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31. August 2017, von Michael Schöfer
Ekelerregend, abartig, brutal, gefährlich


Wenn stimmt, was der Norddeutsche Rundfunk verbreitet, dass die veröffentlichten Chat-Protokolle tatsächlich vom AfD-Politiker Holger Arppe stammen, muss man ihm wirklich dankbar sein. Besser hätte er Bertolt Brecht nicht bestätigen können: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch." Eine feine Partei ist das, die AfD. Alexander Gauland will eine Deutsche in Anatolien "entsorgen", weil sie eine ihm nicht genehme Meinung vertritt ("wer solche Ansichten vertritt, hat in diesem Land nichts verloren"), und Holger Arppe schwelgt offenbar in bizarren Gewaltphantasien gegen Andersdenkende ("das ganze rotgrüne Geschmeiß aufs Schafott schicken"; "vielleicht sollten wir [Name des Mannes]'s Mutter entführen, sie brutal vergewaltigen lassen von einem wilden Schimpansen und ihm dann jeden Tag einen Finger zuschicken"). Ekelerregend, abartig, brutal, gefährlich. Wissen die laut Umfrage 11 Prozent der Bundesbürger eigentlich, wem sie da ihre Sympathie bekunden? Und wenn ja, ist es ihnen egal? Genau so hat es in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angefangen. Und wohin es führen würde, wollten die Menschen damals zunächst auch nicht glauben. Anfangs hat nur eine Minderheit mitgemacht, später streckten die meisten den rechten Arm zum "Deutschen Gruß" nach oben, und von da ab war der politische Widerstand (Weiße Rose, Georg Elser, Dietrich Bonhoeffer u.a.) hoffnungslos in der Minderheit. Bis zum bitteren Ende. Danke Alexander Gauland, danke Holger Arppe - ohne eure Aufklärungsarbeit würden wahrscheinlich noch viel, viel mehr Menschen glauben, die AfD sei bloß eine Partei konservativer Biedermänner. Doch jetzt fallen peu à peu eure Masken herunter. Und was da ans Tageslicht kommt, riecht abstoßend nach verfaulter brauner Soße. Mindesthaltbarkeitsdatum 8. Mai 1945 längst überschritten.