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06. Dezember 2016, von Michael Schöfer
Zuerst vor der eigenen Haustür kehren


Der CDU-Wirtschaftsrat ist für die Erhöhung des Renteneintrittsalters: "Wie können wir verhindern, dass die junge Generation von den Kosten der Bevölkerungsalterung erdrückt wird und das ganze System kollabiert? Nur durch eine längere Lebensarbeitszeit - auch über den 67. Geburtstag hinaus", sagt Wolfgang Steiger, der Generalsekretär des Wirtschaftsrats. Was ist dieser Wirtschaftsrat überhaupt? Antwort: "Der Wirtschaftsrat der CDU e.V. ist ein bundesweit organisierter unternehmerischer Berufsverband mit derzeit rund 11.000 Mitgliedern." Unternehmer also. Wirklich putzig, dass sich der CDU-Wirtschaftsrat so große Sorgen um die junge Generation macht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatten 8,4 Prozent der abhängig Beschäftigten über 25 Jahre einen befristeten Arbeitsvertrag, überproportional viele (17,9 %) in der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren. Unsichere Arbeitsverhältnisse sind aber ein Hauptgrund für die drohende Altersarmut, außerdem fällt die Gründung einer Familie (Achtung: Generationenvertrag!) unter solchen Umständen mangels Planungssicherheit verständlicherweise schwer. Den Unternehmern geht es folglich gar nicht um die Interessen der jungen Generation, die sind bloß vorgeschoben. Würde der Wirtschaftsrat wirklich etwas für die junge Generation tun wollen, müsste er sich zunächst einmal für ordentlich bezahlte Dauerarbeitsplätze einsetzen. Mit anderen Worten: Zuerst vor der eigenen Haustür kehren, bevor man alte gegen junge Arbeitnehmer auszuspielen versucht.