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19. Dezember 2017, von Michael Schöfer
Die Michael Schöfer Ltd


Wäre ich eine Firma wie Apple, Nike oder Ikea, würde mein Steuertrick grob gesagt wie folgt aussehen: Ich gründe in Irland oder in den Niederlanden die "Michael Schöfer Ltd" oder die "Michael Schöfer BV" und übertrage ihr das Recht, in Deutschland vom realen Michael Schöfer für die Zurverfügungstellung seiner Arbeitskraft Lizenzgebühren zu verlangen. Noch besser sind Stiftungen, denen das imagefördernde Mäntelchen der Gemeinnützigkeit umhängt. In Deutschland werden die in Rechnung gestellten Lizenzgebühren steuermindernd geltend gemacht, so dass hierzulande - wenn überhaupt - nur noch ein geringer Steuersatz zu entrichten ist. In Irland oder den Niederlanden wiederum unterliegen die von mir gegründeten Firmen einem, im Vergleich zur deutschen Lohnsteuer, äußerst günstigen Steuersatz von lediglich 12,5 Prozent. Sonderabkommen erlauben es mir, die Besteuerung auf beinahe null Prozent zu drücken. Faktisch zahle ich also fast keine Steuern mehr.

Absurd, werden Sie wahrscheinlich sagen. Und das stimmt auch - jedenfalls für Arbeitnehmer wie mich. Wäre ich allerdings tatsächlich ein gut verdienender Weltkonzern, wäre dieses Konstrukt völlig normal. Genau daran krankt ja unser System: Die, die es aufgrund ihres Reichtums eigentlich gar nicht nötig hätten, bekommen das Geld vorne und hinten reingeschoben. Und die, die jeden Cent zweimal herumdrehen, müssen sich mit Brosamen begnügen. Die Staatshaushalte sind obendrein aufgrund der geschickten Steuervermeidung so klamm, dass nicht einmal genug Geld für die Renovierung von Schulen übrig bleibt. Bravo! Aber so sieht eben der Kapitalismus aus.

Die Gier Einzelner ist für den Niedergang der Mittelschicht, der letztlich die Demokratie bedroht, mitverantwortlich. In den USA verdient etwa das oberste Prozent 20 Prozent des Gesamteinkommens, während die unteren 50 Prozent der Bevölkerung nur auf 13 Prozent kommen. Aber was passiert? Anstatt untere und mittlere Einkommen zu entlasten, streichen die Reichen auch noch exorbitante Steuernachlässe ein. Überwiegend legal, versteht sich. Und die ganz Gierigen scheuen sich nicht, auf illegalem Wege Steuern zu hinterziehen. Die Wut aufs Establishment ist von daher absolut verständlich. Und die Volksvertreter, die solche Gesetze beschließen bzw. sich unwillig zeigen, Steuerschlupflöcher zu stopfen, haben wir zu allem Unglück auch noch selbst gewählt. Der Spruch von Bert Brecht hat durchaus seine Berechtigung: "Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber."