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12. Dezember 2016, von Michael Schöfer
Wir hofieren sie, weil unsere Wirtschaft dort viel Geld verdient


Donald Trump stellt die Ein-China-Politik der USA in Frage. "Daß es wirklich nur auf ökonomische Interessen - und nichts anderes - ankommt, beweist die unter moralischen Gesichtspunkten geradezu absurde China-Politik des Westens. Die Beziehungen zur Volksrepublik (bei gleichzeitiger Diskriminierung Taiwans) stellen den wahren Sachverhalt in puncto Demokratie und Menschenrechte geradezu auf den Kopf. Während Peking für die konsequente Mißachtung jeglicher Freiheitsrechte hinreichend bekannt ist, nähert sich Taipeh westlichen Standards immer weiter an. Aber ein Markt von 1,2 Mrd. potentiellen Verbrauchern ist nun mal für die deutsche Wirtschaft wesentlich attraktiver als einer mit lediglich 21 Millionen." Ist nicht von Trump, sondern von mir - geschrieben am 2. November 1996. Ist das jetzt schlecht? Für mich, für den künftigen US-Präsidenten, für Taiwan oder gar für die Volksrepublik China? Seien wir mal ehrlich: Die Machthaber in Peking sind doch bei uns nicht so beliebt, weil sie lupenreine Demokraten wären. Ganz im Gegenteil. Wir hofieren sie, weil unsere Wirtschaft dort viel Geld verdient. Obgleich sich die westlichen Unternehmen zunehmend über China beklagen, zuletzt über rigide Kapitalverkehrskontrollen. Das könnte für Peking gefährlich werden. Ob Menschenrechtler ins Arbeitslager kommen, ist uns nicht wichtig genug. Leider. Aber beim Geld hört bekanntlich jede Freundschaft auf.