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28. Mai 2017, von Michael Schöfer
Durchschnittsverdiener können sich keine Wohnung leisten


In Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main und Stuttgart sind nach Angaben des Verbandes der Genossenschaftsbanken die Preise auf dem Immobilienmarkt in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um mehr als 50 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Dem Statistischen Bundesamt zufolge haben die Nominallöhne im gleichen Zeitraum nur um 22,7 Prozent zugelegt. Allein das zeigt, wie prekär die Lage auf dem Immobilienmarkt ist. Eine Wohnung kaufen? Kann man als Durchschnittsverdiener eigentlich vergessen. Das wird nur zum Teil durch die momentan günstigen Baukredite kompensiert, doch diese Phase geht wohl bald vorüber. Nach Ablauf der Zinsbindung brechen womöglich noch etliche Finanzierungsmodelle zusammen.

Aber auch bei Mietwohnungen ist die Entwicklung dramatisch: Allein in den letzten fünf Jahren sind die Mieten in meiner Heimatstadt Mannheim im Durchschnitt um 12,6 Prozent gestiegen, während die Nominallöhne nur um 9,4 Prozent zulegten. Überdurchschnittlich zugelegt haben die Mieten bei Neubauwohnungen. Man braucht also gar nicht in die o.g. sündhaft teuren Ballungsräume zu gehen. Dass die Mieten bundesweit nicht stärker gestiegen sind als die Löhne, ist kein Trost, denn was nutzen einem Beschäftigten in Mannheim die erträglichen Mieten in Hintertupfingen? Nichts! Eine Mannheimer Krankenschwester, die nach einem bundesweiten Tarifvertrag bezahlt wird, sollte schließlich auch in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen können.