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22. Januar 2017, von Michael Schöfer
Wir müssen ihn noch 1.459 Tage aushalten


Na, das hat ja nicht lange gedauert. Da ist dieser autoritäre Narzisst gerade mal zwei Tage im Amt, und schon muss man die Pressefreiheit verteidigen. Bloß weil er meint, die Presse habe falsch über die Anzahl der Zuschauer bei seiner Inauguration berichtet, lässt er den Pressesprecher des Weißen Hauses drohen: "Wir werden die Presse zur Verantwortung ziehen." Was immer das konkret heißen mag. Verhaftungen? Redaktionsschließungen à la Erdogan? Ob er nun mehr oder weniger Zuschauer gehabt hat als Obama vor acht Jahren, ist doch absolut irrelevant. Kindergartengetue. Okay, natürlich nicht für Mr. Wichtig. Bitteschön, kann er haben: "Großer Meister, das war das größte Publikum, das je bei einer Vereidigung dabei war." Ob er jetzt zufrieden ist? Seit dem Vorwahlkampf wissen wir ja auch, dass Mr. Wichtig nach eigener Auskunft mit einem großen Schniedel gesegnet ist. Pulitzer-Preisträger David Cay Johnston sagte schon im September 2016 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung voraus: "Eine Trump-Präsidentschaft würde sofort diverse Verfassungskrisen auslösen." Und: "Trump würde die Macht des Präsidentenamts nutzen, um seine Gegner fertigzumachen." Dieser Präsident ist ein Alptraum, eine wahr gewordene Dystopie. Und das Schlechte daran ist: Wir müssen ihn, sollte es vorher kein Impeachment geben, noch mindestens 1.459 Tage aushalten.