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28. November 2016, von Michael Schöfer
Künstliche Intelligenz
reagiert unberechenbar

Dass Künstliche Intelligenz gelegentlich unberechenbar reagiert, haben gerade die Chinesen erfahren müssen. Zwei chinesische Computer-Experten entwickelten ein Programm, das Kriminelle per Gesichtserkennung aufspüren soll. Und zwar nicht solche, die bereits kriminell geworden sind, sondern Menschen, die es wahrscheinlich werden könnten. Es bewertet das Kriminalitätsrisiko anhand der Physiognomie. Ähnliche Ideen hatten bekanntlich auch die Nazis.

Ob das Programm ein Erfolg wird, darf allerdings bezweifelt werden, denn in einem ersten Test outete der Algorithmus Staatschef Xi Jinping als Verbrecher. Kennung: Menschenrechtsverletzer, Intensivtäter. Die Entschuldigung, ein Computerprogramm sei politisch vollkommen neutral, dürfte den Wissenschaftlern kaum helfen, schließlich dienen alle Maßnahmen der Pekinger Diktatoren dem Sozialismus. Zumindest offiziell. Selbst wenn zur Verwirklichung desselben Andersdenkende wie Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, von der Software übrigens sofort als unverdächtiger Demokratiebefürworter aussortiert, für viele Jahre ins Gefängnis müssen. Das, was das Programm über Donald Trump ausgeworfen hat, wird bislang noch geheimgehalten. Dabei wäre diese Art der Verbrechensvorbeugung die effektivste: Man überprüft alle Politiker noch vor Amtsantritt, ob sie in Zukunft gegen die Gesetze verstoßen werden. Der Internationale Strafgerichtshof wäre mit einem Schlag überflüssig. (Hinweis: Der Zusatz "Achtung: Satire!" gilt für alles nach "...Nazis".)