Home | Archiv | Leserbriefe | Links | Impressum



10. Juni 2017, von Michael Schöfer
Hoffentlich sind das nicht bloß Phrasen


Gerade ist die UN-Meeresschutzkonferenz zu Ende gegangen - leider mit einem ernüchternden Ergebnis: Zwar gibt es viele gutgemeinte Absichtserklärungen, verbindliche Zusagen sucht man jedoch vergebens. Wie 2015 bei der UN-Klimakonferenz in Paris. Doch Absichtserklärungen allein sind zu wenig, dazu ist die Lage viel zu ernst. Schon jetzt sind die Meere mit Plastikmüll übersät, selbst an den Stränden der entlegensten Inseln findet sich Plastikmüll. Das erinnert mich an den dystopischen Film "Jahr 2022 … die überleben wollen", in dem die Ozeane tot sind und keine Nahrung mehr bieten.

Ein Teilaspekt der Verschmutzung der Meere ist die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetikprodukten, bei der mangels Abbau die Gefahr besteht, dass sie sich in der Nahrungskette anreichert und am Ende wieder auf unseren Tellern landet. Verboten ist Mikroplastik bislang nicht, die Bundesregierung setzt wie so oft auf den freiwilligen Ausstieg der Hersteller, aber das ist bekanntlich schon oft schief gegangen. So ist etwa Anfang des Jahrtausends der Versuch, die Autoabgase durch eine freiwillige Selbstverpflichtung der Autobauer zu reduzieren, grandios gescheitert.

Was kann der Verbraucher tun? Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) findet man den "BUND-Einkaufsratgeber Mikroplastik – die unsichtbare Gefahr", in dem zahlreiche Kosmetikprodukte aufgeführt sind, die Mikroplastik enthalten. Mit dieser Erkenntnis habe ich kurzerhand auf die Macht des Verbrauchers gesetzt und eine E-Mail an dm geschrieben:
Sehr geehrte Damen und Herren,

nach Angaben des BUND enthalten verschiedene Balea-Produkte Mikroplastik, u.a. die von mir seit Jahren verwendeten Balea Creme Seifen. Ich bitte um Auskunft, ob das tatsächlich stimmt, weil ich dann nämlich künftig auf den Kauf dieser Produkte verzichten werde.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Schöfer
Hinweis: Balea ist eine Eigenmarke von dm. Und die Eigenwerbung des Unternehmens lautet: "Nachhaltigkeit ist für uns bei dm kein unternehmerisches Ziel, sondern vielmehr Teil unseres Selbstverständnisses." Zumindest sagt das Erich Harsch, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung. Hoffentlich sind das nicht bloß Phrasen. Viele Firmen tun ja nur umweltbewusst, weil sie wissen, dass es der Verbraucher gerne hört, aber selten überprüft. Ich bin gespannt, was mir dm antwortet.

Nachtrag (10.06.2017, 17:15 Uhr):
Überraschend schnell hat dm geantwortet. Und das sogar samstags. Auszug:
Die dm-Marken-Produkte aus den Sortimentsbereichen Körper- und Zahnpflege wurden umgestellt und die genannten Kunststoff-Mikropartikel durch natürliche und nachwachsende Rohstoffe ersetzt. Seitens des BUND wurde uns im Februar 2014 bestätigt, dass die Rezepturen frei von diesen Kunststoff-Mikropartikeln sind. Aktuell werden von einigen Umwelt-Organisationen allerdings auch sogenannte synthetische Polymere kritisiert. Es handelt sich hier um wasserlösliche Stoffe, die nicht die Beständigkeit der Polyethylene-Teilchen aufweisen und daher nicht unter die oben beschriebene Kategorisierung der Kunststoff-Mikropartikel fallen. Polymere aus dieser Stoffgruppe werden z. B. als Verdickungsmittel in Shampoos und Duschgelen eingesetzt. Diesen in kosmetischen Produkten eingesetzten Polymeren wird die Eigenschaft zugesprochen, die Kläranlagen nicht zu passieren.
Nachtrag (18.07.2017):
Der BUND hat erst jetzt geantwortet. Man könne mir "leider nicht zu jedem Produkt sagen, ob es Mikroplastik enthält oder nicht, das würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen". Der BUND verweist jedoch auf seinen Einkaufsratgeber Mikroplastik. Das ist unbefriedigend, weil ich ja die Information über das Produkt von dm gerade daraus entnommen habe. Der BUND wende sich aber "gemäß dem Vorsorgeprinzip" generell gegen jegliche Zusätze aus Plastik, da die "Abbauwege und Umweltauswirkungen von flüssigen Kunststoffen (DM zweiter Absatz) ungeklärt sind und ein nachträgliches Entfernen aus der Umwelt nicht möglich ist".