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20. Oktober 2017, von Michael Schöfer
Unter Umständen hat Rajoy ja Glück


Neuwahlen in Katalonien könnten eine Klärung der vertrackten politischen Lage bringen. So kann die angeblich schweigende Mehrheit der Befürworter eines Verbleibs bei Spanien zeigen, dass sie wirklich die Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert. Andererseits werden die Separatisten um Carles Puigdemont die Wahl bestimmt zum inoffiziellen Referendum über die Unabhängigkeit deklarieren. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy spielt ein gewagtes Spiel. In den vergangenen Jahren hat er jede Chance verpasst, mit den abtrünnigen Katalanen, ob nun Mehrheit oder nicht sei dahingestellt, ins Gespräch zu kommen. Gewinnen die Separatisten, hat Rajoy sein Land endgültig in die Sackgasse manövriert, weil dann feststeht, dass die Mehrheit die Loslösung von Spanien will. Falls die Zentralregierung in Madrid anschließend immer noch jegliche Gespräche ablehnt, könnte das Ganze weiter eskalieren. Bislang hat Rajoys törichtes Handeln die Situation bloß unnötig verschärft, bei einem konzilianteren Verhalten wäre es vielleicht gar nicht so weit gekommen. Aber unter Umständen hat er ja Glück und die Befürworter des Status quo triumphieren, in diesem Fall wäre er der strahlende Sieger.