugegeben, der Westen hält nur solange an seinen vielbeschworenen Werten fest, wie es ihm nützt. Hier gäbe es noch so viel zu tun, angefangen bei der gerechteren Aufteilung des Reichtums bis hin zur strikten Beachtung der Menschenrechte und der rechtsstaatlichen Grundsätze. Aber man muss auch die Frage stellen, ob Religionen im Allgemeinen und der Islam im Besonderen demokratiekompatibel sind. Ich habe da ehrlich gesagt meine Zweifel. Religionen sind kein Segen, sondern ein Fluch für die Menschheit. Das gilt, wohlgemerkt, für alle: Die einen wollen mit Allah die Ungläubigen bekämpfen, die anderen das christliche Abendland mit ihrem Rassismus verteidigen. Ich halte beides für inakzeptabel.

Ungeachtet dessen stelle ich infrage, ob an aller Unbill in der Welt wirklich bloß der Westen schuld ist, wie manche behaupten. Diese eindimensionale Weltsicht ist mir nämlich viel zu schlicht. Außerdem sind Pauschalisierungen in jeglicher Hinsicht falsch - ob es nun "die" Muslime trifft oder "den" Westen. Die Welt ist viel komplexer geworden, heute muss uns - im Gegensatz zu früher - der sprichwörtliche Sack Reis interessieren, der in China umfällt.

Es wäre schön, wenn es auf all das eine einfache Antwort gäbe. Doch die gibt es offenbar nicht. Es sind verrückte Zeiten. Ich fürchte, dass dadurch vor allem die Wirrköpfe gestärkt werden, man denke nur an Donald Trump. Das ist genau das, was die Terroristen wollen. Und wenn ich mir den Vormarsch der Rechtspopulisten in Europa ansehe, muss man neidlos anerkennen: Es funktioniert. Leider.