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25. Mai 2017, von Michael Schöfer
Der Vatertag ist stets ein Feiertag


Den Muttertag gibt es ja angeblich erst seit 1914, er kam wie so vieles aus den Vereinigten Staaten. Aber feierten nicht schon die Römer einmal im Jahr den "Ehrt-euren-Sklaven-Tag"? Hierzulande wurde der Muttertag 1922/1923 vom Fachverband Deutscher Floristen eingeführt. Selbstverständlich ohne jegliche Hintergedanken, etwa schnöde ökonomische. Seitdem ist der zweite Sonntag im Mai Muttertag, rein zufällig haben dann alle Blumenläden geöffnet, in denen sich regelmäßig vor der Kasse eine Schlange genervter Töchter und Söhne bildet. Mütter haben anschließend pflichtschuldig zu sagen: "Ach, das wär' doch nicht nötig gewesen…" Aber warum ist der Muttertag ausgerechnet ein Sonntag? Muss da nicht trotzdem nach dem Kirchgang pünktlich um Zwölf der Sonntagsbraten auf dem Tisch stehen? Und wer, bitteschön, soll den machen? Nichtsnutzige Ehemänner vielleicht? In den meisten Fällen ist es daher mit dem Überreichen des Blumenstraußes getan. So, gut is', und nun wieder an die Arbeit...

Männer haben es da viel besser, der Vatertag ist nämlich stets ein Feiertag. Offiziell nennt er sich zwar "Christi Himmelfahrt", doch mit 1,8 Promille ist natürlich weder an eine Himmelfahrt noch an eine woandershin zu denken. Männer wollen auch keine Blumen (was sollen sie mit dem Gemüse?), ihnen reicht ein Kasten Bier. Pro Mann, versteht sich. Harte Männer brauchen zum Trinken noch nicht einmal einen Flaschenöffner, ehedem war ohnehin der Bügelverschluss üblich. Und die segensreiche Erfindung des Bollerwagens hat das Ganze transportabel gemacht, sodass Männer den Vatertag oft außer Haus in der freien Natur verbringen. Ich glaube, das nennt man Bittprozession oder so ähnlich. Keine Angst, bei Regenwetter erhalten sie in jeder Kneipe großzügig Obdach. Einziger Nachteil: In Autofabriken wird nach dem Vatertag das Montagsauto ausnahmsweise schon am Freitag montiert.