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24. Juli 2017, von Michael Schöfer
Wer kann der türkischen Regierung vertrauen?


Der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci hat noch vor wenigen Tagen beteuert, man habe Deutschland gar keine Liste übergeben, auf der deutsche Unternehmen stünden, denen man Unterstützung des Terrorismus zur Last lege. "Das sind Fake News", behauptete er steif und fest. Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Existenz der Liste bestritten und in diesem Zusammenhang von "böser Propaganda" gesprochen. Doch nun zieht Erdogan die Liste, die es angeblich gar nicht gibt, kleinlaut zurück. Dem türkischen Innenminister zufolge lag ein "Kommunikationsproblem" vor, türkische Behörden würden weder in der Türkei noch in Deutschland gegen deutsche Unternehmen ermitteln.

Also alles bloß ein Missverständnis? Von wegen, lediglich die typische Reaktion eines Despoten. Erdogan will die Bundesregierung nur vorübergehend besänftigen, vermutlich in der Hoffnung, dadurch die angedrohten wirtschaftlichen Nachteile abwenden zu können. Doch seinen Kurs wird er bestimmt nicht ändern, darüber sollte man sich keinen Illusionen hingeben.

Wer kann den Worten der türkischen Regierung vertrauen? Niemand. Wer wird den Worten der türkischen Regierung vertrauen? Hoffentlich ebenfalls niemand. Der, der es trotzdem tut, ist naiv. Die deutsche Regierung wäre dämlich, ginge sie ihm auf den Leim. Solange in der Türkei Willkür herrscht, muss man Erdogan die Folgen spüren lassen.