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12. Juli 2017, von Michael Schöfer
Alles aufgrund von falschen Prognosen


Bravo, wirklich gut hingekriegt. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung gibt es hierzulande im Jahr 2025 wegen der steigenden Geburtenzahl und verstärkter Zuwanderung 8,3 Mio. Schüler. Bislang gingen die offiziellen Prognosen von zurückgehenden Schülerzahlen aus, danach sollten es im Jahr 2025 lediglich 7,2 Mio. sein. Immerhin eine Differenz von 1,1 Mio. oder 15 Prozent. Genau mit dieser Begründung, es gebe künftig weniger Nachwuchs, hat die zwischen 1998 und 2005 regierende rot-grüne Koalition unter Gerhard Schröder (SPD) damit begonnen, das Niveau der gesetzlichen Rente abzusenken und die Menschen in die private Altersvorsorge zu drängen. Profitiert haben die Unternehmen durch geringere Lohnnebenkosten und natürlich die Versicherungswirtschaft durch den Abschluss von Rentenverträgen. Die private Altersvorsorge gilt aber inzwischen als gescheitert, das peu à peu sinkende Rentenniveau bleibt uns jedoch erhalten, künftige Rentnergenerationen werden deshalb im Alter deutlich weniger Geld in der Tasche haben. Offenbar alles aufgrund von (siehe oben) falschen Prognosen.

Die Österreicher, die sich dem Privatisierungswahn erfolgreich verweigert haben, bekommen eine wesentlich höhere Rente als die Deutschen. Sollten sich die Zahlen der Bertelsmann Stiftung tatsächlich bestätigen, wird man dann bei uns die Rentenpolitik wieder korrigieren? Oder bleibt es trotz geänderter Grundlage bei der absehbaren Fahrt in die Altersarmut? Wäre doch interessant, darüber von den Parteien noch vor der Bundestagswahl im September mehr zu erfahren. Die Union macht es sich dabei recht bequem, vor 2030 gebe es angeblich keinen Änderungsbedarf. Basta! Ich fürchte, die Betroffenen sehen das anders.