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16. Oktober 2017, von Michael Schöfer
Der IWF verblüfft


Um den Kapitalismus muss es ziemlich schlecht bestellt sein, wenn sogar der Internationale Währungsfonds (IWF) vor der ungleichen Verteilung des Reichtums warnt. Ungleich verteilter Reichtum polarisiere die Bürger, er mache unzufrieden und schüre Ängste. Die Menschen fürchteten, weiter abgehängt zu werden und ihre Arbeitsplätze zu verlieren. Das führe schließlich dazu, dass sie für eine Politik der Abschottung und der Barrieren stimmten, warnt der Chefökonom des IWF, Maurice Obstfeld. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde sagt, die Erträge des Welthandels müssten besser verteilt werden. Stand jedenfalls schwarz auf weiß in der Süddeutschen.

Der geneigte Leser reibt sich verwundert die Augen. War es doch in den vergangenen Jahrzehnten vor allem der IWF, der durch seine neoliberalen Rezepte an der Verbreitung der Ungleichheit maßgeblichen Anteil hatte, dessen Auflagen verursachten nämlich insbesondere in den hochverschuldeten Entwicklungsländern Not und Elend. Entweder ist es späte Einsicht oder die blanke Angst, es wirklich übertrieben zu haben. Wenn Börsianer plötzlich vor der Spekulation warnen, sollte man hellhörig werden.