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11. Dezember 2017, von Michael Schöfer
Das ist typisch Mensch: Keine Skrupel


Wem würden Sie ein Auto abkaufen? Markus Söder oder Joachim Herrmann? Nun, die CSU will den bayerischen Wählern weismachen, Söder wäre der vertrauenswürdigere von beiden. Wie war das nochmal? Söder sei "vom Ehrgeiz zerfressen", neige zu "Schmutzeleien" und habe "charakterliche Schwächen"? (O-Ton Horst Seehofer) Schwamm drüber...

Doch die Frage, wem man ein Auto abkaufen würde, stellt sich generell und geht somit weit über die Grenzen des Freistaats hinaus. Mitarbeiter in der mobilen Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Bundestages wurden bislang als Honorarkräfte eingesetzt (d.h. als Selbständige, die für ihre Sozialversicherung selbst aufkommen müssen). Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg befand jedoch in letzter Instanz, dass es sich hierbei um abhängig Beschäftigte handelt. "Die Bundestagsverwaltung führt gegenwärtig Gespräche mit der Deutschen Rentenversicherung, mit dem Ziel, die mobile Öffentlichkeitsarbeit auch weiter von freiberuflichen Honorarkräften betreuen zu lassen", berichtet die Süddeutsche Zeitung. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) will offenbar das Urteil umgehen. Irgendwie.

Das ist typisch Mensch: Skrupel, andere auszubeuten, haben leider nur wenige. Würden Sie Wolfgang Schäuble ein Auto abkaufen? Ich jedenfalls nicht. Ich würde angesichts des Abgasskandals noch nicht einmal VW ein Auto abkaufen. Deutschland hat einen großen Niedriglohnsektor und leidet unter wachsender Kinderarmut? Wenig verwunderlich, denn wer schon im Deutschen Bundestag die eigenen Mitarbeiter so schäbig behandelt, wird bei der Gesetzgebung kaum anders handeln. Und so sehen die Gesetze dann auch aus. Wem würden Sie ein Auto abkaufen? Das ist die falsche Frage, die richtige lautet vielmehr: Wem kaufen sie die soziale Scheinheiligkeit ab? Und wie lange noch?