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16. März 2017, von Michael Schöfer
Abfuhr für Geert Wilders

Natürlich freue ich mich über den Ausgang der Parlamentswahl in den Niederlanden. Was auch die österreichische Präsidentenwahl zeigte, hat sich abermals bestätigt: Rechtspopulisten sind besiegbar, die Wählerinnen und Wähler (alle Achtung: Wahlbeteiligung 80,4 %) haben Geert Wilders eine Abfuhr erteilt, obgleich seine Partei (PVV) leicht dazugewann. Die rechtsliberale VVD von Premier Mark Rutte hat jedoch 5,28 Prozentpunkte verloren, unter normalen Verhältnissen wäre das ein Anlass zurückzutreten. Doch die Verhältnisse sind nicht normal. Erschreckend ist der Zerfall der niederländischen Sozialdemokraten (Partij van de Arbeid), die ohne Schulz-Effekt auf bloß noch 5,7 % kamen (in den siebziger und achtziger Jahren waren es immer um die 30 %). Wie andernorts hat die Sozialdemokratie auch in den Niederlanden stark an Attraktivität verloren, das wird hierzulande nur von besagtem Schulz-Effekt überdeckt. Doch Martin Schulz kocht ebenfalls nur mit Wasser. Sollte er tatsächlich Angela Merkel als Kanzler ablösen, wird sich das wohl rasch zeigen. Gegenüber einer Partei, die stets ein halbes Jahr vor der Wahl plötzlich das Soziale entdeckt, sollte man äußerst misstrauisch sein. Zu oft wurden wir enttäuscht. Das Personal ist ja im Großen und Ganzen das gleiche geblieben, nur der Frontmann gilt in Deutschland als unverbraucht. Aber reicht das wirklich?