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17. April 2016, von Michael Schöfer
Ein Schmähgedicht auf Sigmar Gabriel...


...bekommen Sie jetzt von mir nicht zu lesen, denn zur Lyrik habe ich nie Zugang gefunden. Aber wenn ich dichten könnte, würde mein Schmähgedicht vermutlich ähnlich drastisch ausfallen, wie das von Böhmermann über Erdogan. Vielleicht nicht so vulgär, aber mit viel Wut im Bauch. Warum? Bundeswirtschaftsminister Gabriel (SPD) hat bei einem Besuch in Kairo den ägyptischen Präsidenten al-Sisi einen "beeindruckenden Präsidenten" genannt. "'Ich finde, Sie haben einen beeindruckenden Präsidenten', sagte Gabriel bei einer Pressekonferenz im Präsidialpalast." [1] Wie kann man nur so tief sinken? Wie kann man sich und Deutschland nur so blamieren? Extrem peinlich, wenn Sie mich fragen.

Zur Erinnerung: Al-Sisi regiert ein Land, in dem systematisch gefoltert wird. Vor kurzem wurde dort zum Beispiel ein italienischer Student zu Tode gefoltert, man hat ihm schier unbeschreibliches Leid zugefügt: Als man seine Leiche fand, war er "nur am Oberleib bekleidet, und, wie sich später herausstellen sollte, sein Körper war entstellt von den Folgen schwerster Folter, die über Stunden, wahrscheinlicher aber über Tage gewährt haben muss. Er trug Brandmale von Zigaretten am Körper, Blutergüsse von Schlägen, Spuren von Elektroschocks. Nägel waren ihm ausgerissen worden, er hatte Blutungen im Kopf erlitten. Teile seiner Ohren waren abgetrennt. Sieben Rippen waren gebrochen - und ein Halswirbel, vermutlich die Ursache seines Todes." [2] Die Täter sind mutmaßlich bei den Sicherheitsbehörden (Polizei, Geheimdienste) zu finden. Der Fall hat aber nur deshalb Aufsehen erregt, weil ein Italiener gefoltert wurde. Vielen inhaftierten Ägyptern ergeht es ähnlich, ohne dass sich die Welt darüber aufregt. Vermutlich, weil al-Sisi so beeindruckend ist.

Die SPD braucht sich wirklich nicht zu wundern. Eine Partei, die einen Vorsitzenden hat, der offenkundig über ein Rückgrat aus Gummi verfügt, ist zu nichts zu gebrauchen. Ich schäme mich zutiefst, dass Deutschland dem ägyptischen Diktator buchstäblich in den Hintern kriecht. Prinzipienlose Opportunisten verkaufen eben im Zweifelsfall lieber U-Boote, Grenzschutzanlagen und Rüstungsgüter, als sich konsequent für die Menschenrechte einzusetzen.

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[1] tagesschau.de vom 17.04.2016
[2] Süddeutsche vom 02.04.2016