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06. November 2016, von Michael Schöfer
Ich lehne ganz bestimmt nicht ab


In drei Monaten, am 12. Februar 2017, soll im Reichstagsgebäude ein neuer Bundespräsident gewählt werden. Bislang hat sich die Große Koalition noch nicht auf eine Kandidatin bzw. auf einen Kandidaten einigen können. Norbert Lammert will nicht, Margot Käßmann ebenso wenig, auch Andreas Voßkuhle bleibt lieber Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Wolfgang Schäuble, Gerda Hasselfeldt, Frank-Walter Steinmeier und Winfried Kretschmann scheinen jeweils aus parteiegoistischen Motiven heraus keine Mehrheit zu finden. Und der Schriftsteller Navid Kermani ist Angehöriger des islamischen Glaubens, obgleich er selbst nach den hohen Maßstäben der CSU ("Deutsch ist bei uns die Sprache des öffentlichen Lebens") als gut integriert gelten dürfte. Ein Muslim als Staatsoberhaupt? Ja, haben Sie denn nicht "Die Unterwerfung" von Michel Houellebecq gelesen?

Auf der Suche nach einem geeigneten Staatsoberhaupt müssen die Parteivorsitzenden zwangsläufig irgendwann einmal bei mir landen. Und ich lehne ganz bestimmt nicht ab, schon allein wegen des üppigen Amtsgehalts (pro Jahr 199.000 Euro plus 78.000 Euro Aufwandsentschädigung). Ich bin zweifellos bestens für das schwere Amt geeignet: Als Atheist halte ich mich von allen Glaubensrichtlinien gleich fern, bin insofern auch - sorry, lieber Herr Kermani - für alle gleichermaßen akzeptabel. Obendrein bin ich parteilos. Neutraler geht's wirklich nicht. Da mein Geburtsort in der Pfalz liegt (von 1816 bis 1946 zu Bayern gehörend), sind gute Beziehungen zu Horst Seehofer durchaus möglich. Und da ich demnächst ohnehin umziehen will, die Mietpreise aber seit Jahren geradezu explodieren, käme mir Schloss Bellevue als neue Heimat gerade recht. Frisch renoviert, versteht sich. Bloß eine bescheidene Frage: In welchem Flügel finde ich die Räume meiner Mätressen?

Reden kann ich übrigens ziemlich gut. Was glauben Sie, was los sein wird, wenn ich Wladimir Putin bei seinem Deutschlandbesuch ordentlich zusammenscheiße. (Ja, ja, ich weiß, als Bundespräsident muss ich mich gewählter ausdrücken. Ich korrigiere: "...ordentlich in den Senkel stelle.") Selbst mit Donald Trump und Hillary Clinton habe ich viel gemeinsam: Wir sind alle drei blond (und mindestens zwei von uns sind NICHT doof). Also, verehrte Frau Merkel, rufen Sie einfach bei mir an. Im Unterschied zu Bob Dylan gehe sich sogar ans Telefon. Nur keine falsche Scheu, später haben wir ohnehin öfter miteinander zu tun.