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01. Juli 2017, von Michael Schöfer
Die Anzahl der Jahre allein bedeutet wenig


Die Wissenschaftler sind sich noch uneins, wie alt Menschen maximal werden können. Erstaunlicherweise wurde bislang eine Frau am ältesten, die nachweislich im Alter von 122 Jahren und 164 Tagen starb, sich aber erst mit 119 das Rauchen abgewöhnte. Und das auch nur deshalb, weil sie nichts mehr sehen konnte und fürchtete, ihre Wohnung anzuzünden. Dabei gilt Rauchen gemeinhin als lebensverkürzend. Die eigentliche Frage ist allerdings nicht, wie viele Jahre man lebt, sondern wie man im Alter dasteht. Die Rekordhalterin saß in den letzten Jahren aufgrund eines Sturzes im Rollstuhl, war blind und fast taub. Obgleich geistig rege, ließen die Kräfte ihres Körpers also sichtlich nach. Angesichts dessen erscheint es zumindest mir als nicht besonders erstrebenswert, sehr alt zu werden. Jedenfalls nicht so. Blind und fast taub - das ist in meinen Augen unerträglich. Dann wäre ich ehrlich gesagt lieber tot, denn die Anzahl der Jahre allein bedeutet wenig. Lieber nur 75 werden und "gesund" sterben, als im hohen Alter dahinzuvegetieren. Der Mensch ist ohnehin nur das, was er im Leben vollbracht hat. Mein Rat: Das tun, wofür im Innern die Leidenschaft brennt. Und sich nicht durch Ziele, die andere definieren, ablenken lassen. Den eigenen Weg gehen. Mit allen Konsequenzen. Das Alter, das man dabei erreicht, ist vollkommen irrelevant. Es ist ohnehin nur noch das letzte Nachglühen des Lebens.