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21. November 2016, von Michael Schöfer
Eigentlich erwartet man einen ehrbaren Kaufmann


Wie stark bei den Banken die Maßstäbe verrutscht sind, demonstrierte kürzlich wieder der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann. In einem Interview mit der Süddeutschen wurde er gefragt: "Ein großes Problem sind ja die Strafen aus den USA. Wie viel davon ist denn in Ihrer Verantwortung entstanden?" Ackermanns Antwort sollte man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: "Alles geht auf die Zeit zurück, in der ich die Bank geleitet habe. Trotzdem muss man festhalten: Andere Banken haben noch viel mehr bezahlt. Die Bank of Amerika über 77 Milliarden Dollar, JP Morgan über 40 Milliarden. Die Deutsche Bank hat dagegen bisher nur rund sechs Milliarden Euro gezahlt. Obwohl sie beim Marktanteil auf Platz zwei oder drei lag, liegt sie bei der Höhe der verhängten Strafen bisher nur im Mittelfeld." Übertagen auf die Welt der Diebe heißt das: "Ich habe zwar geklaut, aber andere haben noch viel mehr geklaut." Wie wenn das eine Entschuldigung wäre. Von einem Banker erwartet man gemeinhin die Haltung eines ehrbaren Kaufmannes - und nicht die eines Täters, der auf mildernde Umstände plädiert.