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21. Februar 2017, von Michael Schöfer
Die Kritiker sollten sich erst einmal informieren


Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (2,0 % für 2017, mindestens jedoch 75 Euro, 2,35 % für 2018, Einführung der Stufe 6 ab EG 9) wird von manchen Beschäftigten heftig kritisiert:

"Was für ein schlechtes Ergebnis....für solche Abschlüsse brauche ich keine Gewerkschaften" oder "dafür feiert ihr euch??? Schämen wäre wohl das Richtige". Viele beziehen sich auf den Tarifvertrag für die Lufthansa und bemerken sarkastisch: "Ganz dicht dran am Lufthansa Tarif" und "Warum können andere mehr, z. B. 8% für Piloten?"
Lassen wir einmal die Frage beiseite, wo die verehrten Kritiker waren, als die Gewerkschaften zum Warnstreik aufgerufen haben, befassen wir uns hier allein mit dem angeblich sagenhaften Tarifabschluss bei der Lufthansa. Wie die Vereinigung Cockpit (VC) auf ihrer Website selbst zugibt, ist das Ergebnis mehr als bescheiden: "Die Empfehlung sieht eine Gehaltserhöhung von durchschnittlich knapp 1,2% pro Jahr für einen Zeitraum von 7 Jahren und 8 Monaten und eine Einmalzahlung ungefähr in Höhe eines halben Monatsgehaltes vor."

Das Ergebnis im Einzelnen: Der Tarifvertrag gilt für die Jahre 2012 bis 2019. Es gibt rückwirkend zum 01.01.2016 eine Anhebung der monatlichen Bezüge um 2,0 Prozent, zum 01.01.2017 gib es 2,3 Prozent, zum 01.01.2018 2,4 Prozent und zum 01.01.2019 weitere 2,0 Prozent. Klingt gut, das heißt aber auch: Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 gibt es nichts. Genau: nichts! Keine müde Mark… äh… Euro. Der Tarifabschluss der Länder ist also wesentlich besser. Außerdem wird dort alle zwei Jahre ein Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten abgeschlossen, Nullrunden gab es seit 2008 keine mehr.

Die lautstarken Kritiker sollten sich erst einmal informieren, bevor sie lospoltern. Aber das ist ja inzwischen modern geworden. Postfaktische Zeiten eben...