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25. Dezember 2016, von Michael Schöfer
Mangelndes Textverständnis


Alexander Neu ist Bundestagsabgeordneter der Linken und laut Wikipedia immerhin promovierter Politikwissenschaftler, daher sollte er mindestens ein durchschnittliches Textverständnis besitzen. Aber weil es gegen die Bild-Zeitung ging, haben ihn offenbar die Reflexe geleitet. Das Blatt meldete auf seiner Website:
"Die Ermittler arbeiten momentan mehr als 500 Hinweise ab. Sie sind offenbar optimistisch, den Attentäter jetzt zu fassen, der elf Menschen mit einem Lkw in den Tod riss und den polnischen Fahrer Lukasz U. (37) mit einer Kleinkaliberwaffe tötete."
Alexander Neu war empört und twitterte:
"#Bild mal wieder auf unterstem Niveau: 'Es starben elf Menschen und ein Pole'"
Er suggeriert, Bild unterscheide zwischen Menschen einerseits und Polen andererseits - ganz so, als seien das zwei unterschiedliche Kategorien: Hier Mensch, dort Pole. Doch wenn man die beiden Sätze mit weniger Schaum vor dem Mund liest, wird jedem sofort klar, dass an der Formulierung von Bild überhaupt nichts auszusetzen ist. Analysieren wir: Der Attentäter riss "elf Menschen mit einem Lkw in den Tod". Stimmt absolut, denn Lukasz U., das zwölfte Opfer des Attentäters, wurde ja im Führerhaus erschossen und nicht mit dem LKW überfahren. Hätte Bild geschrieben, der Attentäter riss "zwölf Menschen mit einem LKW in den Tod", wäre das unpräzise gewesen. Die reflexhafte Empörung von Alexander Neu offenbart lediglich sein mangelndes Textverständnis. Von einem MdB darf man eigentlich mehr erwarten.